31. März 2026

Vom Bio-Klebstoff bis zur klimaneutralen Speicherstadt: Die Finalisten der Sustainability Challenge 2026 

Stuttgart (pm) – Die Endauswahl des jährlich stattfindenden Innovationswettbewerbs der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) steht fest. Aus über 120 Einreichungen bestimmte die Jury zehn Finalisten in den Kategorien Start-up, Innovation und Forschung und vergab zudem zwei studentische Sonderpreise. Die Themen reichen von regenerativen Baumaterialien wie Lehm und Holz über alternative Bauweisen mit Beton und Stahl bis hin zur Regenwassernutzung und CO2-neutraler Energieversorgung in Quartieren. Bereits am 4. Mai stellen sich die Finalisten im Rahmen einer Online-Pitch-Veranstaltung vor. Die Bekanntgabe aller Gewinner erfolgt am 17. Juni beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit in Stuttgart.

„Wir haben dieses Jahr wieder eine deutliche Steigerung an Bewerbungen für unseren Innovationswettbewerb erlebt“, freut sich Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Gerade in Zeiten, in welchen Nachhaltigkeitsthemen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft wieder mehr in Frage gestellt werden, zeigt die DGNB Sustainability Challenge, dass es in der Bau- und Immobilienbranche genug Menschen gibt, die dranbleiben und die Transformation des Bausektors hin zur Nachhaltigkeit wirklich wollen.“

Kategorie „Innovation“: Mörtel und Lehmziegel, Kappendecke und Wasserbilanzsteuerung

In der Kategorie „Innovation“ steht das Unternehmen ClayTec in der Endauswahl. Dank der Wasserlöslichkeit seines Lehm-Dünnbettmörtels können Ziegel- und Massivwände erstmals komplett zurückgebaut werden. Kombiniert werden kann dieser Spezialmörtel beispielsweise mit dem GIMA-Lehmhochlochziegel des Unternehmens Girnghuber, das damit ebenfalls im Finale ist. Der Mauerstein besteht aus dem natürlichen Rohstoff Lehm, ist vollständig recyclebar, energieeffizient in der Produktion und als erster seiner Art für sämtliche Gebäude bis Gebäudeklasse 5 zugelassen. „Die partnerschaftliche Zusammenarbeit der beiden Finalisten zeigt, dass es eben nicht nur ein singuläres Schauen auf Innovationen braucht, sondern ein gemeinsames Weiterdenken“, betont Lemaitre.

Das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner und die thomas gruppe überzeugten die Jury mit concap, einer seriell gefertigten Kappendecke aus Betonfertigteilen. Durch die Gewölbeform der Bauteile spart das Produkt etwa 50 Prozent Konstruktionsbeton gegenüber einer Flachdecke ein. Als vierter Finalist der Kategorie „Innovation“ ist die Optigrün international AG mit einer Wasserbilanzsteuerung für ein intelligentes Regenwassermanagement mit dabei. Durch die Kombination aus Retentionsdächern und Begrünung für die gezielte Verdunstung, Speicherräumen im Tiefbau und aktiver Wasserverteilung je nach Wetterprognosen werden Überflutungsrisiken und sommerliche Hitzeeinwirkungen reduziert.

Kategorie „Start-up“: Lehmbau aus Aushub, Wärmepumpen und pflanzenbasierte Klebstoffe

In der Kategorie „Start-up“ steht zum einen Earthbound im Finale. Das junge Berliner Unternehmen nutzt Baustellenaushub zur Herstellung von ungebrannten, CO2-reduzierten, vollständig zirkulären Lehmbaustoffen. Ebenfalls in die Endauswahl hat es das Start-up Ecalia aus Stuttgart geschafft. Mithilfe eines Kompressor-Entspanner-Systems steigert das Unternehmen die Effizienz von Wärmepumpen in dem Maße, dass für Altbauten eine bislang fehlende wirtschaftliche Lösung geschaffen wird. Der dritte Finalist der Kategorie „Start-up“ ist LIGARO aus Hannover. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe auf Basis von pflanzlichen Industrie-Reststoffen für den Einsatz bei Holz und sonstigen Werkstoffen.

Kategorie „Forschung“: CO2-neutrales Quartier, Recycling von Stahl und Holz-Lehm-Bau

Im Finale der Kategorie „Forschung“ steht das Projekt „CO2-neutrales Welterbe Speicherstadt Hamburg“, dessen Gesamtkoordination in der Verantwortung von HHLA Immobilien liegt. Das Forschungszentrum Jülich ist Projektträger und die Forschungskoordination hat das Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Universität Stuttgart übernommen. Mit dem Ziel, das Bestandsquartier bis 2050 komplett CO2-neutral zu betreiben, wurde ein Versorgungskonzept mit lokal verfügbaren erneuerbaren Energien entwickelt. Das von der RWTH Aachen durchgeführte Forschungsprojekt „Entwicklung einer Methodik zur Evaluierung der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen im konstruktiven Stahlbau mittels digitalem Bauteilpass – Eva Steel“ zielt erstmals auf eine ganzheitliche Bewertungsmethodik für die Wiederverwendung von Stahlbauteilen ab. Zudem wählte die Jury das Projekt „Timber Earth Slab“ von der Technischen Universität München unter die Finalisten. Dahinter steht die Entwicklung eines Bausystems für den mehrgeschossigen Holzbau, welches die konstruktiven und bauphysikalischen Vorteile von Holz und Lehm mithilfe digitaler Planungsmethoden und robotischer Fertigung optimal nutzt.

Sonderpreis für studentische Projekte: Krummholz im Bau und erdbebensicherer Lehmbau

Auch in diesem Jahr vergibt die DGNB wieder Sonderpreise an zwei studentische Projekte. Die erste Auszeichnung geht an eine Forschungsgruppe der TU Braunschweig für das Projekt „reziproof“. Die Studierenden nutzen digitale Planungswerkzeuge und robotische Fertigung, um bisher als Brennholz verwendetes Krummholz für Dachtragwerke konstruktiv nutzbar zu machen. Den zweiten Sonderpreis erhält Julia Bakucz vom Karlsruher Institut für Technologie für ihre Masterarbeit „Terratorium“, die sich mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Marokko im Jahr 2023 befasst. Am Beispiel eines Ausbildungszentrums für erdbebensichere Lehmbauten werden die Vorteile von Lehmziegeln und Stampflehm als klimagerechte Alternative zum häufig verwendeten kostenintensiven Stahlbeton aufgezeigt.

Finalisten und ehemalige Gewinner beim Pitch-Event am 4. Mai

Die erste Gelegenheit die Menschen hinter den genannten Projekten kennenzulernen, bietet sich am 4. Mai 2026 von 9:00 bis 11:30 Uhr im Rahmen einer digitalen Veranstaltung an, bei der sich alle Finalisten in Kurzpräsentationen vorstellen. Einige Jurymitglieder stellen in diesem Rahmen ihre Lieblingsbewerbungen vor, die es nicht in die Endauswahl geschafft haben. Den Link zur kostenfreien Anmeldung gibt es unter www.dgnb.de/sustainability-challenge.

Auch im Rahmen des DGNB Tags der Nachhaltigkeit stellen die Finalisten ihr Projekt nochmals live auf der Bühne vor. Bei dem zentralen Jahresevent des Non-Profit-Vereins gibt es für Besuchende zusätzlich die Chance, alle Nominierten während des Tages an einem eigenen Stand auf dem Marktplatz der Ideen zu besuchen. Der DGNB Tag der Nachhaltigkeit findet am 16. und 17. Juni 2026 in Stuttgart statt. Die Anmeldung ist unter www.dgnb.de/tdn möglich.

Renommierte Fachjury und zusätzlicher Publikumspreis

Die Auswahl der Finalisten und Gewinner der DGNB Sustainability Challenge erfolgte durch eine hochkarätig besetzte Jury, die sich aus Expertinnen und Experten mit sehr unterschiedlichen Perspektiven auf das nachhaltige Bauen zusammensetzt. Mit dabei waren in diesem Jahr Dr. Anna Braune (DGNB), Gerhard Breitschaft (Deutsches Institut für Bautechnik), Bernd Döring (FH Aachen), Gregor Grassl (Drees & Sommer), Marie Hirnsperger (Behnisch Architekten), Johannes Kreißig (DGNB), Dr. Christine Lemaitre (DGNB), Katrin Mees (Zentralverband Deutsches Baugewerbe), Jasna Moritz (kadawittfeldarchitektur), Martin Pauli (Arup Deutschland), Martin Prösler (Proesler Kommunikation), Dr. Clarissa Rhomberg (ZirkuLIE), Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel (CIRCULAR STRUCTURAL DESIGN).

Darüber hinaus lobt die DGNB auch in diesem Jahr wieder über alle Kategorien und Sonderpreise hinweg einen Publikumspreis aus. Die Wahl setzt sich zusammen aus einem vom 4. Mai bis zum 16. Juni 2026 laufenden Online-Voting sowie einer Vor-Ort-Abstimmung des Publikums beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit. Bei der Veranstaltung am 17. Juni erfolgt die Bekanntgabe sämtlicher Gewinner der DGNB Sustainability Challenge 2026 inklusive des in diesem Jahr neu ausgelobten Sonderpreises „Klima“.

Alle Informationen zur Abstimmung sowie zu den zwölf Unternehmen und Projekten in der Endauswahl finden sich unter www.dgnb.de/sustainability-challenge.

Alle Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026 im Überblick

Kategorie „Innovation“:

  • concap® – seriell gefertigte Kappendecke aus Beton, schlaich bergermann partner sbp SE, Stuttgart und thomas beteiligungen GmbH, Simmern
  • Lehm-Dünnbettmörtel, ClayTec GmbH & Co. KG, Viersen
  • GIMA-Lehmhochlochziegel, Girnghuber GmbH, Marklkofen
  • Wasserbilanzsteuerung, Optigrün international AG, Krauchenwies-Göggingen

Kategorie „Start-up“:

  • Ecalia GmbH, Stuttgart
  • Earthbound GmbH, Berlin
  • LIGARO, Hannover

Kategorie „Forschung“:

  • CO2-neutrales Welterbe Speicherstadt Hamburg, Hamburger Hafen und Logistik AG, Forschungszentrum Jülich, Universität Stuttgart und weitere Projektpartner
  • Entwicklung einer Methodik zur Evaluierung der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen im konstruktiven Stahlbau mittels digitalem Bauteilpass – EvaSteel, RWTH Aachen University
  • Timber Earth Slab, Technische Universität München

Studentischer Sonderpreis:

  • Reziproof, Technische Universität Braunschweig
  • Terratorium, Julia Bakucz, Karlsruher Institut für Technologie

Quelle: DGNB