Berlin (pm) – Mit dem geplanten Life Science Center Vienna entsteht im Wiener Stadtteil Neu Marx ein hochmodernes Forschungs- und Innovationszentrum, das die Entwicklung von Life Sciences und künstlicher Intelligenz (KI) maßgeblich vorantreiben wird. Das Projekt setzt neue Maßstäbe für die Verbindung von Architektur, Wissenschaft und urbanem Kontext.
Architektur und Stadtraum: Forschung im urbanen Kontext
Ausgangspunkt des Projekts ist eine klare Haltung zum Ort und seiner Bedeutung für die Forschung. „Architektur beginnt für uns beim Ort. Das Life Science Center verankert Forschung im Stadtraum und schafft eine räumliche Atmosphäre für Konzentration, Austausch und Offenheit zwischen Wissenschaft und Stadt“, fasst Dr. Christian Kronaus zusammen. Dieser Anspruch spiegelt sich sowohl in der städtebaulichen Setzung als auch in der inneren Organisation des Gebäudes wider. Die polygonale Form reagiert präzise auf den Kontext und definiert differenzierte Zugänge sowie einen zentralen Innenhof als kommunikatives Herzstück.
Das Gebäude ist als interdisziplinärer Hub konzipiert, der Labore, Büros und Kommunikationsflächen eng miteinander verzahnt. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Start-ups und Unternehmen zu fördern und Innovationen insbesondere im Bereich KI-gestützter Biomedizin zu beschleunigen. Der Innenhof fungiert dabei als verbindendes Element, das informelle Begegnungen ermöglicht und den Austausch stärkt.

Flexibilität und Zukunftsfähigkeit der Struktur
Ein wesentliches Merkmal des Entwurfs ist seine strukturelle Anpassungsfähigkeit. „Der Entwurf ist als flexibles System gedacht. Gerade KI-basierte medizinische Forschung verlangt Strukturen, die sich verändern lassen und aus Nutzung, Logik und Kontext heraus entwickelt sind“, sagt Peter Mitterer. Entsprechend basiert das Gebäude auf einem klaren Stützenraster mit nichttragenden Zwischenwänden, die eine einfache Umorganisation der Räume ermöglichen. Versorgungsschächte sind strategisch neben tragenden Bauteilen angeordnet, wodurch langfristige Umnutzungen ohne großen baulichen Aufwand realisierbar sind.
Auch technisch ist das Gebäude auf Flexibilität und Zukunftsfähigkeit ausgelegt: Leitungen werden in zugänglichen Gangzonen geführt, wodurch Wartung und Nachrüstung erleichtert werden. Büro- und Laborbereiche sind über kurze Stichleitungen angebunden und individuell steuerbar, was effiziente Arbeitsabläufe unterstützt.
Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist das umfassende Nachhaltigkeitskonzept. Der Wettbewerbsbeitrag orientiert sich an den höchsten Standards der Gebäudezertifizierung (ÖGNI/DGNB Platin, klimaaktiv Gold) und schafft die Grundlage für die Konformität mit der EU-Taxonomie. Im Rahmen der Planung wird ein Gebäude-Ressourcenpass erstellt, der die ökologische Optimierung über den gesamten Lebenszyklus hinweg unterstützt.
Konstruktiv kommt CO₂-reduzierter Stahlbeton zum Einsatz, ergänzt durch thermisch aktivierte Geschossdecken zur energieeffizienten Temperierung. Die Fassade kombiniert fixe Verschattungselemente mit automatisch gesteuerten Außenjalousien. Extensive Dachbegrünungen, Photovoltaikanlagen sowie begrünte Fassaden und Innenhöfe tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Überschüssige Energie kann gespeichert oder ins Netz eingespeist werden, zudem ist eine Anbindung an ein Anergienetz vorgesehen.

Lebenszyklus, Nutzung und Mobilität
Die Planung wird durchgehend von Ökobilanzierungen und Lebenszykluskostenanalysen begleitet. Auch der Baustellenbetrieb erfolgt über die gesetzlichen Anforderungen hinaus lärm-, staub- und abfallarm. Das Gebäuderaster mit regelmäßigen Stützenabständen ermöglicht flexible Nutzungseinheiten und sichert die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes.
Ergänzt wird das Konzept durch nachhaltige Mobilitätsangebote wie Fahrradstellplätze mit Ladeinfrastruktur für E-Bikes und Lastenräder sowie entsprechende Serviceeinrichtungen. Damit wird das Life Science Center nicht nur als Forschungsstandort, sondern auch als integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen urbanen Infrastruktur gedacht.
Ein neuer Impuls für Wien als Forschungsstandort
Mit dem Life Science Center Vienna entsteht somit nicht nur ein hochfunktionales Forschungsgebäude, sondern ein integrativer Ort, der Architektur, Wissenschaft und Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Das Projekt setzt neue Maßstäbe für flexible Forschungsinfrastrukturen und stärkt Wien langfristig als führenden Standort für Life Sciences und KI in Europa.
Quelle: Kronaus Mitterer Architekten