München (pm) – Der Stoffkreislauf von Fensterglas lässt sich schließen. Forschende der Hochschule München zeigen, dass die Wiederverwendung technisch machbar ist.
Wiederverwendung von Fensterglas als Ressource
„Unser Ziel ist es, den Stoffkreislauf zu schließen“, sagt HM-Professor Martien Teich. Fensterglas wird bisher kaum wiederverwendet. Stattdessen wird es eingeschmolzen oder im Straßenbau genutzt. Dabei bietet der Stoffkreislauf von Fensterglas großes Potenzial für die Bauwirtschaft.
Die Herstellung von Glas ist material- und energieintensiv. Durch Wiederverwendung lassen sich Rohstoffe und Emissionen einsparen. Zudem entsteht weniger Abfall. In den kommenden Jahren müssen rund 150 Millionen alte Fenster ersetzt werden. Das entspricht etwa 220.000 Tonnen Glas jährlich.
Materialtests sichern den Stoffkreislauf von Fensterglas
Ein zentrales Problem sind fehlende Qualitätsstandards. Hersteller benötigen verlässliche Materialkennwerte. Bisher fehlten geeignete Prüfmethoden für gebrauchte Flachgläser. Hier setzt die Forschung zum Stoffkreislauf von Fensterglas an.
Das Team untersuchte optische und mechanische Eigenschaften von Glasproben. Die Proben wurden beleuchtet, um Kratzer sichtbar zu machen. Anschließend erfolgten Biegeversuche bis zum Bruch. Die gemessene Kraft zeigt die Festigkeit.
„Die Versuche haben gezeigt, dass eine gute Oberflächenqualität Hand in Hand geht mit einer hohen mechanischen Festigkeit. Dieser Zusammenhang ist statistisch signifikant und gilt für alte Gläser genauso wie für neue“, berichtet Wernli. Damit entsteht eine zerstörungsfreie Methode zur Qualitätskontrolle.
Integration in industrielle Prozesse
Für den großflächigen Einsatz muss der Prüfprozess automatisiert werden. Dafür entwickeln die Forschenden Scanner und Softwarelösungen. Diese erkennen Schäden auf Glasoberflächen zuverlässig.
Eine weitere Herausforderung ist die Integration in bestehende Produktionsprozesse. Diese sind auf neues Flachglas in standardisierten Größen ausgelegt. Der Stoffkreislauf von Fensterglas erfordert daher angepasste Abläufe.
Bereits heute zeigen Versuche im Labormaßstab die Machbarkeit. Bestandsgläser wurden geprüft, beschichtet und zu Dreifachisolierglas verarbeitet. Damit ist der Stoffkreislauf von Fensterglas technisch umsetzbar.
In einem Folgeprojekt soll nun die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden. „Technisch ist es auf jeden Fall machbar“, betont der Ingenieur. „Die Bestandsgläser sind in ihren Eigenschaften oft nicht von neuen Flachgläsern zu unterscheiden. Die Herausforderung liegt jetzt darin, ihre Nutzung in die großtechnischen Abläufe bei der Fertigung von Fenstern zu integrieren.“
Quelle: Hochschule München
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