Stuttgart (pm) – Bei einem gemeinsamen Termin der Gründungspartner im Bundesrat sind die ersten Forschungsprojekte des künftigen „Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen“ (DFZ-Bau) gestartet. Die Aufnahme der Forschungstätigkeit markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu seiner institutionellen Gründung, die noch im Jahr 2026 erfolgen soll.
Die Etablierung des DFZ-Bau ist ein gemeinsames Projekt des Bundes, der Länder Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie von Partnern aus Forschung und Praxis. Das Forschungszentrum soll dabei helfen, zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie dem Klimawandel und dem weltweit hohen Ressourcenverbrauch wirkungsvoll zu begegnen. Im Mittelpunkt des DFZ-Bau steht eine neue Form des Forschens: praxisintegriert, experimentell und nah am realen Baugeschehen. Neue Verfahren, Materialien, Technologien und Prozesse sollen unter realen Bedingungen erprobt, systematisch evaluiert und gemeinsam mit der Praxis und für die Praxis weiterentwickelt werden.
„Baden-Württemberg verfügt mit einer exzellenten Bauforschungslandschaft und einer außergewöhnlich leistungsstarken Bauwirtschaft mit hoch spezialisierten Industrieclustern, innovativen Unternehmen und einer bundesweit einzigartigen Start-up-Szene über ein herausragendes Ökosystem im Bauwesen. Diese geballte Stärke aus Wissenschaft und Wirtschaft bringen wir in den neuen dezentralen Forschungsverbund des DFZ-Bau ein. Gemeinsam mit unseren Partnern aus Thüringen und Sachsen stärken wir die länderübergreifende Vernetzung, um das Bauen neu zu denken und nachhaltiges, schnelleres und bezahlbares Bauen zu verbinden“, so Cem Özdemir, Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
„Mit den neuen Forschungsprojekten bekommt die Bauforschung einen weiteren Schub. Wir wollen das Bauen nachhaltiger, innovativer und zukunftsfähig machen. Dafür müssen gute Ideen schnell in die Praxis kommen. Genau hier setzt das DFZ-Bau an. Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz und unseren Forschenden für ihren Mut und ihre Ideen. Jetzt wünsche ich ihnen viel Erfolg – und vor allem: viel Tempo bei der Umsetzung. Denn bei der Transformation des Bauwesens können wir nicht warten“, sagt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.
Innovationstransfer beschleunigen: NextBauBW vernetzt Kompetenzen und Akteur*innen
Als Standortvertretung des DFZ-Bau wird NextBauBW künftig Kompetenzen für Baden-Württemberg bündeln. Die neue Landeszentrale wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Zu den beteiligten Forschungspartnern zählen die Universität Stuttgart mit dem Exzellenzcluster Integratives computerbasiertes Planen und Bauen für eine transformative Architektur (IntCDC), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Hochschule für Technik Stuttgart, die Hochschule Biberach und Institute der Fraunhofer-Allianz Bau.
„NextBauBW soll nun kontinuierlich wachsen und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden enger miteinander vernetzen. Ziel ist es, Innovationen für zukunftsfähiges Bauen schneller aus den hervorragenden Laboren des Landes in die Baupraxis zu bringen – und damit die dringend benötigte Transformation des Bauschaffens zu beschleunigen“, sagt Prof. Achim Menges, Sprecher von NextBauBW und Leiter des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) der Universität Stuttgart. Die Geschäftsstelle von NextBauBW ist an der Universität Stuttgart angesiedelt. Geführt wird sie von Dr. Norbert Pralle, seit Mitte September im Amt. NextBauBW wird eng mit dem DFZ-Bau und den Landeszentralen in Thüringen und Sachsen zusammenarbeiten.
Der gesamte Lebenszyklus von Gebäuden soll nachhaltig werden
In Baden-Württemberg befassen sich rund 40 Forschungseinrichtungen seit Jahren intensiv damit, den Bausektor zukunftsfähiger aufzustellen. Im Fokus steht dabei der gesamte Lebenszyklus von Gebäuden. Von der Planung ressourceneffizienter Bauteile und -weisen über produktivere Fertigungs- und Bauprozesse bis hin zum Einsatz von nachhaltigen und damit auch kreislauffähigen Bauteilen- und -stoffen, also deren werthaltige Wiederverwendung in Bauprojekten. Die Aktivitäten von NextBauBW bauen auf den besonderen Kompetenzen der baden-württembergischen Forschungslandschaft auf, Schwerpunkte setzt der Verbund in den Bereichen Digitalisierung, integratives Planen und Bauen, Robotik, kreislaufgerechtes Bauen, biobasierte Materialien und Holzbau.
Sichtbare Innovationsorte: Experimentalplattformen an der Universität Stuttgart und am KIT
Eine besondere Rolle im dicht besiedelten Baden-Württemberg spielen Lösungen für das Sanieren und Bauen im Bestand. Um innovative Forschungsansätze praxisnah zu entwickeln, entstehen im Rahmen von NextBauBW zwei Experimentalplattformen an der Universität Stuttgart und am KIT. Beide verfolgen bewusst einen materialübergreifenden und technologieoffenen Ansatz. Vorgesehen sind derzeit ungenutzte Bestandsgebäude – ein Setting, das sich ideal für die Entwicklung, Erprobung und Evaluierung von nachhaltigen Sanierungs-, Konversions- und Erweiterungskonzepten eignet.
„Die Idee der Experimentplattformen dient auch einem dreiseitigen Wissenstransfer: Forschende, Industriepartner und Behörden arbeiten eng zusammen. So gelangen Erkenntnisse aus der Forschung schnell in die Praxis – und zugleich fließen Impulse und Erfahrungen aus der Praxis zurück in die Forschung“, sagt Prof. Dirk Hebel, der die Experimentalplattform am KIT aufbauen wird. Mit den beiden Experimentalplattformen entstehen damit nicht nur ein neues Forschungsinstrument, sondern auch sichtbare Innovationsorte und zentrale Anlaufstellen für die Vielzahl an Akteur*innen und Aktivitäten, die den Standort Baden-Württemberg besonders auszeichnen.
Quelle: Universität Stuttgart