19. März 2026

Finnland setzt mit Lagmansgården neuen architektonischen Standard für Betreuungseinrichtungen

Helsinki (abki) – Eingebettet in die ruhigen Kiefernwälder an der Westküste Finnlands bietet die Wohn- und Betreuungseinrichtung Lagmansgården jungen Menschen mit intensivem Förderbedarf sowie besonderem Unterstützungsbedarf ein sicheres, wohnliches Umfeld.

Lagmansgården basiert auf umfangreichen Forschungsarbeiten des finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlfahrt (THL). Ziel war die Entwicklung eines neuen Modells für stationäre Betreuungseinrichtungen, das Natur und Architektur miteinander verbindet und so eine unterstützende Lern- und Lebensumgebung schafft. Die Erfahrungen aus Lagmansgården sollen künftig auch in die Planung weiterer Einrichtungen einfließen.

Entworfen vom Architekturbüro Anttinen Oiva Architects integriert der Komplex Wohn-, Bildungs- und Therapiebereiche in einem zusammenhängenden, naturorientierten Ensemble. Die Anlage umfasst Schul- und Wohngebäude mit insgesamt 20 Zimmern in vier Wohneinheiten sowie Klassenräume, Freizeitbereiche, Verwaltungsräume und eine Gemeinschaftsküche mit Speisesaal. Ein zentraler Innenhof, der sich zum See hin öffnet, bildet das räumliche Zentrum der Anlage. Dabei respektiert der Entwurf den jahrhundertealten Kiefernwald des Standorts und fördert Aktivitäten im Freien sowie soziale Begegnungen.

„Die Architektur von Lagmansgården steht für eine neue Denkweise bei der Gestaltung anspruchsvoller Einrichtungen der Jugendhilfe und Lernumgebungen mit besonderem Unterstützungsbedarf in Finnland. Ziel war es, eine ganzheitliche Umgebung zu schaffen, die Wachstum und Erholung junger Menschen unterstützt“, sagt Selina Anttinen, Architektin und Partnerin bei Anttinen Oiva Architects.

Regionale Bautraditionen und natürliche Materialien

Die Gebäude bestehen überwiegend aus Holz, darunter sichtbar eingesetztes Brettsperrholz (CLT) und Sperrholz. Die Gestaltung greift die schlichte Architektursprache der regionalen ostbottnischen Bautradition auf. Eine ruhige Dachform fasst die unterschiedlichen Funktionen unter einer gemeinsamen Struktur zusammen. Der eingeschossige Baukörper, großzügige Dachüberstände und eine natürliche Materialpalette schaffen eine Atmosphäre, die Erholung und gemeinschaftliches Leben unterstützt. Das hellfarbene Stehfalz-Metalldach verbirgt technische Anlagen und fügt sich zugleich in die umgebende Landschaft ein.

Auch im Innenraum standen Funktionalität und Anpassungsfähigkeit im Mittelpunkt. Warme Holzoberflächen sowie flexible und robuste Möbel schaffen eine informelle, wohnliche Umgebung. Die Farbgestaltung orientiert sich an den Tönen des umliegenden Waldes.

„Ein Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit sowie die Möglichkeit, die eigene Umgebung mitzugestalten, spielen eine große Rolle bei der Schaffung angenehmer Räume für junge Menschen“, erklärt Anttinen. „Die Mitarbeitenden waren aktiv am Planungsprozess beteiligt, und auch die Jugendlichen konnten konkret mitwirken – etwa indem sie selbst Couchtische für die Wohnbereiche der Einheiten gebaut haben.“

Niedrige CO₂-Bilanz und erneuerbare Energie

Lagmansgården ist bislang das Bauprojekt mit der niedrigsten CO₂-Bilanz im Portfolio von Senate Properties. Neben einer geringen Klimawirkung standen von Beginn an Energieeffizienz sowie einfache, wartungsfreundliche und langlebige Lösungen im Fokus. Das Gebäude nutzt Erdwärme, zudem erzeugt eine Photovoltaikanlage auf dem Gelände erneuerbare Energie.

„Die Mitarbeitenden und Jugendlichen haben sich sehr gut in den neuen Räumlichkeiten eingelebt. Architektur und Raumgestaltung betonen eine wohnliche Atmosphäre und ein enges gemeinschaftliches Zusammenleben, wobei der therapeutische Ansatz in allen Wohneinheiten deutlich erkennbar ist. Die Umgebung hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden sowohl der jungen Menschen als auch der Mitarbeitenden“, sagt Carl-Johan Strömberg, Direktor von Lagmansgården.

Quelle: Anttinen Oiva Architects · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt