1. April 2026

Über die Hälfte der Architekturbüros entwirft mit KI-Unterstützung

Düsseldorf (pm) – Wenn es um Innovationen geht, gelten Architektinnen und Architekten als trendaffine „Early Adopter“ mit einem neugierigen Magen. Und tatsächlich: Die Nutzung von KI im Arbeitsprozess bildet keine Ausnahme. KI-Tools, allen voran ChatGPT, haben sich rasant im Architekturalltag etabliert. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des BauInfoConsult-Mutterschiffs USP Marketing Consultancy zur Nutzung digitaler Planungsmethoden in zehn Ländern. Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Architekturschaffenden hat demnach laut eigener Aussage bereits ernsthaft Erfahrung mit KI-generierten Inhalten in der Entwurfsplanung gemacht. Sieht man genauer hin, beschränkt sich die überwiegende Mehrheit der Fälle von KI-Anwendung noch auf visuelle und dokumentarische Aufgaben, wie etwa KI-generierte Renderings oder Spezifikations-Textbausteine. Zu komplexeren, prozessintegrierten Anwendungen kommt es bislang freilich nur vereinzelt. Was steht einem breiteren Einsatz von KI aus Sicht der Planungsbranche im Weg? 

54 Prozent der deutschen Architekturfirmen haben bereits ChatGPT und Co. im Einsatz 

In 1.076 telefonischen Interviews mit Architekturbüros in West-, Süd-, Nord- und Mitteleuropa, darunter 125 Firmen aus Deutschland, stellte sich heraus, dass 59 Prozent der europäischen Architekturbüros in ihren Entwürfen regelmäßig oder zumindest gelegentlich mit KI-Anwendungen experimentieren. Die KI-Nutzungsniveaus variieren je nach Digitalisierungskultur der verschiedenen Länder zum Teil deutlich nach oben oder unten – Deutschland liegt mit einem Wert von 54 Prozent jedoch nur knapp unter dem 10-Länder-Durchschnitt.

Jung, in größeren Firmen, mit Standardtools – Steckbrief der KI-affinen Architekturschaffenden

Wie sieht eine typische KI-Nutzerperson in der Architekturbranche aus? Erwartungsgemäß ist die Nutzung unter jüngeren Befragten bis 34 Jahre verbreiteter. Und die Nutzungsniveaus sind bei größeren Unternehmen höher als in kleinen Klitschen. Wer baubranchenmaßgeschneiderte Spezial-KI erwartet, wird allerdings enttäuscht: Die meistgenannten Tools sind gängige Anwendungen wie ChatGPT oder Copilot, mit denen viele der Architekturprofis vermutlich auch schon außerhalb von Planungskontexten Erfahrungen gesammelt haben.

Fest integriert in den Designprozess ist KI noch nicht 

Messbare Produktivitätssteigerungen sind weiterhin begrenzt und uneinheitlich, insbesondere im Bereich der Modellierung. KI spielt derzeit ihre Stärken eher in der Ideenfindung und Dokumentation als in den Kernprozessen aus. Der Markt experimentiert – die Integrationsreife ist jedoch noch ausbaufähig.

Die Akzeptanz wird nicht durch fehlende Geschicklichkeit eingeschränkt

Was schränkt die Verbreitung von KI vor allem ein? Einen Hinweis geben die Begründungen der Architektinnen und Architekten, die KI nicht nutzen, für diese Entscheidung. Dabei zeigt sich: Die größte Hürde für die Einführung von KI liegt nicht in der technischen Komplexität oder fehlenden Skills auf Seiten der Architekturschaffenden, sondern darin, dass viele keinen Mehrwert erkennen.

Fehlende Zeit für das Experimentieren mit neuen Methoden wird öfter angeführt, vor allem aber sind sich die KI-Muffel darin einig, dass sie keinen Nutzen in der Arbeit mit KI im Entwurfsprozess sehen. Einige Unternehmen sind nach wie vor nicht überzeugt, dass KI unter realen Projektbedingungen spürbare Verbesserungen mit sich bringen wird. „Wie schnell eine KI-Adoption auf breiterer Basis erfolgen kann, wird eher von einer nachweislichen Workflow-Integration und konkreten Effizienzsteigerungen abhängen als von einem gesteigerten Bewusstsein für KI“, resümieren das Studienteam von USP.

Quelle: BauInfoConsult GmbH