28. Mai 2026

REWE eröffnet Berlins ersten Supermarkt mit Dachfarm

REWE eröffnet ersten Supermarkt mit Dachfarm in Berlin
©  Christoph Große

Teltow (pm) – Unten im Supermarkt einkaufen, oben wächst Salat: Mit dem neuen REWE Green Farming Markt Berlin (2.150 qm) zieht Landwirtschaft mitten in die Hauptstadt. Über der hölzernen Markthalle entsteht Deutschlands größte Dachfarm (2.760 qm). Ab Sommer wächst dort Lankwitzer Pflücksalat – nur wenige Meter über den Köpfen der Kundschaft. Die Eröffnung des REWE Green Farming Berlin (21. Mai, 8 Uhr) ist der Startschuss für die neue kreislauffähige Supermarkt-Generation aus Holz.

„Mit REWE Green Farming entwickeln wir unsere Green-Building-Strategie weiter und verbinden kreislauffähiges Bauen mit urbanem Lebensmittelanbau“, erklärt Peter Maly, Vorstand der REWE Group. Kernelement der neuen Supermarkt-Generation ist Holz. Der nachwachsende Rohstoff bietet klare Vorteile gegenüber konventionellen Baumaterialien: Er speichert Kohlenstoff und dank der modularen Bauweise lassen sich die Hölzer demontieren und für ein zweites Leben aufbereiten. Auch im Betrieb schließt sich der Kreislauf: Abwärme aus dem Markt, eine Wärmepumpe und Regenwasser aus einer Zisterne ermöglichen optimale Wachstumsbedingungen für den Stadtsalat auf dem Dach. Was heute noch besonders wirkt, wird Peter Maly zufolge morgen zum Standard: „Unsere neue Supermarkt-Generation geht jetzt in Serie, dank der modularen Bauweise können wir die Dachnutzung optimal an den Standort anpassen. Wir planen bereits weitere Holzbau-Märkte in Deutschland.“

Vom Green Building zu Green Farming

Bereits im Jahr 2009 startete REWE in Berlin-Rudow den Bau der REWE Green Buildings – seither wurden bundesweit über 350 dieser energiesparenden Supermärkte errichtet. Die Weiterentwicklung des Bautyps gipfelte 2021 im Bau des ersten kreislauffähigen Supermarkts in Wiesbaden-Erbenheim. Aus dem Pilotmarkt entwickelten REWE und das verantwortliche Architekturbüro ACME den Prototypen für die neue Generation Green Buildings.

Von Berlin aus geht der neue Bautyp mit variabler Dachnutzung in Serie. „Der erste REWE Green Farming in Wiesbaden war ein wegweisendes Pilotprojekt, vielfach ausgezeichnet und populär. Die Erfahrungen in Hessen waren die Grundlage dafür, wie wir das Konzept in allen Bereichen weiterentwickelt haben”, sagt Friedrich Ludewig, Director ACME.

„Die zweite Generation des Tragwerks besteht über der Bodenplatte komplett aus Holz, die Architektur der Dachfarm ist neu durchdacht. REWE Green Farming ist eine Markthalle für das 21. Jahrhundert, die Frische und lokale Produkte zelebriert und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rückt.“

Auch in der Planung geht der Dachfarm-Markt neue Wege: Der REWE Green Farming Berlin ist der erste Markt des Lebensmittelhändlers, der vollständig mithilfe der BIM-Methode geplant wurde. BIM steht für Building Information Modeling. Dabei entsteht das Gebäude bereits vor dem ersten Spatenstich als digitaler Zwilling. „Statt wie bisher zweidimensional zu planen, arbeiten wir erstmals dreidimensional, datengetrieben und vor allem kollaborativ“, erklärt Thomas van der Broeck, Head of Digital Construction & Processes bei der REWE Group. „Potenzielle Probleme lassen sich bereits im digitalen Modell erkennen und lösen – noch bevor sie auf der Baustelle entstehen.“

Lankwitzer Pflücksalat

Nur 23 Tage braucht der Pflücksalat vom Dach bis ins Regal. In dieser kurzen Zeit durchlaufen die Pflanzen in der gläsernen Dachfarm einen automatisierten, hydroponischen Anbauprozess – nahezu ohne Erde. „Die Pflanzen wachsen auf speziellen Trays, die mehrmals am Tag mit einer Nährlösung geflutet werden“, erklärt Nicolas Leschke, Geschäftsführer ECF Farmsystems. Mit seinem Berliner Unternehmen betreibt er die Dachfarm. Nach der täglichen Ernte wird der Salat im Markt verarbeitet, verpackt und für den Verkauf vor Ort oder den Transport vorbereitet. Der Lankwitzer Pflücksalat aus dem REWE Green Farming Berlin enthält die Sorten Kopfsalat, Römersalat, Lollo Rosso und dunkelgrüner Easy Leaf Salat.

ECF Farmsystems entwickelt innovative urbane Lebensmittelkonzepte. „Es gibt in unseren Städten unglaublich viele ungenutzte Dachflächen. Wenn wir diese Flächen als Produktionsorte denken, steckt dort ein enormes Potenzial. REWE hat dies als erster Lebensmitteleinzelhändler erkannt“, sagt Nicolas Leschke.

Im REWE Green Farming Berlin wachsen im Jahr bis zu 900.000 Salatmischungen in der Dachfarm. Ab Sommer wird der erste Salat vom Supermarktdach geerntet. REWE beliefert damit rund 500 Supermärkte in der Hauptstadtregion. Im Vergleich zu Importware aus Südeuropa können dadurch jährlich rund 500.000 Fahrtkilometer eingespart werden.

Ein Herzstück aus Holz

Auf dem Dach zieht die gläserne Salatfarm die Aufmerksamkeit auf sich – im Inneren bestimmt die Holzkonstruktion den Raum. 72 Säulen aus gestapeltem Balken formen die luftige Markthalle. Das Besondere: Die Konstruktion verschwindet nicht hinter einer Verkleidung. Das Naturmaterial ist bewusst sichtbar und prägt den Charakter der Markthalle. Mit der modularen Holzbauweise kann auf dauerhafte Leimverbindungen verzichtet werden, Schraubverbindungen sorgen für die nötige Stabilität.

Das Tragwerk kann zu einem späteren Zeitpunkt demontiert und das Holz recycelt werden. „Die Holzmenge speichert etwa 930 Tonnen Kohlenstoff und wächst in einigen Jahren nach. Unsere neue Green-Building-Serie ist damit ein herausragendes Beispiel dafür, wie die Zukunft des Bauens aussehen muss: kreislauffähig, mit der richtigen Materialwahl und immer mit Blick auf die Umweltauswirkungen des Bauens“, erklärt Klaus Wiens, Head of Filialbau bei REWE.

Ein rundum grünes Konzept

„Seit vielen Jahren setzen wir in unseren Märkten auf 100 Prozent Grünstrom. So auch im REWE Green Farming. Durch LED‑Beleuchtung, verglaste Kühlregale und intelligente Temperatursteuerung verbraucht der Markt rund 50 Prozent weniger Energie. Zudem können wir einen Teil des Strombedarfs durch die 200 Solarmodule auf dem Dach decken”, betont Dirk Heimann, Leiter Bauwesen REWE Ost. Für den sommerlichen Wärmeschutz sorgen auskragende Dachüberstände als konstruktiver Sonnenschutz, sie reduzieren den Kühlbedarf des Marktes. Eine zehn Tonnen schwere Wärmepumpe sorgt für optimale Temperaturen in der Dachfarm.

Auch die Außenfläche ist funktional durchdacht: Die Parkplätze sind mit versickerungsfähigem Pflaster ausgestattet. Während des Einkaufs kann die Kundschaft ihr E-Auto bequem an einer der vier E‑Ladesäulen des Energieunternehmens EnBW laden. Zusätzlich stehen vor dem Markt Stellplätze für Fahrräder und Lastenräder zur Verfügung.

Mit REWE gewachsen: Felix Thomas ist der Kaufmann vor Ort

Mit Felix Thomas übernimmt ein echtes REWE‑Eigengewächs den Markt im Berliner Süden. Der 39‑Jährige ist seit 15 Jahren im Unternehmen. Als Marktmanager übernahm der Berliner Verantwortung für mehrere Märkte in seiner Heimatstadt. Sein Ziel war die Selbstständigkeit. „Unternehmer vor Ort sein, das reizt mich sehr. Der Markt in der Malteserstraße ist ein besonderer Standort, den ich zusammen mit meinem Team mit Leben füllen möchte“, sagt der Jungunternehmer. Als selbstständiger Kaufmann möchte Felix Thomas künftig ein verlässlicher Ansprechpartner im Kiez sein. Ebenso wichtig ist ihm seine Rolle als Arbeitgeber: „Ich trage Verantwortung für meine aktuell 55 Mitarbeitenden und möchte Beständigkeit vermitteln. Gleichzeitig ist es mir wichtig, mein Team individuell zu fördern.“ 

Quelle: REWE Markt GmbH