25. August 2026

MIDERI entwickelt einen durchlässigen Masterplan im Rhônetal mit tanzenden Baukörpern

Basel (abki) – Der MIDERI Masterplan Sion lehnte den starren Blockrand ab und entwickelte einen durchlässigen, klimaaktiven Masterplan entlang des Rhôneufers in Sion. Vier gestufte Baukörper erzeugen eine urbane Choreografie, um die alpinen Ausblicke zu maximieren und einen hochwertigen öffentlichen Raum zu schaffen.

Rhythmische Staffelung: Gebäude tanzen im Tal

Das Büro wählte ein weich-radikales städtebauliches Layout und ersetzte monolithische Superblocks durch ein Ensemble aus gestuften, terrassierten Baukörpern. Dank dieser vertikalen Staffelung „tanzen“ die Gebäude miteinander, öffnen dynamische Sichtachsen zu den umliegenden Alpengipfeln und schaffen präzise räumliche Abstände von 7,1 m bis 19,7 m, um Kaltluftkorridore aus den Walliser Bergen zu sichern.

Tektonische Klimamaschine

Der Masterplan funktioniert als passive Klimamaschine, die auf die extremen jahreszeitlichen Schwankungen des alpinen Tals ausgerichtet ist. Tief eingeschnittene Sonnenterrassen springen stufenweise zurück, um intensive sommerliche Strahlung abzuhalten und zugleich die tief stehende Wintersonne einzufangen. Schwere innere Betondecken, ergänzt durch hochleistungsfähige Holzfassaden, regulieren die thermische Trägheit für diese Region mit extremen Temperaturen.

Das aktive öffentliche Sockelgeschoss: Verbindung von Stadt und Fluss

Die vier Baukörper (Büros, Wohnen, Parkierung und elektrische Unterstation) aktivieren die Erdgeschossebene als offenen sozialen Kondensator, der den Bahnhof mit dem Rhôneufer verbindet. Gemeinsame Handwerkswerkstätten, öffentliche Arkaden, Wintergärten und überdachte Fußgängerverbindungen führen das tägliche Leben des Quartiers durch das Areal und lösen zugleich den Höhenunterschied von einem Geschoss zwischen Stadt und Fluss.

Rhythmische Staffelung: Gebäude tanzen im Tal

„Wir planen für die nächsten 200 Jahre, nicht für die nächsten 15 Minuten Instagram-Erfolg. Wir weigerten uns, eine statische Wand gegen die Berge zu errichten. Stattdessen entwickelten wir eine urbane Choreografie, in der gestufte Baukörper miteinander tanzen, visuelle Kanäle zum alpinen Horizont öffnen und die Flusslandschaft direkt in die Stadt fließen lassen.“

Die vier geforderten Typologien sind als flexible Elemente modelliert, die ihre Nutzung und Typologie innerhalb des Gebäudes (geschossweise) und über die Zeit hinweg anpassen können (beispielsweise indem sich Parkierung in Büros verwandelt). Die Standardantwort auf Anforderungen an hohe Dichte entlang europäischer Fluss- und Bahnkorridore ist der durchgehende Blockrand. Wir lehnten diesen Standardreflex zugunsten eines durchlässigen Masterplans ab, bei dem unabhängige Baukörper gestuft und über das Gelände verteilt werden. Während die Baukörper schrittweise zum Rhône hin abfallen, erzeugen sie eine aktive visuelle Kadenz: ein Spiel aus Licht, Schatten und Geometrie. Diese rhythmische Staffelung reduziert das visuelle Gewicht der Entwicklung und garantiert, dass Bürger, die sich durch das Quartier bewegen, ununterbrochene Ausblicke auf die Walliser Gipfel genießen.

Die durchlässige Körnung: Verschiebung des alpinen Maßstabs

„Echte urbane Dichte darf niemals autokratisch oder monolithisch wirken. Durch die Fragmentierung der Masse in abgestimmte Blöcke entwarfen wir eine durchlässige städtische Körnung, die als Universeller Übersetzer zwischen dem Maßstab der historischen Stadt und dem weiten Bergtal funktioniert.“

Unser städtebauliches Raster schafft präzise räumliche Abstände zwischen den Gebäuden von 7,1 Metern bis 19,7 Metern. Diese berechneten Lücken lösen den traditionellen Superblock auf, schneiden offene Luftkanäle in die Struktur und ermöglichen es kalter alpiner Luft, durch den Stadtkern zu strömen und den sommerlichen Wärmeinseleffekt zu mindern. Darüber hinaus wirkt diese räumliche Durchlässigkeit als akustischer und visueller Puffer gegenüber den angrenzenden Bahnlinien und vermittelt zwischen der übergeordneten kommunalen Verkehrsinfrastruktur und ruhigen Innenhöfen.

Topografie der Begegnung: Gestufte Terrassen als vertikale öffentliche Landschaften

„Dächer sind keine toten technischen Flächen, die verborgen werden sollen. Sie sind gestufte Decks, die als vertikale Erweiterungen des Flussparks fungieren, sonnenverwöhnte Gemeinschaftsgärten, in denen Bewohner täglich miteinander interagieren.“

Indem die natürliche Topografie alpiner Hänge in die Gebäudegeometrie übersetzt wird, erzeugt jede Stufe eine aktive Außenterrasse. Diese kaskadierenden Dächer sind keine passiven Ebenen mehr. Stattdessen fungieren sie als erhöhte soziale Kondensatoren mit gemeinschaftlich genutzten Flächen für urbane Landwirtschaft, Pergolen und Sitzbereiche im Freien. Das kaskadierende Profil gewährleistet, dass selbst tiefe Grundrisse in den unteren Ebenen direktes südliches Tageslicht und winterliche solare Gewinne erhalten.

Die Low-Tech-Klimamaschine für das alpine Klima

„Unsere Fassaden sind keine oberflächlichen Glasschirme für digitale Renderings. Sie sind hochleistungsfähige Klimamaschinen mit schweren thermischen Sockeln und vorgefertigten Holzrahmen, die die thermischen Schwankungen des Tals ohne mechanische Übertreibungen aufnehmen.“

Die Gebäudehülle reagiert direkt auf das Mikroklima von Sion. Vorgesehen sind schwere Sockel aus Recyclingbeton zur Speicherung thermischer Energie sowie leichte Obergeschosse aus Brettsperrholz (CLT), die für eine schnelle Montage und eine spätere zirkuläre Demontage ausgelegt sind. Tiefe horizontale Überstände und verstellbare Holzlamellen blockieren die intensive Hochsommerstrahlung und lassen zugleich tief stehendes Winterlicht tief in die Betondecken eindringen, wodurch ein natürlicher Gewächshaus-Wärmespeicherzyklus entsteht. In Kombination mit zentralen Lüftungsschächten in den Atrien ermöglichen manuell bediente Holzklappen eine mühelose Querlüftung.

Das aktive öffentliche Sockelgeschoss: Vermittlung der städtebaulichen Topografie

„Wir haben das Handbuch der Corporate Architecture verworfen, das Erdgeschosse für Luxus-Einzelhandel privatisiert, und stattdessen eine offene öffentliche Vorzone geschaffen. Damit wird der Höhenunterschied des Areals gelöst und alltägliche menschliche Reibung in aktives Gemeinschaftsleben verwandelt.“

Wir widmeten die gesamte Erdgeschossebene der öffentlichen Infrastruktur und schlossen Wohnungen im Erdgeschoss entlang öffentlicher Wegeverbindungen ausdrücklich aus. Der durchlässige Sockel beherbergt lokale Handwerkswerkstätten, Kindertagesstätten, Fahrradreparaturstationen und überdachte Wintergärten. Strategisch integrierte Rampen, breite Außentreppen und zweigeschossige Ausschnitte schneiden direkt durch die Gebäudesockel, nehmen den täglichen Fußverkehr vom Bahnhof auf, lösen den Höhenunterschied von einem Geschoss zwischen dem städtischen Raster und dem Flussufer und führen die Bevölkerung intuitiv zum Rhône.

Mikroklimatische Landschaft: Das Rhôneufer als erweitertes Wohnzimmer

„Die Landschaft ist unser primärer städtebaulicher Rahmen. Indem wir die gesamte Verkehrsinfrastruktur unter die Erde verlagerten, schufen wir einen durchgehenden, autofreien Park, der das Flussökosystem direkt mit dem täglichen Leben der Stadt verwebt.“

Das Gelände ist als unbefestigte, autofreie öffentliche Wiese mit Bioswales, Regengärten und einheimischen Walliser Baumarten gestaltet. Fahrzeugstellplätze und Ladezonen sind vollständig in einem einzigen unterirdischen Sockel aus Recyclingbeton verborgen, wodurch Eingriffe in den Oberboden verhindert und der oberirdische Verkehr eliminiert werden. Die Außenräume filtern Regenwasserabfluss, sorgen während heißer Walliser Sommer für natürliche Verdunstungskühlung und verbinden sich mit Biodiversitätsdächern zu einem durchgehenden, sich selbst erhaltenden Ökosystem, das auf langfristige urbane Resilienz ausgelegt ist.

Quelle: MIDERI ARCHITEKTEN · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt