3. April 2026

MVRDV startet Bau des EU TUMO Convergence Center in Jerewan

Rotterdam/Jerewan (abki) – MVRDV hat den Baubeginn für das EU TUMO Convergence Center in Jerewan bekannt gegeben. Das neue Gebäude entsteht auf dem Campus von TUMO im Tumanyan-Park und wurde im Rahmen einer Zeremonie unter anderem mit Armeniens Premierminister Nikol Pashinyan vorgestellt. Der Neubau soll die Bildungsmission der Organisation räumlich erweitern und zugleich die Verbindung zwischen Ausbildung, Forschung und Technologiebranche stärken.

Der Entwurf reagiert auf einen exponierten Standort über der Hrazdan-Schlucht. Auf einem hügeligen Felssporn positioniert, öffnet sich das Gebäude mit Blickbeziehungen zur Stadt, zur Schlucht und zum Berg Ararat. MVRDV beschreibt den Bau als eine Art „Arche“, die über dem Gelände schwebt. Die symbolische Lesart wird durch die auskragende Gebäudefigur verstärkt, die an beiden Enden über die steilen Hänge hinausragt.

Architektonisch besteht das Projekt aus einem 120 Meter langen monolithischen Baukörper, der auf einem abgesenkten Sockel ruht. Große Fensterflächen an den Stirnseiten orientieren sich nach Norden zur Flussschlucht und nach Süden zum Ararat. Der Sockel hebt das Volumen zugleich stärker in die Wahrnehmung und bildet eine geneigte Fläche aus, die den benachbarten Tumanyan-Park räumlich fortsetzt.

Im Inneren organisiert sich das Gebäude über fünf Ebenen um drei große Atrien. Diese innenräumlichen Einschnitte sind als „öffentliche Räume“ konzipiert und mit dem Erdgeschoss verbunden. Im Zentrum liegt die „Grotto“ als Haupteingangsbereich mit Café und digitaler Lounge. Am südlichen Ende erstreckt sich das „Valley“ über die gesamte Höhe des Hauses und nimmt die Veranstaltungshalle auf. Am nördlichen Ende verbindet der „Canyon“ die Geschosse vertikal und unterstützt unterschiedlich skalierte Co-Working-Bereiche. Tageslicht gelangt über diese Atrien tief in das Gebäudeinnere. Unterstützt wird dies durch eine transluzente Polycarbonatfassade, die das Licht tagsüber filtert und dem Baukörper nachts ein weiches Leuchten verleiht.

Mit dem Neubau erweitert TUMO sein bestehendes Bildungsangebot. Die Organisation bietet seit 2011 kostenlose Bildungsprogramme für Jugendliche und Erwachsene an, um technische und kreative Kompetenzen zu fördern. Nach eigenen Angaben wurden inzwischen mehr als 100.000 junge Menschen ausgebildet. Ausgehend von Jerewan ist TUMO auf 25 Zentren in Armenien und international gewachsen, darunter Standorte in Paris, Tirana, Berlin und Mumbai.

Das neue Zentrum soll auf dem Hauptcampus Bildungsangebote mit Flächen für innovative Technologie- und Designunternehmen sowie mit Konferenznutzungen verbinden. Vorgesehen ist, ältere Studierende, junge Fachkräfte, Forschung und Start-ups räumlich enger zusammenzubringen. Damit versteht sich das Gebäude nicht nur als Erweiterung eines Lernorts, sondern auch als Schnittstelle zwischen Ausbildung und Industrie.

Auch die Freiraumgestaltung ist Teil des Konzepts. MVRDV setzt die felsige Topografie des benachbarten Parks auf dem Grundstück fort und entwickelt unterschiedliche Außenräume für Aufenthalt und informelle Begegnungen. Wegebeziehungen verknüpfen bestehende Parkelemente mit neuen Aufenthaltsbereichen. Eine Brücke von Westen führt als Zugang in das Gebäude, quert die zentrale „Grotto“ und endet als Aussichtspunkt über dem Fluss.

Nach Angaben des Büros verfolgt das Projekt zudem mehrere Strategien zur Reduzierung von grauen und betrieblichen Emissionen. Die Geschossdecken werden mit einem Bubble-Deck-System ausgebildet, um den Betonverbrauch und das Gebäudegewicht zu verringern. Darüber hinaus ist der Neubau auf langfristige Anpassbarkeit angelegt: Die Grundrisse sind um zwei zentrale Kerne organisiert und erlauben flexible Nutzungen durch TUMO und andere Organisationen. Die Atrien fungieren zugleich als thermische Pufferzonen mit separaten Heiz- und Kühlsystemen. Anti-Stratifikationsventilatoren und Niedertemperatur-Fußbodenheizungen sollen dabei helfen, die energetische Effizienz zu erhöhen.

Mit dem EU TUMO Convergence Center entsteht in Jerewan ein Gebäude, das Bildungsinfrastruktur, Arbeitswelten und städtebauliche Inszenierung miteinander verbindet. Die Lage über der Schlucht, die starke lineare Figur und die offene innere Organisation machen den Neubau zu einem räumlichen Marker innerhalb des wachsenden TUMO-Campus.

Quelle: MVRDV · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt