1. Juni 2026

Digitalisierung der Bauwirtschaft: Studie sieht Potenziale

Bonn (pm) – „Wir werden künftig am Bau mit weniger Menschen mehr leisten müssen. Produktivitätssteigerung ist damit keine Option, sondern eine Notwendigkeit für Baufirmen!“ Mit dieser Aussage bringt RA Jürgen Faupel, stellvertretender Präsident der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB), eine der zentralen Herausforderungen der Branche auf den Punkt: Während viele Branchen ihre Produktivität bereits durch digitale Technologien erhöhen konnten, bleibt die Wirkung der Digitalisierung am Bau vielfach hinter den Erwartungen zurück. Das hat eine Studie von PwC aktuell bestätigt. Nach Einschätzung der BVMB liegt die zentrale Herausforderung weniger in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen als vielmehr in der konsequenten Umsetzung digitaler Prozesse. Entscheidend für eine nachhaltige Digitalisierung sind verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Planungssicherheit, damit Unternehmen Investitionen strategisch und dauerhaft verankern können. „Digitalisierung scheitert häufig nicht an der Technik, sondern an mangelnder Durchgängigkeit, unklaren Anforderungen und fehlenden Standards“, erklärt BVMB-Geschäftsführer Daniel Jonas. Dadurch würden digitale Prozesse in der Praxis immer wieder in konventionelle Abläufe zurückfallen“, so Jonas weiter.

Digitalisierung wird zur Produktivitätsfrage

Die PwC-Studie „Bauindustrie 2026 – Vom Anpassungsdruck zur unternehmerischen Verantwortung“ bescheinigt der Branche weiterhin erhebliches Ausbaupotenzial bei digitalen Technologien – von BIM-Anwendungen über Cloud-Lösungen bis hin zu Künstlicher Intelligenz. Besonders groß sei die Lücke zwischen dem erkannten Potenzial und der unternehmerischen Realität. Gleichzeitig wächst der Handlungsdruck durch Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb. Digitalisierung sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Leistungsfähigkeit der Bauwirtschaft langfristig zu sichern.

Rahmenbedingungen bremsen Digitalisierung

Hohe bürokratische und regulatorische Anforderungen sowie eine vielerorts noch unzureichende digitale Infrastruktur erschweren die praktische Umsetzung zusätzlich. Gleichzeitig fehlt es häufig an einer konsequenten Ausrichtung digitaler Lösungen auf Produktivität und die tatsächlichen Abläufe im Arbeitsalltag. „Halbe oder chaotische Digitalisierung mindert die Produktivität häufig sogar stärker als gar keine Digitalisierung“, warnt Jonas. Werden Prozesse, Zuständigkeiten und Verwaltungsstrukturen nicht ganzheitlich angepasst, verlagere sich die entstehende Komplexität oftmals direkt auf einzelne Personen. „Eine zentrale Rolle spielen auch die Auftraggeber“, merkt Jonas an. Sie bestimmen maßgeblich, wie konsequent digitale Methoden in Bauprojekten tatsächlich eingesetzt werden. Die Ergebnisse der PwC-Studie zeigen, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren bislang noch immer nur selten eingefordert werden. „Hier müssen die öffentlichen Auftraggeber ihrer Vorbildfunktion gerecht werden“, fordert der Verbandsvertreter.

Daten als Grundlage der Digitalisierung

Nach Auffassung des Verbandes kommen Daten eine zentrale Bedeutung für die digitale Transformation der Bauwirtschaft zu. Saubere, strukturierte und verlässliche Daten seien die Grundlage und zugleich Voraussetzung für BIM, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Der eigentliche Mehrwert entstehe dort, wo Informationen konsistent verfügbar und entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiterverwendet werden könnten. „Ohne verlässliche Daten werden weder KI noch Automatisierung ihr Potenzial entfalten können“, betont Jonas. Entscheidend sei deshalb, Daten nicht nur projektbezogen zu betrachten, sondern sie über Projekt-, Unternehmens- und Organisationsgrenzen hinweg nutzbar zu machen.

Digitalisierung geht nur gemeinsam

Die BVMB engagiert sich gemeinsam mit Partnern aus Planung, Bau und öffentlicher Hand in verschiedenen Arbeitskreisen und Austauschformaten zur Digitalisierung des Bauwesens. Dazu zählen unter anderem der Arbeitskreis Digitalisierung der BVMB, der Arbeitskreis BIM zwischen DEGES und BVMB sowie das Austauschgremium BIM2Rail.

„Digitalisierung gelingt nur gemeinsam“, so Jonas, der hinzufügt: „Entscheidend ist, dass die Wertschöpfungspartner ihre Prozesse gegenseitig verstehen, Anforderungen und Erwartungen transparent kommunizieren und praxistaugliche Lösungen gemeinsam entwickeln.“

Quelle: Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB)