15. September 2026

Baustoffe für eine ressourcenschonende und klimaneutrale Zukunft: 22. ibausil in Weimar

Weimar (pm) – Vom 16. bis 18. September 2026 bringt die 22. Internationale Baustofftagung (ibausil) Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis zusammen – im Fokus stehen klimaverträgliche Baustoffe, langlebige Infrastruktur und innovative Lösungen aus der Forschung. Veranstaltet wird die Tagung vom F.A. Finger-Institut für Baustoffkunde (FIB) an der Bauhaus-Universität Weimar. Zur Eröffnung spricht unter anderem Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Brückenexperte Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx von der TU Dresden.

Angesichts des Klimawandels und einer vielerorts sanierungsbedürftigen Infrastruktur steht die Bauwirtschaft vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss bestehende Bauwerke erhalten und an veränderte Umweltbedingungen anpassen – und zugleich die Herstellung neuer Baustoffe deutlich klimaverträglicher und ressourcenschonender gestalten. Nach wie vor eine Schlüsselrolle für die Zukunft der gebauten Umwelt nimmt dabei der Beton ein. Mit einem jährlichen weltweiten Bedarf von ca. 12 Mrd. Kubikmetern ist er mit Abstand der meistgenutzte Baustoff.

Die Forschung in Weimar setzt bei der ökologischen Transformation des Betons an verschiedenen Punkten an: bei neuen Bindemitteln und Zementen, bei der Reduzierung des Klinkeranteils in portlandzementbasierten Zementen, beim Recycling von Altbetonen und bei Verfahren, die Beton effizienter und langlebiger machen. Ziel ist nicht allein ein geringerer CO₂-Ausstoß bei der Herstellung. Entscheidend ist auch, Bauwerke so zu konzipieren und instand zu halten, dass sie möglichst lange genutzt werden können.

Wie das gelingen kann, ist eines der zentralen Themen der 22. Internationalen Baustofftagung ibausil, die vom 16. bis 18. September 2026 in Weimar stattfindet. Mehr als 200 Fachbeiträge thematisieren unter anderem anorganische Bindemittel, Betone und Betondauerhaftigkeit, Recycling sowie neue Baustoffkonzepte, die neben dem klassischen Beton eine zunehmend wichtigere Rolle spielen werden. Neben Baustoffen auf Basis von Zement widmen sich verschiedene Sessions Gips, Lehm und Kalksandsteinen. Erstmals ist zudem ein eigener Schwerpunkt für innovative Start-ups Bestandteil der Tagung.

Der Institutsdirektor des FIBs Prof. Michael Ludwig, Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine und Universitätspräsident Prof. Peter Benz eröffnen die Veranstaltung in der Weimarhalle. Brückenexperte Univ.-Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx von der TU Dresden hält einen Impulsvortrag zum Thema: »Quo vadis Brückenbau – Problemfelder und neue Wege«.

Von der Forschung in die Anwendung

Dass aus wissenschaftlichen Ideen konkrete Technologien entstehen können, zeigt die Start-up-Landschaft rund um die Bauhaus-Universität Weimar. Mit Sonocrete und Oliment präsentieren sich auf der ibausil zwei Ausgründungen, deren Technologien unmittelbar an der Transformation der Beton- und Zementindustrie ansetzen.

Sonocrete hat ein Verfahren auf Basis von Leistungsultraschall entwickelt, mit dem sich die Erhärtung von Beton beschleunigen lässt. Die Technologie kann dadurch helfen, den Anteil von CO2-behafteten Portlandzementklinker zu reduzieren und dennoch die für die industrielle Fertigung erforderliche Frühfestigkeit zu erreichen. Das Unternehmen wurde 2018 als Ausgründung der Bauhaus-Universität Weimar gegründet.

Oliment verfolgt einen anderen Ansatz: Das Unternehmen arbeitet an einem neuartigen Bindemittel auf Basis magensiumsilikathaltiger Minerale, welcheperspektivisch eine Alternative zu herkömmlichen, kalksteinbasierten Zementen darstellen soll. Die Technologie geht auf Forschungsarbeiten und ein Patent von Prof. Ludwig und Dr. Frank Bellmann an der Bauhaus-Universität Weimar zurück. Seit 2023 wird Oliment von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) gefördert.

Damit stehen die beiden Start-ups exemplarisch für einen wichtigen Anspruch der ibausil: Baustoffforschung soll nicht im Labor enden, sondern Lösungen für die reale Baupraxis hervorbringen.

Klaus Dyckerhoff-Preis 2026

Im Rahmen der ibausil wird am 16. September 2026 der Klaus Dyckerhoff-Preis für Junge Wissenschaftler*innen verliehen. Prämiert werden wissenschaftliche Arbeiten zur Erforschung, Anwendung oder Herstellung von hydraulischen oder alternativen Bindemitteln. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und richtet sich an Personen, die noch nicht in leitender Funktion tätig sind. Über die Preisträger*innen entscheidet das Stiftungskuratorium nach Vorschlag einer vierköpfigen Preisjury aus Wissenschaft und Wirtschaft. Die Laudatio hält Prof. Dr. Johann Peter Plank, emeritierter Lehrstuhlinhaber für Bauchemie an der TU München.

Weimar als Zentrum der Baustoffforschung

Die ibausil findet seit 1964 regelmäßig in Weimar statt und gehört zu den traditionsreichsten internationalen Veranstaltungen der Baustoffforschung. Auch 2026 werden circa 600 Expert*innen aus 20 Ländern erwartet. Das F.A. Finger-Institut für Baustoffkunde verbindet Grundlagenforschung in Kooperation mit der Material- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar und dem Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) Weimar mit anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung in den Bereichen Zement, Mörtel, Beton, Gips, Polymere und Holz sowie bei Sanierung und Recycling. Gemeinsam bilden die drei Institutionen das Thüringer Innovationszentrum für die Zukunft des Bauens, welches 2026 mit dem Standort Weimar Teil des neu gegründeten Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ) ist.

Quelle: Bauhaus-Universität Weimar