20. April 2026

Turins neue Metro-Linie 2: UNS gewinnt internationalen Wettbewerb

Amsterdam (abki) – Das Architekturbüro UNS hat den internationalen Wettbewerb für die Metro-Linie 2 in Turin gewonnen. Die Jury unter Vorsitz von Dominique Perrault würdigte den Entwurf als städtebaulichen Akt: Infrastruktur, die Mobilität, öffentlichen Raum und urbanes Gefüge sind miteinander verknüpft.

Das Konsortium umfasst neben UNStudio das ortsansässige Büro Settanta7, das Branding-Unternehmen Frigorosso, den Wegeleitsystem-Spezialisten Mijksenaar sowie 3BA (Tragwerk und Haustechnik) und WSP (Nachhaltigkeit, Personenfluss, Fassade). Auftraggeber sind der Extraordinary Commissioner for the construction of Line 2 of the Turin Metro sowie Infratrasporti.To S.r.l.

Portici, Flüsse, Bewegung

Der konzeptuelle Ausgangspunkt liegt im historischen Stadtgefüge Turins: in den Flüssen Po und Dora sowie den rund 18 Kilometern langen Bogengängen – den Portiken –, die das Alltagsleben der Stadt prägen. Dieses Erbe übersetzt das Konsortium in das Bild eines neuen „urbanen Flusses“, der Stadtteile, Geschichte und Generationen miteinander verbindet.

Architektonisch bewegt sich der Entwurf entlang einer formalen Transformation vom Bogen zum Portikus, von der Kurve zum Quadrat – eine Übersetzung der städtischen Geschichte in eine zeitgenössische Architektursprache. Die Stationen nehmen Turins Kontrast aus nüchternen Fassaden und reich gestalteten Innenräumen auf: zurückhaltend im Äußeren, atmosphärisch und unverwechselbar im Inneren.

Ben van Berkel, Founder and Principal Architect at UNS: „For Turin’s new Metro Line 2, we wanted to create more than a transport system. We wanted to design a new civic connection for the whole city, one that brings Turin’s history and its future into direct conversation. What is especially important is that this metro is truly public in spirit: it feels open, safe, and welcoming, with stations and entrances that extend the public realm so that, in places, the park meets the metro and infrastructure becomes part of the city’s shared social space.“

Modulares System, drei Identitätsebenen

Die Linie umfasst insgesamt 32 Stationen; die erste Entwurfsphase behandelt zehn davon, darunter Mole Giardini, San Giovanni Bosco und Carlo Alberto. Um die unterschiedlichen Standorte zu bewältigen, ohne die gestalterische Einheitlichkeit der Linie aufzugeben, entwickelte UNS eine modulare Architektursprache.

Die Identität des Systems gliedert sich in drei Ebenen: Network Identity übersetzt das Konzept des „Urban Flow Experience“ in eine einheitliche Sprache aus Zeichen, Geometrien, Materialien und Farben – von warmen Gelb- und Ockertönen zu Grün und Blau, Terrain und Landschaft Turins spiegelnd. System Identity koordiniert städtische Elemente, die in die umliegenden Quartiere ausstrahlen. Station Identity erlaubt jeder Station, auf ihren spezifischen Kontext zu reagieren – über Kunst, Landschaftsgestaltung und lokale Referenzen, geordnet nach neun thematischen Prinzipien wie Natur, Geschichte, Innovation und Kultur.

Das Branding-System erstreckt sich über die gesamte Fahrgastreise: von der digitalen Reiseplanung über Beschilderung und Materialsprache im Stationsraum bis hin zu Kampagnen und Kommunikation während der Bauphase. Langlebige Materialien wie Aluminium und Feinsteinzeug, diffuses Licht und Böden in Terrazzo-Optik verbinden historisches Gedächtnis mit zeitgenössischer Infrastruktur.

Quelle: UNS · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt