24. Juni 2026

MIDERI bettet 15’000 m² Wohnungsbau in eine zusammenhängende öffentliche Parklandschaft ein

Basel (pm) – Ausgehend vom ursprünglichen Layout entwickelte MIDERI fünf kompakte Punkthäuser in einem durchgehenden Park und zeigt damit, dass architektonische DNA eine Tabula-rasa-Entwicklung mühelos übertrifft.

Sanft-radikale Urbanität

Die baulichen Strukturen der Ernst-Zöbeli-Zeilen hatten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, was einen vollständigen Abriss erforderlich machte. Dennoch hörten die Architekt:innen behutsam auf das, was an ihnen richtig war. Als universeller Übersetzer bewahrte MIDERI die präzise Layout-DNA und räumliche Verteilung der alten Siedlung und überführte ihren Geist in eine sanft-radikale Anordnung aus fünf kompakten Punkthäusern, um die Seele des Quartiers zu erhalten. Diese poröse städtebauliche Körnung vermittelt auf elegante Weise zwischen den punktuell gesetzten Einfamilienhäusern auf der einen Straßenseite und den umliegenden Hochhausriesen im Park.

Das räumliche Raster

Der Entwurf verzichtet auf traditionelle Flure und entwickelt stattdessen eine offen angelegte «Living in the Matrix»-Polytypologie. Die Räume sind durch Rücksprünge dynamisch miteinander verbunden, um das Tageslicht tief in den Grundriss zu führen. Dieses effiziente Layout ermöglicht für jede Typologie eine nach Süden ausgerichtete Glasfassade, die als passive Klimamaschine fungiert. Aus einem reaktiven Entwurfsansatz heraus passt sich dieser Kerngrundriss nahtlos an die natürliche Topografie des Ortes an und aktiviert das Erdgeschoss mit direktem Gartenzugang. Eine Split-Level-Treppe fungiert dabei als hochverdichteter, von natürlichem Licht durchfluteter sozialer Kondensator.

Ultimative Nachhaltigkeit

Das städtebauliche Konzept richtet vier Gebäude geschickt zur Straße aus und schafft so eine klare städtische Adresse, während sich die Architektur nach hinten frei entwickelt und eine durchgehende, sanft modellierte Parklandschaft entstehen lässt, in die sich die Gebäude einfügen. Indem die gesamte Fahrzeuginfrastruktur vollständig in einem unterirdischen Garagensockel untergebracht wird, schafft der Entwurf eine zusammenhängende, autofreie öffentliche Lichtung. Mit aktiven Biodiversitätsdächern und Solaranlagen ausgestattet, gewährleistet diese langfristige Strategie ultimative Nachhaltigkeit über einen Lebenszyklus von 200 Jahren.

Die poröse Körnung: Verschiebung der Quartiersmaßstäbe

„Wir haben den physischen Abriss der abgenutzten Zeilen akzeptiert, aber ihre räumliche Logik bewahrt. Indem wir die ursprüngliche Verteilung skalierten, ermöglichten wir es der DNA der alten Siedlung, sich gegenüber den Hochhausriesen zu behaupten, die das Quartier heute prägen.“

Die bestehenden Zeilenbauten der Siedlung Ernst-Zöbeli hatten das Ende ihres architektonischen Lebenszyklus erreicht. Anstatt einer Tabula-rasa-Fantasie zu folgen, haben wir ihr historisches Layout erfasst und in fünf kompakte Punkthäuser übersetzt. Wir haben die Länge der traditionellen Bebauung aufgebrochen, um eine rhythmische, poröse städtebauliche Körnung zu schaffen, die mit dem umgebenden Kontext harmoniert und zugleich wichtige Kaltluftkorridore erhält. Dieses Ensemble fungiert als universeller Übersetzer, der zwischen den massiven Blöcken im Westen und den hoch aufragenden Nachbarn im Osten vermittelt.

Das gemeinschaftliche Treppenhaus: Topografie der Begegnung

„Der Hang bestimmte die Bewegung, aber unsere Architektur bestimmte die Begegnung. Wir nutzten das Split-Level nicht nur, um dem Hang zu folgen, sondern um das Treppenhaus in ein gemeinschaftliches Wohnzimmer zu verwandeln, das unmittelbare menschliche Interaktion erzeugt.“

Das Projekt reagiert mit einem konsequenten Split-Level-Konzept unmittelbar auf die natürliche Topografie. Dieser technische Ansatz verwandelt das Betontreppenhaus von einer leblosen Transitzone in einen großzügigen sozialen Kondensator, in dem sich die Bewohner:innen täglich begegnen. Durch die Aktivierung des Erdgeschosses und den direkten, nicht programmierten Zugang zum Garten stellten wir sicher, dass der Kern des Gebäudes ein Ort des ständigen physischen und sozialen Austauschs bleibt. Dies ist reaktives Entwerfen in seiner reinsten Form — eine Antwort auf die Reibung der Geländehöhen, um dauerhaften städtischen Mehrwert zu schaffen.

Living in the Matrix: Flurlose Polytypologien

„Wir haben die Flure entfernt, um das darin verborgene räumliche Kapital freizulegen. In diesen Wohnungen ist jeder Quadratmeter aktiv: nicht als vorhersehbare Abfolge von Zellen organisiert, sondern als offenes Matrixgefüge voller Möglichkeiten.“

Unsere innenräumliche Typologie «Living in the Matrix» verzichtet vollständig auf die verlorenen Quadratmeter traditioneller Flure. Stattdessen entwickelten wir miteinander verbundene Räume, sodass die offenen Wohnbereiche das natürliche Tageslicht tief in das Innere des Gebäudegrundrisses ziehen können. Diese schachbrettartige Anordnung erzeugt lange interne Sichtachsen und ermöglicht eine Polytypologie, in der die Bewohner:innen ihre Umgebung dynamisch anpassen können — etwa indem eine nicht programmierte Nische zum Homeoffice oder zum Kinderzimmer wird. Große, nach Süden ausgerichtete Fenster fungieren als aktive Klimamaschinen: Sie fangen passive Solarenergie ein und speichern sie in massiven keramischen Bodenbelägen, um das thermische System schlank und effizient zu halten.

Low-Tech-Strenge: Isoliertes Ziegelmauerwerk und monolithischer Massivbau

„Wir wollen ein Gebäude, das robust genug ist, um das schöne Chaos der Realität aufzunehmen. Wir haben Materialien mit hoher haptischer Qualität und thermischer Trägheit gewählt — Ziegel und Holz, die kein Firmenhandbuch benötigen, um zu überdauern.“

Wir konzentrierten uns auf leistungsfähige Low-Tech-Lösungen und gaben der Langlebigkeit der Materialien und der strukturellen Ehrlichkeit den Vorzug vor wartungsintensiven mechanischen Systemen. Die Primärvolumen führten wir in «Einsteinmauerwerk» aus — einem isolierten Ziegelmauerwerk, das eine massive, dauerhafte Qualität sowie hervorragenden Wärmeschutz gegen winterliche Wärmeverluste und sommerliche Hitze bietet. Diese thermische Masse balancierten wir mit der strukturellen Klarheit des Holzes aus: Massive Brettsperrholz-Deckenplatten (CLT) bilden die Geschossdecken, während Beton konsequent nur dort eingesetzt wird, wo Windstabilität und Brandschutz eine strukturelle Verstärkung erfordern. Das Ergebnis ist eine sanft-radikale Architektur: einladend und warm in ihrem materiellen Ausdruck, aber kompromisslos in ihrer ökologischen Logik.

Die autofreie Lichtung: Landschaft als erweitertes Wohnzimmer

„Die Landschaft ist unser erweitertes Wohnzimmer. Wir haben klare Aktivitätsinseln direkt aus der Wiese geschnitten und einen durchgehenden Park geschaffen, der allen gehört — vom verträumten Einzelnen bis zum Quartierskind.“

Wir haben das gesamte Areal als autofreien, zusammenhängenden Park konzipiert, der die fünf Punkthäuser zu einem einheitlichen gemeinschaftlichen Gefüge verwebt. Wir nutzten die natürliche Topografie des Grundstücks, um die gesamte notwendige Fahrzeuginfrastruktur vollständig unterirdisch unterzubringen und direkt an die bestehende Garage anzuschließen, sodass neue Eingriffe an der Oberfläche oder Schäden am Mutterboden vermieden werden. Rund um die Gebäude fassen dichte Gebüschzonen private Gärten für die Erdgeschosse ein. Das grüne Kapital des Ortes wird auf den Dächern weiter aktiviert: Ein leistungsfähiges Biodiversitätsdach sorgt für natürliche Kühlung, mikroklimatische Optimierung und Regenwasserrückhaltung, während darüber angeordnete Photovoltaikmodule den Betriebsenergiebedarf des Gebäudes decken. Es ist eine bewusste Strategie ultimativer Nachhaltigkeit — ein resilienter, gemeinschaftlicher Lebensraum, der darauf ausgelegt ist, über die nächsten zwei Jahrhunderte vital zu bleiben.Projektinfo

Projekt: Fünf Freunde — Siedlung Ernst-Zöbeli
Ort: Zürich, Schweiz
Typologie: Wohnen / Wohnungsbau / Städtebau
Größe: 15’000 m² (150 Wohnungen)
Bauherr: Baugenossenschaft Halde Zürich (bhz)
Status: Wettbewerbsbeitrag
Autor:innen: MIDERI ARCHITEKTEN (Architektur & Landschaft)
Fachplaner:innen: Schnetzer Puskas Ingenieure AG (Tragwerk), xmade (Fassade), maah (Visualisierungen)

Quelle: MIDERI ARCHITEKTEN GMBH