6. August 2026

Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Rostock

Berlin (pm) – Im Juli 2026 wurde in Rostock-Lichtenhagen der Campus der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung feierlich eröffnet. Er umfasst ein Lehrgebäude sowie zwei Wohngebäude mit insgesamt 51.200 qm Bruttogeschossfläche. Da es sich bei den Bauten zu einem großen Teil um Holzsystem- bzw. Holzmodulkonstruktionen handelt, die zum überwiegenden Teil in einem Werk in Rostock vorgefertigt und vor Ort nur noch montiert worden sind, umfasste die gesamte Bauzeit nur 24 Monate. Es handelt sich am Tag der Eröffnung um das größte modular erstellte Holzgebäude in Europa.

Der neue Campus ist im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen entstanden, der in den 1960er bis 80er Jahren als einer von fünf Großwohnsiedlungen konzipiert wurde, die heute rund 108.000 Menschen beherbergen. Das Hochschulprojekt reagiert auf die großmaßstäblichen Gebäudefiguren des Quartiers und schreibt das differenzierte Gefüge grüner öffentlicher und halböffentlicher Außenräume fort.

Drei langgestreckte Baukörper rahmen und verdichten einen öffentlichen Park: ein angehobenes Gartenplateau zwischen den beiden Wohnriegeln für die Studierenden und ein ebenerdiges, grünes Zentrum vor dem Hochschulgebäude, das unter Baumbestand der ganzen Nachbarschaft Begegnungsorte für Freizeit, Sport und Lernen bietet. Auch die Innenräume bieten eine Vielzahl zusätzlicher Aufenthaltsbereiche für selbstorganisiertes Lernen.

Das als „Groundscraper“ konzipierte Hochschulgebäude fasst den Campus im Norden mit einer 130 Meter langen gefalteten Aluminiumfassade. Farbige Holzfassaden und eine mehrfach leicht geknickte Gebäudeform lösen die repetitive Natur der modularen Studierendenwohnheime auf.

Die großflächige Verwendung von Holz sowie der Einsatz von Photovoltaik resultieren in einer äußerst nachhaltigen Anlage, die die Silber-Kriterien des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) übertreffen wird.

Die Gebäude bieten Unterkunft für 600 Studierende aus der gesamten Bundesrepublik, die auf dem Campus wohnen und lernen.

Die neue „Zollhochschule“ wird damit Teil der baulichen Entwicklung ihres Standortes und zeigt, wie sich zeitgemäße Anforderungen mit industriellen Bauweisen verbinden lassen.

Städtebauliche Einbettung

Das Grundmotiv der Großwohnsiedlung Lichtenhagen war, gut versorgtes und verdichtetes Wohnen im Grünen für alle Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Großmaßstäbliche Gebäudefiguren – hier in Form großer Mäander umgesetzt – beschreiben ein System von öffentlichen und halböffentlichen Außenräumen, an das der neue Campus sowohl im Maßstab als auch in der Platzierung seiner Gebäudekörper anknüpft.

Drei langgestreckte Volumen rahmen und verdichten den öffentlichen Park, sodass zwei Hauptbereiche mit eigenem Charakter entstehen: das angehobene Gartenplateau zwischen den beiden Wohnriegeln, unter dem der ruhende Verkehr untergebracht ist, und das ebenerdige, grüne Zentrum vor dem Hochschulgebäude. Gezielte Ein- und Ausblicke werden durch die offene Gestaltung unterstützt.

Erdgeschosszonen und Wohnriegel

„Lernen passiert nicht nur im Hörsaal. Es passiert auch auf dem Weg dorthin, in der Pause, im Park, im zufälligen Gespräch an der Treppe. Unsere Aufgabe ist es, genau diese Momente räumlich zu ermöglichen – in jedem Maßstab, vom Stadtquartier bis zum Treppenabsatz.“
Tom Geister, Partner und Projektmanager

Die Erdgeschosszonen sind durchgehend mit öffentlichen Nutzungen bestückt: mit Mensa, Hörsälen, Bibliothek und weiteren Funktionen im Bereich der Hochschule sowie mit Freizeiteinrichtungen für alle Studierenden unter den beiden siebengeschossigen Wohnriegeln. Zusammen mit der farbigen Behandlung der Fassaden löst die mehrfach leicht geknickte Gebäudeform die repetitive Natur der modularen Studierendenwohnheime auf. Auch die Flure der Obergeschosse werden durch die Knicke in übersichtliche Raumabschnitte gegliedert, von denen jeder eine Gemeinschaftsküche sowie zwei Wohnungen für besondere Bedürfnisse enthält.

Das Hochschulgebäude

Das als „Groundscraper“ konzipierte, 130 Meter lange Hochschulgebäude fasst den Campus im Norden. Die klare Raumkante ist in den Obergeschossen durch alternierende Pavillons und Höfe aufgelockert, die Erdgeschossfassade ist transparent gehalten und lässt von einem überdachten Parkweg aus Einblicke in die Erdgeschossnutzungen zu. Intern ist das Gebäude entlang einer viergeschossigen Erschließungsachse organisiert, welche die Lehrräume sowie die Verwaltungseinrichtungen der verschiedenen Fakultäten und die zahlreichen weiteren Funktionen einer modernen Bildungseinrichtung miteinander verknüpft. Angelegt als großzügiger, natürlich belichteter Erschließungsraum, schafft diese Magistrale eine Vielzahl zusätzlicher Aufenthaltsbereiche für selbstorganisiertes Lernen.

Nachhaltigkeit im Detail

„Öffentliches Bauen hat eine Vorbildfunktion. Wenn wir hier im großen Maßstab zeigen können, dass Holzmodulbau funktioniert – qualitativ, wirtschaftlich, termingerecht – dann ist das ein Argument, das weit über dieses Projekt hinauswirkt. Die Fragen der Nachhaltigkeit sind hier nicht additiv beantwortet, sondern ganz selbstverständlich in der Bauweise eingebettet.“
Tom Geister, Partner und Projektmanager

Mit dem Nachhaltigkeitskonzept werden vor allem im Bereich der grauen Energie neue Wege beschritten: Das gesamte Projekt wird in einer ressourcenschonenden, weitgehend CO2-reduzierten und emissionsarmen Holz-Hybrid- und Holzmodulbauweise errichtet. Für ein Projekt mit einem Umfang von 1000 Moduleinheiten ist dies bislang ohne Beispiel.

Der öffentliche Park sorgt mit seinen heimischen und klimaresistenten Gehölzen für sommerliche Kühle und bietet einen neuen Lebensraum für Kleintiere und Insekten. Das gesamte Regenwasser versickert auf dem Grundstück über offene Retentionsmulden. Die Retentionsdächer sind zusätzlich mit großflächigen PV-Anlagen ausgestattet. Kompakte Gebäudehüllen mit aktivem und passivem Sonnenschutz bieten im Sommer wie im Winter beste Voraussetzungen für einen reduzierten Energieverbrauch.

Nachhaltigkeit bedeutet, wo immer möglich auf Verkleidungen zu verzichten. So wurden in den Innenräumen die Materialien weitgehend sichtbar belassen. Das Holz mit seiner lebendigen und warmen Färbung verleiht selbst größeren Räumen eine angenehme Atmosphäre und schafft einen guten Kontrast zu den Betonoberflächen der Sockel- und Erschließungsbereiche. Die Wohngebäude sind von außen mit Holz verkleidet; eine Kaskade von verschiedenen breiten Holzlatten sowie farbig beschichtete Nuten verleihen ihnen zusätzliche optische Lebendigkeit.

Neue Qualitäten öffentlichen Bauens

Der Campus steht in einem Stadtteil, dessen Bebauung von industriell gefertigten Beton-Großtafelbauten geprägt ist. Mit der Holzmodulbauweise wird das Prinzip des seriellen Bauens unter heutigen technischen und ökologischen Rahmenbedingungen weitergeführt. Während damals vor allem die schnelle Bereitstellung von Wohnraum im Vordergrund stand, prägen heute Aspekte wie Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Nutzungsqualität die Planung.

Quelle: sauerbruch hutton