Gastbeitrag – Nachhaltiges Bauen ist im Wohnungsbau vielerorts schon zum neuen Normal geworden. Bei Bürohochhäusern sieht die Realität aktuell noch anders aus: Je höher und komplexer ein Gebäude wird, desto schwieriger wird es, ökologische Maßstäbe auch bei großer Höhe und baulicher Komplexität konsequent umzusetzen. Genau vor dieser Herausforderung stand zuletzt die UmweltBank beim Bau ihrer neuen Firmenzentrale, dem UmweltHaus.
Am Nordwestring in Nürnberg entsteht aktuell das neue Zuhause der UmweltBank, die seit fast 30 Jahren nachhaltige Immobilien finanziert. Diesmal trat die Bank aber erstmals nicht nur als Kreditgeberin, sondern auch als Bauherrin auf – der Bezug ist für November 2026 geplant. Da bei einem solchen Projekt ein großer Teil der Klimawirkung bereits im Vorfeld entsteht – durch Materialproduktion, Transport und die Planung der Bauprozesse – standen die ökologischen Maßstäbe der grünen Bank vom ersten Tag an im Fokus. „Schon bei der Planung wurde deutlich, dass dieses Gebäude einen hohen Anspruch an die nachhaltige Umsetzung erfordert“, erklärt Ingrid Spengler, die leitende Architektin des Gebäudes. „Ein paar PV-Anlagen auf dem Dach zu montieren und die Fassade zu begrünen wäre dem nicht gerecht geworden. Es war schnell klar, dass mit dem UmweltHaus ein Gebäude entstehen muss, das die Werte der UmweltBank wirklich widerspiegelt.“
Das Ergebnis dieser Überlegungen ist eine moderne Büroimmobilie in Holzhybrid-Bauweise mit 13 Vollgeschossen und 52 Metern Höhe. Der nachhaltige Baustoff Holz bringt viele Vorteile mit, weil er in vielen Anwendungen eine bessere Ökobilanz ermöglicht als rein mineralische Baustoffe – vorausgesetzt Herkunft, Konstruktion und spätere Nutzung sind sauber geplant. Beim UmweltHaus ist Holz nicht Kulisse, sondern tragender Bestandteil des Konzepts: Rund 3.000 Kubikmeter Baubuche und Fichte bilden das Tragwerk sowie integrale Elemente der Decken, Böden und Wände. Zu 80 Prozent stammt das Holz aus Wäldern, die nicht weiter als 50 km von den verarbeitenden Betrieben entfernt liegen. Lediglich der Gebäudekern, in dem sich auch das Treppenhaus befindet, besteht aus Statik- und Brandschutzgründen aus Beton. Dazu kommt, dass das UmweltHaus indirekt als Holzlager fungiert: Das Gebäude setzt auf die Kreislauffähigkeit aller Materialien statt auf Verbundstoffe, so dass auch das verwendete Holz in zukünftigen Recyclingprozessen wiederverwendet werden kann.
Der ökologische Anspruch der UmweltBank setzt sich auch in der Gebäudehülle fort: Dach und Fassade werden großflächig für Photovoltaik genutzt. Insgesamt sind hier rund 2.800 Quadratmeter hocheffizienter Solarmodule installiert. Damit wird die Fassade nicht nur zur sichtbaren Visitenkarte, sondern auch zur aktiven Komponente der Energieversorgung. Für das UmweltHaus wurde ein Energiekonzept geplant, das Photovoltaik, Geothermie und Wärmepumpen kombiniert und zusätzlich Abwärme nutzt, etwa aus technischen Anlagen des Biofachmarkts im Erdgeschoss des Gebäudes. Bei Bedarf soll ein mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk unterstützen, das perspektivisch wasserstofffähig ist. Ergänzend sind Speicherlösungen vorgesehen, die Überschüsse aufnehmen und zum Beispiel die Ladeinfrastruktur in der Tiefgarage versorgen können.



Zertifikate als Realitätstest
Zur Einordnung, ob ein Projekt in der Umsetzung so nachhaltig ist, wie es geplant wurde, braucht es nachvollziehbare Kriterien und Messverfahren. So hat das UmweltHaus bereits im Vorfeld ein Vorzertifikat in Platin durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten. Bewertet und gemessen werden dabei mehrere Faktoren im Bereich des nachhaltigen Bauens wie Ökologie, Ökonomie, Prozessqualität oder die technische Qualität. Die Auswertung zeigt, dass sowohl die ökonomische Qualität mit 78,7 Prozent wie auch die ökologische Qualität mit 91,5 Prozent auf einem sehr hohen Niveau liegen. Beide Prüfkriterien sind in Kombination aller anderen Faktoren ausschlaggebende Indikatoren dafür, dass der erdachte Planungsansatz des Projektteams auch in der Realität funktioniert. Der Sonderpreis Innovation, der bereits vor Fertigstellung im Rahmen des Immobilienpreises 2025 der Industrie und Handelskammer Mittelfranken verliehen wurde, unterstreicht dieses Ergebnis zusätzlich.
Warum Holzhybrid-Hochhäuser noch immer eine Seltenheit sind
Schon lange werden Häuser als Alternative zu Stein oder Beton aus Holz gebaut. Bei Hochhäusern jedoch ist die Umsetzung als Holzbau um ein Vielfaches anspruchsvoller. Nicht, weil der Rohstoff Holz nicht für die Anforderungen ausgelegt wäre, sondern weil bei Gebäuden dieser Größe Vorbildprojekte mit definierten Vorgehens- und Planungsweisen fehlen. Diese zusätzlichen Herausforderungen bei der Planung und Umsetzung sind oftmals der Grund, warum aktuell häufiger mit traditionellen Baustoffen gebaut wird. Zu hoch werden die vermeintlichen Risiken von Bauträgern eingeschätzt, zu komplex erscheinen die geltenden Richtlinien an Sicherheit und Brandschutz.
Das UmweltHaus leistet hier Pionierarbeit, da es am Realbeispiel zeigt, dass sich auch Großbauprojekte mit einem konsequent nachhaltigen Anspruch in Deutschland umsetzen lassen. Dadurch ebnet das UmweltHaus auch anderen Großbauprojekten den Weg, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Mit ihrem neuen Hauptsitz zeigt die UmweltBank, dass sich auch anspruchsvolle Holzhybrid-Projekte dieser Größenordnung mit guter Planung und einem konsequent nachhaltigen Ansatz realisieren lassen.



Quelle: UmweltBank AG