Bregenz (pm) – Bereits vor über drei Jahren eröffneten Teile des neuen TUM Campus im Olympiapark im Kontext der weltberühmten und denkmalgeschützten Architektur von 1972. Nun wurden auch die letzten Bausteine bezogen. Mitte dieses Jahres sind die Institutsbereiche mit rund 300 Büros samt begrünten Innenhöfen vom Staatlichen Bauamt München 2 an die Technische Universität München (TUM) übergeben worden. Damit schließt ein Prestigeprojekt ab, das den Baustoff Holz im großen Maßstab verwendet. Präzise Ingenieursleistung gepaart mit industrieller Vorfertigung der Holzelemente fügen sich im neuen TUM Campus im Olympiapark zu einem konsequent der Funktion und einer lern- und bewegungsfördernden Umgebung gewidmeten Raumkomposition.



Vielseitige Nutzungen unter einem 22.000 Quadratmeter großen Holzdach
Seit der Teileröffnung 2022 ist der TUM Campus im Olympiapark ein lebendiger, bunter und vielseitiger Ort für die TUM School of Medicine and Health der Technischen Universität München sowie für den Zentralen Hochschulsport (ZHS) und somit für alle Münchner Studierenden. Architektonisch fügt sich der Holzbau mit seiner dunklen Holzfassade, dem insgesamt 22.000 Quadratmeter großen Holzdach und dem knapp 19 Meter auskragenden Vordach behutsam in den Kontext der weltberühmten Olympia-Architektur von Behnisch & Partner mit Frei Otto und dem ebenfalls denkmalgeschützten Landschaftspark von Günther Grzimek ein.
Das quaderförmige Bauwerk umfasst eine Vielzahl an Nutzungen: Bis 2022 konnten in einem früheren Bauabschnitt 14 Sporthallen, 12 Hörsäle, 15 Diagnostikräume, 5 Werkstätten, eine Cafeteria und Bibliothek realisiert werden. Diese verteilen sich über zwei Geschosse um eine zentrale Erschließungsachse, der „Rue intérieure“, die auch als Kommunikationsraum fungiert. Innen sind helle Holzoberflächen, großzügige Verglasungen für Sichtbeziehungen in die Sportbereiche, Unterrichtsräume und das Forschungsumfeld, viel Tageslicht durch Oberlichter und eine moderne Ausstattung mit feinen farblichen Bezügen zum olympischen Kontext wichtigste Gestaltungsmerkmale.




Finalisierung der Institutsbereiche bei laufendem Betrieb
Im nun Mitte 2025 abgeschlossenen letzten Bauabschnitt wurden zwei diagonal sich gegenüberliegende Gebäudeabschnitte ergänzt, die die Flächen der ehemaligen Sporthallen besetzen. Die aus dem Jahr 1972 stammenden Hallen waren während der ersten Bauphase noch in Nutzung und wurden nach Fertigstellung der neuen Hallen 2022 rückgebaut. Die neuen Verwaltungstrakte beherbergen 300 Büros, Besprechungsräume, den Dekanatssaal, eine Lehrküche für die Ernährungswissenschaften, Untersuchungsräume für Patient:innen zweier medizinischer Institute sowie weitere Bereiche für die Studierenden.
Die Räume gruppieren sich dabei um insgesamt vier vollständig umbaute Innenhöfe. Zwei weitere, gespiegelte Innenhöfe bilden eine Fuge zwischen den Instituten und Sportbereichen. Sie öffnen sich nach Norden beziehungsweise Süden und erlauben direkten Zugang vom Parkplatz oder den umliegenden Erschließungswegen in die „Rue intérieure“.
Die nun ergänzten Gebäudeteile vervollständigen das 185 Metern lange und 153 Meter breite Bauwerk zu einem durchgehend zweigeschossigen, teilunterkellerten Quader, der insgesamt 42.200 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfasst. Rund 20 Hektar Sport- und Freiflächen ergänzen die bauliche Struktur. Die Gestaltung der Sport- und Freiflächen des TUM Campus im Olympiapark erfolgt aus der Logik von Pflicht- und Kürprogramm heraus. Während die Sportflächen technisch den höchstmöglichen Ansprüchen genügen müssen, bieten unterschiedliche Freiräume wie die „Rue extérieure“ oder die großen Innenhöfe unterschiedliche Orte für entspannten Aufenthalt, informelle Begegnungen oder nachsportliche Erholung.



Ausgeklügelte Vordachkonstruktion als charakteristisches Merkmal
Zu den bereits im ersten Bauabschnitt fertiggestellten, markantesten Gebäudeelementen gehört die Konstruktion eines spektakulären Vordachs aus Holz. Dieses befindet sich auf der Westseite des Gebäudes, wo die innere Erschließungsachse „Rue intérieure“ in einer quer verlaufenden „Rue extérieure“ mündet. Das weit vorspringende und außen stützenfreie Vordach erstreckt sich über die Terrasse vor der Cafeteria und Bibliothek auf der 1. Ebene und reicht im Erdgeschoss bis weit über die Untersuchungsräume und sogar Teile der Leichtathletikbahn, um als witterungsgeschützte „Boxengasse“ für sensible Bewegungsmessungen im Freien zu dienen.
18,70 Meter misst die Auskragung, die sich aus 40 Hohlkastenelementen mit jeweils 28 x 3,75 x 1,60 Metern zusammensetzt. Die vorgefertigten Holzelemente folgen einer ausgeklügelten Konstruktion, die nicht nur alle Installationen inklusive Entwässerung, sondern auch die notwendigen Querträger so integriert, dass eine ebene Holzuntersicht gewahrt bleibt. Das Vordach wird damit zum charakteristischen Merkmal – und ist gleichzeitig eine subtile Verneigung vor der Pionierleistung rund um die Zeltdachkonstruktionen des benachbarten Ensembles.
Vorgefertigter Holzbau mit ökologischem und ökonomischem Mehrwert
Mit 5.200 m³ verbautem Holz zählt das Gebäude zu den größten Holzbauprojekten Europas. Die Konstruktion wurde weitgehend im Werk vorgefertigt und in verkürzter Bauzeit vor Ort montiert. Damit konnte eine wirtschaftliche und gleichzeitig ökologische Lösung realisiert werden. Pro Kubikmeter Holz werden 1 Tonne CO2 gebunden, sodass trotz Stahlbetonanteilen die Materialwahl Holz in so großem Maßstab erheblich zur Nachhaltigkeit beiträgt. Ergänzt wird das Konzept durch eine energieeffiziente Gebäudehülle und -technik, die jährlich 230 Tonnen CO2 einsparen.
Im Projekt verbinden sich die von ihren Vorarlberger Wurzeln geprägte Architektur von Dietrich Untertrifaller, die tragwerkplanerische Expertise der Ingenieure von merz kley partner, die handwerkliche Vorfertigungskompetenz des Unternehmens Rubner Holzbau sowie die landschaftsplanerische Leistung von Balliana Schubert unter vielen weiteren partnerschaftlichen Planungsbeteiligten.
„Wir sind stolz, mit dem nun baulich vollendeten TUM Campus im Olympiapark in so einem außergewöhnlichen Gebäude und dieser bedeutenden Umgebung lehren, lernen, forschen, Sport treiben und arbeiten zu dürfen. Die Studierenden und Nutzer:innen haben den neuen Campus seit über drei Jahren mit großer Begeisterung angenommen, das merken wir jeden Tag.“ – Dr. Till Lorenzen, Geschäftsführer der TUM School of Medicine and Health, München




Bautafel:
Projektname: TUM Campus im Olympiapark
Standort: Am Olympiacampus 11, 80809 München
Bauherr: Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt München 2
Nutzerinnen: TUM School of Medicine and Health der Technischen Universität München, Zentraler Hochschulsport
Architektur: ARGE Dietrich Untertrifaller, Bregenz, mit Balliana Schubert Landschaftsarchitekten, Zürich
Tragwerksplanung: merz kley partner, Dornbirn
Holzbau und Vorfertigung: Rubner Holzbau, Ober-Grafendorf
Haustechnik: Vasko+Partner, Wien
Elektroplanung: bbs-project, Tiefenbach
Thermische Simulation: IB Hausladen, Kirchheim
Akustikplanung: Obermeyer, München, ATP sustain, München
Bruttogrundfläche: 42.200 Quadratmeter
Sport- und Freiflächen: 20 Hektar
Wettbewerb: 2015, 1. Preis
1. Bauabschnitt: Abbrucharbeiten
2. Bauabschnitt: 2017 bis 2022
3. Bauabschnitt: 2022 bis 2025
Quelle: Dietrich Untertrifaller Architekten GmbH