5. August 2026

Die voestalpine Stahlwelt als Erlebnisraum der Zukunft

Stuttgart (pm) – Die neue voestalpine Stahlwelt zeigt nicht mehr allein, wie Stahl entsteht, sondern erzählt, was Stahl heute leistet. Der neue Ausstellungsraum in Linz verbindet Technologie, Mensch und Zukunft. ATELIER BRÜCKNER hat die neue Erzählung in Raum übersetzt. Aus der Idee von Vernetzung, Offenheit und Präzision entstand der Grid: eine frei schwebende, begehbare Stahlstruktur, die Architektur, Exponat und Bühne zugleich ist. Die Struktur erinnert an ein Smart Grid: ein offenes System aus Linien, Knoten, Verbindungen und Licht. Damit wird sichtbar, wofür voestalpine heute steht: für vernetztes Denken, industrielle Kompetenz und innovative Entwicklung. Der Grid verbindet Inhalte und Exponate miteinander und macht sichtbar, dass Stahl heute Teil komplexer technologischer Netzwerke ist.

Der 14 Meter hohe Grid ist Architektur und gleichzeitig das größte Exponat der Ausstellung. Er hängt frei im Raum, berührt nicht den Boden und ist von allen Seiten lesbar. Technisch ist der Grid eine enorme Leistung, er wirkt leicht und filigran, und doch sind darin 4,4 Kilometer – rund 140 Tonnen – Stahlhohlprofile verbaut. Die Profile messen 60 mal 60 Millimeter bei sechs Millimetern Wandstärke. Das Material ist hochfester Stahl, voestalpine greentec steel. 183 vertikale Baumstrukturen, 1.176 geschweißte Knoten, etwa 16.000 Senkkopfschrauben und rund 35.000 weitere Verbindungsteile halten das System zusammen. Für die Schweißarbeiten wären bei einer Person rund 4.000 Stunden nötig gewesen. Gefertigt im Werk in Krems, wurde die Konstruktion in 19 Lkw-Ladungen ausgeliefert und in Millimeterpräzision eingebaut – im Bestand eine logistische und konstruktive Herausforderung.

Die Konstruktion ist gleichzeitig auch technisches Medium: Rund 8.500 integrierte Leuchten verwandeln den Grid in eine räumliche Lichtskulptur. Die immersive Lichtinszenierung verstärkt die Idee des Smart Grids, eines vernetzten, intelligenten Systems aus Stahl, Licht und Bewegung. Die LED-Leuchten und rund 29 Kilometer Kabel verschwinden in den Profilen und Plattformen.

Die Designsprache der neuen Stahlwelt ist klar, präzise und technisch geprägt. Stahl, dunkle Oberflächen und subtile Grautöne bilden die Grundlage; Blau setzt als Konzernfarbe gezielte Akzente. Die individuell gestalteten Ausstellungsflächen im Gebäudekern sind starke szenografische Gesten, während der Grid eine einheitliche, lineare und durchlässige Raumstruktur bildet. Harte industrielle Materialien treffen auf weiche textile Elemente, Licht und digitale Ebenen. Sie schaffen eine Atmosphäre, die zugleich kraftvoll, hochwertig und offen für Zukunftsthemen wirkt. Wiederkehrende Formen wie Kreise und Zylinder geben der Ausstellung eine ruhige, verbindende Gestaltungsebene. Sie greifen Motive aus Produktion, Materialproben, Rohren, Walzen und technischen Bauteilen auf und übersetzen sie in eine klare räumliche Sprache – ein bewusstes Gegenspiel zum linearen Raster des Grids.

Die Ausstellung folgt einem Parcours von oben nach unten, sie wechselt stets vom Gebäude in den Grid. Im Kern des Gebäudes liegen stärker inszenierte Ausstellungsräume. Dort werden Inhalte gebündelt und medial vermittelt. Der Grid dagegen ist offen und durchlässig, erlaubt wechselnde Beziehungen und Sichtachsen. Die Besucherinnen und Besucher sehen durch Ebenen hindurch, entdecken schwebende Objekte aus wechselnden Perspektiven und erleben den Raum als begehbare Informationswolke. Ein Tablet begleitet den Besuch und liefert Informationen on demand. Wer ein Objekt scannt, erhält digitale Erweiterungen: Ein einzelnes Autoteil kann sich zum ganzen Fahrzeug ergänzen, ein kleines Bauteil wird in seinen größeren Zusammenhang gestellt. So verbindet die Ausstellung reale Exponate mit Augmented Reality.

Der Rundgang beginnt oben in der Ebene 5 mit „Konzerngeschichte und Konzern heute“: Zentrale Meilensteine, wie der Abschluss des Bergunionvertrages im Jahr 1784, geben einen kompakten Einblick in die Geschichte des Konzerns, dargestellt an Medienscreens, die in offenen Stahlsäulen integriert sind. Im Panorama-Raum öffnet sich der Blick auf das Unternehmen von heute: eine medial bespielte Weltkarte aus kleinen Stahlzylindern zeigt, wie eng das Unternehmen mit Linz und Österreich verbunden ist und weltweit in wichtigen Industrien präsent. Zwei von Roboterarmen geführte Screens an der Decke zeigen Filme zum jeweils angewählten Ort.

Auf der Ebene 4 „Future Movements“ geht es um die Zukunftskraft der voestalpine. Gezeigt werden Anwendungen, bei denen Präzision, Belastbarkeit und Hightech-Materialien entscheidend sind – etwa in Raumfahrt, Energie und Medizintechnik. Der Raum ist in drei organische Themenbereiche unterteilt, die flexibel bespielbar sind. Großformatige LED-Wände setzen die Exponate in den Kontext: Im Bereich Raumfahrt steht ein Forschungsmobil im Raum und wird über die LED-Wand in eine Marslandschaft integriert.

Im Bereich „Vom Rohstoff zum Werkstoff“ auf der Ebene 3 steht der Werkstoff Stahl selbst im Mittelpunkt. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie aus Rohstoffen Stahl wird, welche Rolle Hochofen und LD-Verfahren spielen und wie unterschiedliche Stahlgüten entstehen. Zwei zentral positionierte Medientische vermitteln den Prozess der Stahlherstellung interaktiv in einer Kombination aus Realexponat und digitaler Anwendung. Besucher entdecken die einzelnen Rohmaterialien und können eigene Legierungen herstellen und sehen, wie sich die Materialeigenschaften ändern. In einer Lichtinszenierung an der Decke verdichten sich die Lichtpunkte nach und nach – analog zu den einzelnen Prozessschritten der Stahlherstellung. Im Grid wird der Blick auf greentec steel gelenkt: auf die Transformation der Stahlproduktion und den Weg zu klimafreundlicheren Verfahren. Einzelne Exponate erklären unterschiedliche Forschungsprojekte, mit dem Tablet werden die realen Exponate in ihrem Zusammenhang in der Forschungsanlage gezeigt.

Um „Verarbeitungswege und Produkte“ geht es in der Ebene 2: Sie zeigt, wie Stahl nach seiner Herstellung weiterverarbeitet wird. An einem 13 Meter langen LED-Fließbandtisch – dem fließenden, heißen Stahl nachempfunden – können Besucher einzelne Endprodukte auswählen. Auf den integrierten Screens sehen sie, wie diese Schritt für Schritt entstehen – geformt, geprüft und auf spezifische Anwendungen zugeschnitten. Im Grid stehen und schweben Produkte der voestalpine aus den Bereichen Schiene, Automotive, Energie, Maschinenbau und Infrastruktur, wie zum Beispiel ein Model der Hydrostar-Weiche. Einige der Großexponate werden über den Scan mit dem Tablet medial ergänzt.

Die Ebene 1, „Arbeitswelt und Lebenswelt“, rückt die Menschen der voestalpine in den Mittelpunkt. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt der Berufe im Unternehmen: Sie werden über stellvertretende Objekte wie einen Paragrafen oder einen Kochlöffel dargestellt. Wählt man eines davon aus, berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Video von ihrem Arbeitsbereich. Ein interaktives Quiz gibt die Möglichkeit, eigene Stärken und Talente zu entdecken. Im Gird geht es um Lifestyle, Glamour und Speed und es wird sichtbar, wie sehr Stahl den Alltag prägt. Unter den Exponaten stehend auf der Plattform oder schwebend im Grid selbst, sind ein Stahl-Pailletten-Kleid und die Schlittschuhe der niederländischen Olympiasiegerin Xandra Velzeboer. Die eingesetzte Virtual Reality erweckt die Exponate zum Leben.

Ins Erdgeschoss gelangen die Besucher über eine Klapptreppe, die heruntergefahren wird, sie ist die Verbindung vom hängenden Grid zum Boden. Das Erdgeschoss bildet Auftakt und Abschluss des Besuchs. Hier werden die Gäste empfangen, eingestimmt und am Ende wieder aus der Stahlwelt verabschiedet. Integriert sind ebenfalls ein Shop und Raum für Wechselausstellungen.

Die neue voestalpine Stahlwelt verbindet Markenkommunikation, Ausstellungsgestaltung und Architektur zu einem ganzheitlichen Erlebnis. Sie richtet sich an Besucherinnen und Besucher, Schulklassen, Fachpublikum, Kundinnen und Kunden sowie künftige Mitarbeitende. Sie macht sichtbar, wie stark Stahl mit Zukunftsfragen verbunden ist: mit nachhaltiger Produktion, technologischer Innovation und den Anforderungen einer vernetzten Welt.

Quelle: Atelier Brückner GmbH