Höver (pm) – Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), haben heute gemeinsam mit Stephan Hinrichs, CEO von Holcim Deutschland, sowie den Technologiepartnern Cool Planet Technologies und dem Helmholtz-Zentrum Hereon die neue Testanlage für industrielle CO₂-Abscheidung im Zementwerk Höver, Niedersachsen, feierlich in Betrieb genommen. Es entsteht eine vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Blaupause für die zukunftsfähige Zementproduktion, die gleichzeitig Arbeitsplätze sichert und dazu skalierbar und wirtschaftlich tragfähig ist. Schon bald sollen damit bis zu zehntausend Tonnen des Treibhausgases CO₂ abgeschieden werden – als einer der ersten Industriestandorte in Deutschland überhaupt.
Die neue Anlage ist Teil der ambitionierten CO₂ Dekarbonisierungspläne von Holcim und ein Meilenstein auf dem Weg zur Zementproduktion mit Nahe-Null CO₂-Emissionen in Höver. Bereits 2022 wurde am Standort im kleineren Maßstab ein äußerst erfolgreicher Pilotversuch mit der membranbasierten CO₂-Abscheidungstechnologie durchgeführt. Die zugrunde liegende Membrantechnologie wurde am Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht entwickelt und von der britischen Firma Cool Planet Technologies in die industrielle Anwendung gebracht. Durch die Installation der neuen, größeren Demonstrationsanlage wird die Technologie nun skaliert.
Das CO₂ wird mithilfe spezieller Membranen aus der Abluft getrennt. Die Abscheideanlage ist dem eigentlichen Produktionsprozess nachgeschaltet und ermöglicht damit die Nachrüstung bestehender Zementwerke ohne grundlegende Umbauten. Nach der finalen Ausbaustufe sollen in Höver rund 90 Prozent der jährlich rund 550.000 Tonnen CO₂-Emissionen abgeschieden, hochrein aufbereitet und perspektivisch industriell nutzbar gemacht werden.
Wichtiger Beitrag für die Dekarbonisierung der Industrie
Ministerpräsident Olaf Lies: „Die Zementindustrie steht vor besonderen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung. Hier in Höver wird jetzt gezeigt, wie die Zementwende gelingen kann. Mit der neuen Anlage leistet Holcim ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland und einen wichtigen Beitrag zum Ziel ‚klimaneutrales Niedersachsen‘.”
Das Projekt erhält Fördergeld aus der „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“, mit der das Bundeswirtschaftsministerium die Dekarbonisierung der Industrie unterstützt, darunter die Entwicklung und Anwendung von CCU/S-Technologien (Carbon Capture, Utilization, and Storage) zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂.
Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Johannes Steiniger: „Die Bundesregierung fördert gezielt innovative Technologien für den Klimaschutz. Die Unternehmen und Wissenschaftler in unserem Land haben viele gute Ideen, die sie erfolgreich entwickeln und umsetzen, wie hier im Zementwerk in Höver. Darauf sind wir stolz. Die Bundesregierung will ihren Beitrag dazu leisten, CCU/S als Klimaschutztechnologie für Sektoren mit schwer vermeidbaren Emissionen wie in der Zementindustrie zu etablieren.“
„Höver wird einer der ersten Industriestandorte in Deutschland sein, an dem CO₂ real und im größeren Maßstab abgeschieden wird. Dabei setzen wir auf europäische Spitzentechnologie und nutzen die Ingenieurskompetenz unserer Technologiepartner. Gemeinsam treten wir in Niedersachsen den Beweis an, dass Klimaschutz und die Stärkung der Industrie Hand in Hand gehen“, sagt Stephan Hinrichs, CEO von Holcim Deutschland.
Pionierarbeit und starke Partnerschaften
Bei der Erprobung und Skalierung der Technologie arbeitet Holcim eng mit dem britischen Unternehmen Cool Planet Technologies und dem Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht zusammen.
„Gemeinsam mit Holcim leisten wir Pionierarbeit für die Zementindustrie. Die membranbasierte CO₂-Abscheidung wird in Höver erstmals in dieser Größenordnung erprobt und schafft die Grundlage dafür, bestehende Zementwerke schrittweise zu dekarbonisieren„, sagt Andrew Corner, CEO Cool Planet Technologies.
„In Höver wird aus wissenschaftlicher Forschung eine zukunftsfähige Lösung für die industrielle Praxis. Die großen Herausforderungen der Dekarbonisierung lassen sich nur durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Industrie lösen“, sagt Prof. Dr. Oliver Zielinski, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums Hereon.
Dr. Torsten Brinkmann, Wissenschaftler am Hereon-Institut für Membranforschung und Leiter im Holcim-Projekt, ergänzt: „Die von Hereon entwickelte Membrantechnologie für die CO₂-Abtrennung gehört zu den weltweit führenden Ansätzen und ist das Resultat mehrjähriger, konsequenter und interdisziplinärer Forschung und Entwicklung. Sie ist nicht nur in Zementwerken einsetzbar, sondern auch in anderen Sektoren wie der Stahlindustrie oder der regenerativen Energieerzeugung.”
Ein klares Zeichen für den Industriestandort Deutschland
Mit der Pilotanlage in Höver will Holcim dazu beitragen, die Zementproduktion am Standort Höver über Jahrzehnte zu sichern, Arbeitsplätze langfristig zu erhalten, neue Perspektiven für qualifizierte Beschäftigung zu schaffen und die Rohstoffresilienz der Region weiter zu stärken.
Membrantrennverfahren bieten durch ihre energieeffizienten Eigenschaften eine der schonendsten Möglichkeiten, CO₂ abzuscheiden. Sie eröffnen der Zementindustrie damit neue Wege hin zur Dekarbonisierung. Durch die Inbetriebnahme der neuen Testanlage wird die membranbasierte CO₂-Abscheidung weiter skaliert. Parallel dazu bereitet Holcim gemeinsam mit Kooperationspartnern bereits erste Projekte vor, um das abgeschiedene CO₂ künftig als Grundstoff für andere Industrien nutzbar zu machen und Stoffkreisläufe zu schließen.
Da CO₂ als natürlicher Luftbestandteil weder brennbar noch explosiv ist, steht die Anlage in Höver für einen risikoarmen Betrieb. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Expert:innen und die strikte Einhaltung aller Sicherheitsstandards inklusive umfassender Lärm- und Umweltgutachten garantiert die Erfüllung höchster Schutzziele und leistet einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung.
Quelle: Holcim (Deutschland) GmbH