Gastbeitrag – Steigende Mieten und ein knappes Wohnungsangebot prägen vielerorts den Immobilienmarkt. Oft richtet sich der Blick dabei auf den Neubau. Doch hohe Baukosten, begrenzte Flächen und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen viele Projekte aus. Gleichzeitig bleibt ein großes Potenzial häufig ungenutzt: bestehende Gebäude. Durch die Modernisierung leerstehender Wohnungen, den Ausbau vorhandener Immobilien oder die Umnutzung anderer Gebäude kann zusätzlicher Wohnraum entstehen, ohne dass neue Baugebiete erschlossen werden müssen.
Sanierungsbedürftige Wohnungen sind häufig die eigentliche Ursache
Leerstehende Wohnungen werden oft als Zeichen einer geringen Nachfrage verstanden. Tatsächlich liegt der Grund jedoch häufig im Zustand der Immobilie. Defekte Heizungsanlagen, veraltete Elektrik, beschädigte Dächer oder notwendige Modernisierungen verhindern, dass Wohnungen vermietet werden können. Der Leerstand ist daher vielfach das Ergebnis eines Sanierungsstaus und nicht fehlender Interessenten.
Wer diese Wohnungen modernisiert, kann vergleichsweise schnell zusätzlichen Wohnraum bereitstellen. Gleichzeitig bleibt vorhandene Bausubstanz erhalten und Gebäude werden vor weiterem Verfall geschützt. Dadurch lässt sich vermeiden, dass Wohnraum dauerhaft verloren geht.
Bestehende Gebäude bieten zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten
Nicht nur leerstehende Wohnungen können einen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes leisten. Auch bestehende Wohngebäude bieten häufig Ausbaureserven. Ungenutzte Dachgeschosse lassen sich zu Wohnungen ausbauen und bei geeigneten Gebäuden können zusätzliche Stockwerke entstehen. Auf diese Weise wächst das Wohnungsangebot, ohne dass neue Grundstücke benötigt werden.
Ein weiteres Potenzial liegt in der Umnutzung anderer Immobilien. So stehen in vielen Regionen Büro- oder Gewerbeflächen teilweise leer, während gleichzeitig Wohnraum fehlt. Wo die baulichen Voraussetzungen gegeben sind, können solche Gebäude für Wohnzwecke umgestaltet werden. Dadurch entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten innerhalb bereits bestehender Strukturen.
Auch die Nachverdichtung spielt eine wichtige Rolle. Werden vorhandene Grundstücke besser genutzt, entstehen zusätzliche Wohnungen, während Straßen, Versorgungsleitungen und andere Infrastruktur bereits vorhanden sind. Das spart nicht nur Flächen, sondern reduziert häufig auch den Aufwand gegenüber einer vollständigen Neuerschließung.
Ressourcenschonend und wirtschaftlich sinnvoll
Die Weiterentwicklung des Gebäudebestands bietet nicht nur Vorteile für den Wohnungsmarkt, sondern auch für Umwelt und Ressourcen. Da vorhandene Gebäude erhalten bleiben, werden weniger Baumaterialien benötigt als bei einem vergleichbaren Neubau. Gleichzeitig fällt weniger Bauschutt an und bereits verbaute Rohstoffe können weiter genutzt werden.
Auch aus wirtschaftlicher Sicht kann sich die Bestandsentwicklung lohnen. Zwar verursachen umfangreiche Modernisierungen ebenfalls erhebliche Kosten, dennoch sind sie je nach Ausgangslage oft günstiger und schneller umzusetzen als ein kompletter Neubau. Zusätzlich verbessert eine energetische Sanierung häufig den Wohnkomfort und senkt langfristig den Energieverbrauch.
Weniger Bürokratie würde viele Projekte beschleunigen
Obwohl das Potenzial groß ist, scheitern viele Vorhaben an rechtlichen Vorgaben und langwierigen Genehmigungsprozessen. Anforderungen an Brandschutz, Stellplätze, Abstandsflächen oder den Denkmalschutz erschweren zahlreiche Maßnahmen. Hinzu kommen aufwendige Verfahren bei Nutzungsänderungen, die Zeit und zusätzliche Kosten verursachen.
Damit bestehende Gebäude stärker zur Wohnraumversorgung beitragen können, sind einfachere und schnellere Verfahren notwendig. Ebenso wichtig sind verlässliche Förderprogramme sowie steuerliche Anreize, damit notwendige Investitionen wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Bestehende Gebäude stärker in den Fokus rücken
Der Neubau wird auch künftig unverzichtbar bleiben. Dennoch zeigt sich immer deutlicher, dass sich der Wohnraummangel nicht allein durch neue Bauprojekte beheben lässt. Die Modernisierung leerstehender Wohnungen, Aufstockungen, Dachausbauten und Umnutzungen bieten die Möglichkeit, zusätzlichen Wohnraum vergleichsweise schnell bereitzustellen.
Eine stärkere Nutzung des Gebäudebestands verbindet dabei mehrere Vorteile: Bestehende Ressourcen werden geschont, vorhandene Infrastruktur effizient genutzt und zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Werden gleichzeitig bürokratische Hürden abgebaut und Investitionen erleichtert, kann der Gebäudebestand künftig einen noch größeren Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes leisten.

Etem Kalyon ist Geschäftsführer der Kalyon Immobilien GmbH und spezialisiert auf die Entwicklung von Wohnimmobilien. Gemeinsam mit seinem Team kauft und optimiert er Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Wohnungsportfolios. Er begleitet den gesamten Prozess von Ankauf und Finanzierung bis zur Sanierung und Vermietung. Zuvor war er im Investmentbanking und Private Equity tätig. Sein Fokus liegt auf wirtschaftlich nachhaltigen Immobilieninvestments. Weitere Informationen unter: https://www.kalyonimmobilien.de/