9. April 2026

„Kletter-Kirche“ – Vom Sakralraum zur Boulderhalle in Innsbruck

Innsbruck (pm) – Die denkmalgeschützte Pfarrkirche Petrus Canisius wird künftig auch für den Bouldersport genutzt. Das Konzept bewahrt die sakrale Atmosphäre und schafft gleichzeitig einen lebendigen Ort für Sport und Begegnung.

Die Kirche aus den 1960er-Jahren, geplant von Horst Parson, erhält wegen sinkender Nutzung eine neue Funktion. Ein Teil des markanten Sakralbaus wird zur Boulderhalle umgebaut. Zusätzlich entsteht ein Gastronomiebereich in einem südlichen Zubau. So sollen neue Zielgruppen angesprochen und das Quartier nachhaltig belebt werden.

 © ATP architekten ingenieure

Respektvoller Umgang mit dem Denkmal

Ziel ist der Erhalt des architektonisch wertvollen Sakralbaus in der Höttinger Au. Gleichzeitig wird das Gebäude behutsam in einen neuen Nutzungskontext überführt. Der Entwurf folgt dem Prinzip des minimalinvasiven Bauens.

Der Bestand bleibt in Kubatur, Wirkung und Materialität erhalten. Er wird jedoch gezielt ergänzt und teilweise neu genutzt. Drei Maßnahmen greifen ineinander: Zubau, Umnutzung und Neuordnung des Außenraums.

Neue Elemente sind klar als zeitgenössische Ergänzungen erkennbar. Sie treten nicht in Konkurrenz zur bestehenden Architektur. Der Zubau an der Innpromenade passt sich Maßstab und Höhe der Kirche an. Er fügt sich in das Ensemble ein, ohne zu dominieren.

Zudem folgt der Anbau einem „Plug-and-Play“-Prinzip. Er kann jederzeit rückgebaut werden, ohne den Originalzustand zu verändern.

Klare funktionale Trennung

Transparente Erdgeschosszonen öffnen das Gebäude zur Promenade. Die gesamte Haustechnik liegt im Neubau. So bleibt der Bestand möglichst unberührt.

Die Nutzungen sind klar getrennt: Kirche, Kapelle und Pfarrheim bleiben erhalten. Boulderhalle, Gastronomie und Shop bilden eigenständige Bereiche. Dadurch kann das Hauptschiff unabhängig genutzt werden.

Alle Maßnahmen wurden eng mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt.

 © ATP architekten ingenieure

Öffentliche Belebung und neue Nutzung

Der Um- und Zubau stärkt das Gebäude und den Stadtteil. Die Öffnung zur Innpromenade erhöht die Aufenthaltsqualität deutlich. Gastronomie, Terrasse und öffentliche WCs erweitern das Freizeitangebot am Inn.

Im Erdgeschoss entsteht ein großzügiges Foyer. Es verbindet Gastronomie, Bar, Küche und Gastraum. Ein kleiner Shop ergänzt das Angebot.

Im Untergeschoss befindet sich ein Kinderboulderbereich mit Atriumbezug. Der Hauptbereich liegt im ehemaligen Kirchenschiff. Freistehende Boulderwände respektieren die bestehende Raumstruktur. So bleibt die sakrale Atmosphäre erhalten.

Filigrane Galerien schaffen zusätzliche Flächen. Sie dienen als Aufenthalts- und Zuschauerbereiche. Eine barrierefreie Erschließung ermöglicht Zugang für alle Nutzer:innen. Damit entsteht ein offener und lebendiger Ort im Quartier.

Externe Planungspartner
columbosnext (Judith Widauer und Raphael Hanny) – Gewinner des Architektur-Ideenwettbewerbs zur Boulderbereich-Innenraumgestaltung

 © ATP architekten ingenieure

Quelle: ATP architekten ingenieure