Rotterdam (abki) – Die Stadt Rotterdam hat dem Projekt Schieblocks die Baugenehmigung erteilt. Mit rund 47.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche handelt es sich um das derzeit größte privat finanzierte Neubürogebäude im Bau in den Niederlanden. Neben Büroflächen sind vielfältige gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss sowie ein Restaurant und Veranstaltungsbereiche in den oberen Ebenen vorgesehen.
Entworfen von MVRDV für den Entwickler LSI, der das Gebäude unter dem Namen The Bluezone Offices vermarktet, entsteht entlang der Bahntrasse auf einem schmalen Grundstück ein dreidimensionales Büroquartier. Das Gebäude ist 61 Meter hoch und fast 150 Meter lang. Um die Größe in eine menschliche Maßstäblichkeit zu übersetzen, ist das Volumen in eine Abfolge farbiger Einzelblöcke gegliedert, die mit zahlreichen – teils subtilen, teils sehr direkten – Bezügen zur Stadt Rotterdam arbeiten.


Das Projekt befindet sich im Schiekadeblok, einem Stadtblock aus kleineren Bürogebäuden, der als charakteristisches Beispiel der Rotterdamer Nachkriegs-„Wiederaufbauperiode“ gilt. Nachdem der Block in den 1990er-Jahren von größeren Bürogebäuden umgeben wurde, entwickelte er sich zu einem kulturellen Hotspot mit kreativen Unternehmen, Bars und Clubs. Aktuell verfolgt die Stadt Rotterdam Pläne zur Verdichtung des Quartiers, wobei dessen besondere Identität erhalten bleiben soll. Vor diesem Hintergrund war es ein zentrales Entwurfsziel, dass die Schieblocks den Maßstab, den Charakter und die Geschichte ihrer Nachbarschaft respektieren.
Die Gebäudemassierung nimmt Bezug auf die Fassadenstruktur des Schiekadebloks entlang der Delftsestraat. Horizontal ist das Gebäude in vier Abschnitte gegliedert, jeweils mit klar definiertem Sockel und ein bis zwei darüberliegenden Baukörpern. Insgesamt entstehen so elf neue „Schieblocks“. Die Komposition erinnert an die benachbarten Wiederaufbaublöcke, jedoch vertikal gestapelt, und formuliert damit den Anspruch einer „zweiten Wiederaufbauphase“ als nächsten Schritt der städtischen Verdichtung. Um die Lebensqualität im Umfeld zu sichern, sind einige der oberen Volumen entsprechend dem Sonnenstand eingeschnitten, sodass keine Verschattung der Wohnbebauung auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise entsteht.
Gestalterisch orientiert sich jeder Block an einem eigenen Fassadenraster und einer spezifischen Farbgebung, inspiriert von historischen Gebäuden Rotterdams. So greifen einzelne Volumen etwa die vorspringenden Erker des von Huig Maaskant entworfenen Citrusveiling-Gebäudes auf oder zitieren mit leuchtendem Gelb die benachbarte, inzwischen teilweise rückgebaute Luchtsingel-Brücke. Ein weiterer Block kombiniert den Sandsteinton des Rotterdamer Rathauses mit Fenstern, die die Ziffern „010“ – die Telefonvorwahl der Stadt – formen. Die oktogonale Fensterform verweist dabei auf die Fassade des Gebäudes Hofplein 19, nur rund 100 Meter entfernt.
Während die Fassadengestaltung stark historisch referenziert ist, verfolgt die Materialwahl einen innovativen Ansatz. Zwei der elf Blöcke bestehen aus Ziegeln aus Recyclingmaterial, wodurch der gebundene CO₂-Ausstoß der Konstruktion reduziert wird. Drei weitere Fassaden sind mit gebäudeintegrierten Photovoltaik-Modulen (BIPV) ausgestattet, die die großflächige Südfassade zur Stromerzeugung nutzen und die betrieblichen Emissionen senken.
Die transparent gestalteten Sockelzonen sind öffentlich zugänglich und sollen das Quartiersleben aktivieren. Vorgesehen sind unter anderem ein Concept Store, eine Bäckerei sowie ein Fahrrad-Café am Eingang zur Fahrradgarage. Zudem befindet sich hier die Zufahrt zur dreigeschossigen Tiefgarage mit 230 Stellplätzen. Am westlichen Ende des Sockels liegt eine Besonderheit des Projekts: Aufgrund spezieller Eigentumsverhältnisse ragt eine Autorampe des benachbarten, denkmalgeschützten Central-Post-Gebäudes in das Grundstück hinein. Da diese nicht entfernt werden darf, wurde sie verglast und zum Mittelpunkt einer Bar umgestaltet. Die sogenannte Wokkelbar („Spiral Bar“) wird damit zu einer neuen Adresse im Nachtleben des Schiekadebloks.


Auch die oberen Geschosse sind öffentlich zugänglich. Dort entstehen ein Restaurant sowie ein zweigeschossiger sozialer und kultureller Veranstaltungsraum mit tribünenartiger Bühne und Blick über die Stadt. Den Abschluss bildet eine öffentlich zugängliche, von Juurlink & Geluk entworfene grüne Dachlandschaft, die sich über das gesamte Gebäude erstreckt. Die begrünten Dächer dienen der Wasserrückhaltung; über Wendeltreppen sind die verschiedenen Ebenen miteinander verbunden und bilden eine durchgehende Promenade. Eine Pergola mit integrierten Solarmodulen erzeugt ein Wechselspiel aus Sonne und Schatten und liefert zusätzliche Energie.
„Ein Gebäude in diesen schmalen Raum neben der Bahn zu integrieren, war eine große Herausforderung – insbesondere in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Nationaldenkmal wie der Wokkelbar“, sagt Winy Maas, Gründungspartner von MVRDV. „Die Schieblocks werden jedoch eine farbenfrohe Ergänzung der Stadt sein. So erleben Reisende Rotterdam bei der Ankunft mit dem Zug: vielfältig, hell und mutig. In dieser Kühnheit liegt ein Aufruf an die Zukunft der Stadt – vom Wederopbouw, dem Wiederaufbau, hin zum Tweederopbouw, dem zweiten Wiederaufbau.“
Quelle: MVRDV · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt