8. Oktober 2026

Verbände fordern verlässliche Bundesmittel für barrierereduzierende Umbauten

Berlin (pm) – Sieben Verbände aus den Bereichen Wohnen, Seniorenvertretung, Soziales und Industrie fordern Bundesregierung und Bundestag auf, die Förderung barrierereduzierender Umbauten im Wohnungsbestand verlässlich zu sichern. Das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen – Barrierereduzierung“ (455-B) soll kurzfristig wieder anlaufen und im Bundeshaushalt 2027 mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden. Die für 2026 bereitgestellten 50 Millionen Euro waren bereits am 30. Juli ausgeschöpft – ein deutlicher Beleg dafür, dass der Bedarf über dem bisherigen Fördervolumen liegt. Eine verlässliche Förderung ermöglicht mehr Menschen ein selbstbestimmtes Wohnen im vertrauten Umfeld, macht notwendige Umbauten für Eigentümer und Mieter planbarer und finanzierbarer und kann dazu beitragen, vorzeitige Umzüge oder kostenintensive Pflegeheimaufenthalte zu vermeiden.

„Millionen Menschen sind auf einen barrierearmen Zugang zu ihrer Wohnung angewiesen. Wenn ein vergleichsweise kleines Förderprogramm schon nach wenigen Monaten ausgeschöpft ist, darf die politische Antwort kein erneuter Förderstopp sein. Bundesregierung und Bundestag müssen jetzt Planungssicherheit schaffen und das Programm kurzfristig wieder öffnen“, sagt Robert Hild, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Aufzüge und Fahrtreppen.

Großer Bedarf im Wohnungsbestand

Nach Angaben des GdW fehlen in Deutschland bis zu 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Rund 7,8 Millionen Menschen leben mit einer Schwerbehinderung; zugleich steigt der Anteil mobilitätseingeschränkter Menschen mit zunehmendem Alter deutlich. Barrierereduzierende Maßnahmen im Wohnungsbestand sind deshalb nicht nur eine Frage des Wohnkomforts, sondern eine gemeinsame bau-, haushalts- und sozialpolitische Aufgabe.

Drei Forderungen an Bund und Bundestag

  • Kurzfristiger Neustart: Für barrierereduzierende Maßnahmen müssen zeitnah wieder Bundesmittel zur Verfügung stehen und neue Anträge möglich werden. Hierfür sollten auch bestehende haushälterische Spielräume geprüft werden.
  • Verlässliche Finanzierung 2027 und steuerliche Flankierung: Der Bundeshaushalt 2027 muss eine belastbare Mittelausstattung vorsehen, damit Antragsteller und ausführende Unternehmen Planungssicherheit erhalten. Die Erweiterung des §35c EstG um Maßnahmen zur Barrierereduzierung kann insbesondere selbstnutzende Eigentümer zu Investitionen mobilisieren.
  • Verankerung in der Förderarchitektur: Barrierefreiheit sollte als eigenständiges Qualitätsmerkmal in der Wohnungsbau- und Sanierungsförderung berücksichtigt werden, etwa über ein eigenes Fördermodul.

„Entscheidend ist nicht, ob die Mittel über das bestehende Programm, geeignete Haushaltstitel oder vorhandene Förderstrukturen bereitgestellt werden. Entscheidend ist, dass Investitionen nicht erneut ins Leere laufen. Barrierefreiheit braucht eine verlässliche Perspektive statt kurzfristiger Unterbrechungen“, so Hild.

Der VDMA vertritt 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3 Millionen Menschen in der EU-27, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt rund 900 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der in der EU verkauften Maschinen stammen aus einer Fertigungsstätte im Binnenmarkt.

Haushaltsberatungen jetzt nutzen

Mit ihrem gemeinsamen Verbändebrief wenden sich die Organisationen an das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, das Bundesminsiterium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Gesundheit sowie an die zuständigen Ausschüsse des Deutschen Bundestages. Sie appeliern an Bundesregierung und Bundestag, in den Haushaltsberatungen die erforderlichen Mitteil bereitzustellen, das Programm 455-B kurzfristig wieder anlaufen zu lassen und die Barrierereduzierung im Wohnungsbestand dauerhaft in der Förderpolitik zu berücksichtigen.

Unterzeichnende Organisationen

BAG Wohnungsanpassung e. V; Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e. V. (BAGSO); Sozialverband Deutschland (SoVD); Sozialverband VdK Deutschland e. V.; VDMA Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen, Verband Wohneigentum e. V.; Wohnen im Eigentum – Die Wohneigentümer e. V.