Berlin (abki) – Der Wohnungsneubau in Deutschland ist 2025 auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren gefallen. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr lediglich 206.600 neue Wohnungen fertiggestellt – ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Verbändebündnis Wohnungsbau bezeichnet diese Entwicklung als „dramatisch“ und „schockierend niedrig“. Angesichts eines gesellschaftlich notwendigen Bedarfs von 400.000 Wohnungen jährlich entspricht das gerade einmal etwas mehr als der Hälfte des Nötigen.
Prognose: Unter 200.000 Wohnungen in diesem Jahr
Die Branchenexperten rechnen für das laufende Jahr mit einer weiteren Verschlechterung: Der Neubau könnte erstmals unter die Marke von 200.000 Wohnungen rutschen. „Das ist nicht einmal die Hälfte der Neubauwohnungen, die es geben müsste“, warnt das Bündnis. BFW-Präsident Dirk Salewski bringt es auf den Punkt: „Ohne ausreichend Wohnungsneubau fehlt das Fundament für Wachstum. Wenn Häuser und Wohnungen fehlen, dann ist das ein knallharter Standortnachteil.“
Als Ursache sieht das Bündnis jahrelange unzureichende Rahmenbedingungen: verschlechterte Finanzierungsbedingungen, komplexe Förderprogramme, verschärfte Anforderungen und daraus resultierende Kostensteigerungen. BDB-Präsidentin Katharina Metzger fasst zusammen: „Es gibt kein Erkenntnisproblem, wie der Koalitionsvertrag zeigt, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Vier-Punkte-Programm: Schnellere Umsetzung gefordert
Bereits beim Wohnungsbau-Tag Ende März hatte das Bündnis ein konkretes Vier-Punkte-Programm vorgelegt. Knapp zwei Monate später beklagen die Verbände mangelnde Fortschritte – und fordern nun entschlossenes Handeln:
- Gebäudetyp E sofort umsetzen: Der neue gesetzliche Baustandard „Gebäudetyp E“ soll als Normalfall etabliert werden – nicht erst ab Januar 2027, sondern zeitnah.
- Förderung einfach und verlässlich gestalten: Nach dem Einbruch der Fördermittel auf ein Drittel des Niveaus von 2022 brauche es sofort ein neues, einfaches Förderkonzept. Die angekündigte Verlängerung der EH-55-Förderung sei überfällig – müsse aber verlässlich und zinsgünstig ausgestaltet werden. Zudem soll die steuerliche Sonderabschreibung nach §7b EStG auf das EH 55 EE ausgerichtet werden, um den Mietwohnungsbau anzukurbeln.
- Fast-Lane-Prinzip für Wohnungsbau: Wohnungsbauprojekte sollen einen Abwägungsvorrang erhalten. GdW-Präsident Axel Gedaschko fordert: „In angespannten Märkten brauchen wir schnell eine ‚Fast-Lane‘ – also einen verbindlichen Abwägungsvorrang – für das Wohnen, bundesweit einen rechtlich verlässlichen Basisstandard, die steuerliche Förderung des EH55 EE und Förderkonditionen, die sich nicht im Wochentakt ändern, sondern endlich eine Planbarkeit ermöglichen.“
- Baubeginn-Statistik einführen: Eine einheitliche Erfassung von Baubeginnen soll als Frühindikator für die Wirksamkeit politischer Maßnahmen dienen – ohne zusätzliche Bürokratie.
Wohnungsbau als Konjunkturmotor
Das Bündnis unterstreicht: Bezahlbares Wohnen ist nicht nur eine sozialpolitische Frage, sondern auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab betont: „Bauinvestitionen stärken Handwerk, Industrie und regionale Wirtschaftskreisläufe – sie sind Motor für den Wohlstand unserer Gesellschaft.“
Auch IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger sieht den Wohnungsbau als Schlüssel für funktionierende Arbeitsmärkte: „Alle gegenwärtigen Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln und mehr Menschen in Arbeit zu bringen, müssen ins Leere laufen, solange ausreichend bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fehlt.“
Die sechs Akteure im Verbändebündnis – IG BAU, ZDB, GdW, BFW, DGfM und der koordinierende BDB – veranstalten einmal jährlich den Wohnungsbau-Tag, der als Branchengipfel gilt. Ihr gemeinsames Fazit ist unmissverständlich: „Jetzt ist die Zeit für entschlossenes Handeln – gemeinsam auf allen Ebenen.“
Quelle: Verbändebündnis Wohnungsbau · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt