11. Januar 2026

Querkopf Architekten erhalten Heinze Award 2025: Wäscherei Quartier Kassel auf Klimafestival ausgezeichnet

Hamburg (pm) – Das Wäschereiquartier Kassel von Querkopf Architekten erhält den Heinze Award 2025 in der Kategorie „Quartier und Mischnutzung“. Die Auszeichnung wurde im November beim Heinze Klimafestival in Berlin verliehen. Der diesjährige Preis zeichnete erneut zukunftsweisende Architektur mit besonders nachhaltigen Lösungen im Sinne der Bauwende aus. Aus insgesamt 269 Einreichungen entschied sich die Jury für das Projekt der Hamburger Architekten und würdigte insbesondere den sensiblen und respektvollen Umgang mit der historischen Bausubstanz sowie die gelungene Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Das „Wäschereiquartier“ wird als beispielhaftes Projekt für eine gelungene urbane Transformation gesehen. Es zeigt, wie durch behutsame Revitalisierung, sensible Verdichtung und hohe gestalterische Qualität ein zukunftsfähiges und identitätsstiftendes Stück Stadt entstehen kann.

Der Stadtteil Vorderer Westen in Kassel ist durch seine Jugendstilhäuser und historische Villen geprägt. Die um 1900 errichteten ehemaligen Fabrikgebäude der Wäscherei Welscher befinden sich in einem Hinterhof einer Blockrandbebauung, nur einen Steinwurf vom Bebelplatz entfernt.

Querkopf Architekten setzten sich für Erhalt, Umnutzung und Erweiterung des Kulturdenkmals ein. Als Projektentwickler und Architekt mit persönlichem Bezug zu Kassel war es Gründer Fionn Mögel wichtig, innerstädtischen Wohnraum zu schaffen und das brachliegende Gelände zu beleben. Er erwarb die stark sanierungsbedürftige, unter Denkmal- und Ensembleschutz stehende Fabrik. Die drei Gebäude waren seit ihrer Errichtung durch eingeschossige Anbauten und Werkstattschuppen stetig funktional erweitert und miteinander verbunden worden, um dem wachsenden Flächenbedarf der Wäscherei zu genügen. Durch den Rückbau dieser heterogenen Zweckbauten führten Querkopf Architekten die Anlage auf ihre klare Grundfigur zurück – und schufen einen rund 1400 m² großen, grünen Innenbereich mit neuer Erschließung von der Dörnbergstrasse.

Herzstück des Quartiers ist der „Riegel“, das ehemalige zweieinhalbgeschossige Hauptgebäude aus Backstein. Rund 40% der Ziegelfassaden wurden rekonstruiert, d.h. 15.000 neue Steine wurden gerumpelt, durchmischt und eingepasst. Lisenen und Gesimsbänder gliedern die Fassade; Stahl-Sprossenfenster in Stich- und Rundbögen mit vertieften Laibungen prägen das Bild. Seitenflügel und Mitteltrakt wurden um eineinhalb Geschosse erhöht und durch präzise Anbauten ergänzt. Der Bestand mit seiner Ziegelfassade bewahrt den industriellen Ursprung; die Aufstockung scheint aus ihm herauszuwachsen. Sie übernimmt seine Figur, sitzt als jüngere Schicht obenauf und bleibt als zeitgenössischer Eingriff klar erkennbar: Cortenstahl antwortet dem Backstein mit verwandten Tonwerten, ohne ihn zu imitieren. Zwei Körper als typologische Zeitgeschwister – ähnliche Kubatur, industrieller Charakter, Patina. So entsteht keine Verdopplung, sondern eine additive, ablesbare und ehrliche Fortschreibung des Volumens. „Wir wollten eine Skulptur schaffen, die den industriellen Geist des Ortes ins Heute transformiert“, sagen die beiden Brüder Fionn und Simon Mögel.

Die Atmosphäre der kompakten Apartments als auch der großzügigen Lofts werden im Hauptgebäude durch Raumhöhen von bis zu fünf Metern, hohen vertikalen Lichtfugen mit viel Tageslicht und Eichenparkett bestimmt. Während sich die Erdgeschosswohnungen zu privaten Gärten öffnen, bieten die oberen Etagen Balkone und Dachterrassen, teils mit Blick auf den historischen Schornstein, der als identitätsstiftendes Relikt bestehen bleibt.

An die nordwestliche Stirnseite des Riegels schließt die ehemalige Produktionshalle an. Sie fügt sich als Passstück zwischen Hauptgebäude und den 45-Grad-Winkel zur Nachbarbebauung. Die eineinhalbgeschossige Halle hebt sich mit weißer Besenstrichfassade und weißen Faschen deutlich von der Backsteinfassade des Hauptbaus ab. Charakteristisch sind auch hier die hohen Werkstattfenster. Auf der südöstlichen – dem Hauptgebäude zugewandten – Dachseite sorgen große Dachflächenfenster im flach geneigten Satteldach für reichlich Tageslicht im Inneren. Die Wände und das Dach wurden energetisch optimiert und der alte sichtbare Dachstuhl aus Holz wurde aufgearbeitet. Eine giebelförmige Stahl-Pergola spannt sich auf der kleinen Freifläche vor dem Baukörper und zitiert die Satteldachfigur der ehemaligen Werkstatt. Sie ist ein Fragment aus der Vergangenheit und wurde ebenfalls instandgesetzt.
Nördlich, parallel zum Hauptgebäude, steht das eingeschossige Punkthaus: ein Backsteinbau mit Satteldach, der die charakteristische Fensterteilung der Nachbarn aufnimmt. Früher diente das Gebäude als Lagerfläche für die Wäscherei, später war es der erste Studio der bekannten Musikband Milky Chance. Heute kann man in den beiden Wohnungen noch den Charme der Vergangenheit spüren. Die freigelegte Dachkonstruktion mit über 120 Jahre alten Sparren und Balken trifft auf anthrazitfarbene Industrietüren aus Stahl mit Glaseinsätzen und weiß gekalkte Wände. Der moderne Innenausbau der Bäder schafft einen Kontrast zwischen Alt und Neu.

Ein sechsgeschossiger Neubau an der Dörnbergstraße komplettiert als städtebauliches Entrée die Blockrandbebauung und schließt sie erstmalig. Das Wohnhaus ist mit einer vorgehängten, hinterlüfteten Cortenstahlhaut bekleidet, die sich über Fassade und Dach erstreckt. Präzise und homogen erscheint der Körper wie eine Skulptur. Ein feines Raster aus vertikalen Paneelen und dunklen horizontalen Stahlprofilen ordnet die Front. Raumhohe, hochformatige Fenster mit dunkel gefassten Laibungen wechseln mit Cortenfeldern; Balkone akzentuieren den Rhythmus. Im Dach sitzen Dachgauben, bündig in die Fläche eingeschnitten, mit raumhohen Öffnungen und Glasbrüstungen. Ein zurückhaltender Sockel in Anthrazit nimmt Eingang, Durchfahrt und Zufahrt zur Tiefgarage auf und hebt sich dezent vom rostigen Stahl ab. An dieser neu geschaffenen Adresse befinden sich 15 Wohnungen und auch die Tiefgarage mit 16 Stellplätzen und Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.

Besondere Aspekte der Nachhaltigkeit

Querkopf Architekten entwickelten das 3.300 m² große Grundstück mit drei denkmalgeschützten Bestandsgebäuden, befreiten es von Altlasten sowie einfachen, nicht nutzbaren Anbauten und brachen 1100 m² versiegelte Fläche auf – so entstand wertvoller Grünraum. Die ursprüngliche BGF wurde durch Erweiterungen und den Neubau von 2.200 auf 6.000 m² erhöht, ohne mehr Grundfläche zu überbauen. Die kompakte Baukörperform ist energetisch günstig; Fernwärme wird genutzt und der KfW-55-Standard erreicht. Begrünte Dächer verbessern den sommerlichen Wärmeschutz und dämmen zusätzlich im Winter. Biodiversität und Regenwassermanagement setzen sich am Boden fort: private Gärten, Obstbäume, Wildblumen und gemeinschaftliche Grünflächen fördern Artenvielfalt und Versickerung. Separate Abstellräume für Fahrräder und Kinderwagen, E-Mobilität, barrierefreie Erschließung und übersichtlich gegliederte Freiräume stärken das Miteinander im Quartier.

Produkthersteller:
Schüco, Herzbach, TECE, Kitchencrew, Ariostea, Jung, Rockwool, Pavatex, Nordlux Leuchten, Saint Gobain Weber, Gerhardt Braun Kellersysteme, Xella – Silka KS, Kaldewei, Villeroy & Boch, Schüco, Würth, Bauder, Rigips

Projektdaten

Architektur Querkopf Architekten
Entwurf Simon Mögel, Fionn Mögel
Projektleitung Fionn Mögel
Team Frank Zander, Marcel Beyer, Aurélien Houille

Leistungsumfang Projektentwicklung, LP 0-9
Zeitraum Planung 2018 – 2025
Zeitraum Realisierung 2021- 2025
BGF (vorher) 2.200m²
BGF (nacher) 6.000m²
Grundstücksgröße 3.300m²
Versiegelte Fläche (vorher) 3.000m²
Versiegelte Fläche (nachher) 1.900m²
Grünfläche 1.400m²
Wohnungen, Riegel 12
Wohnungen, Produktionshalle 1
Wohnungen, Punkthaus 2
Wohnungen, Neubau 15
Bauherrschaft Querkopf Invest GmbH / Fionn Mögel
Tragwerksplaner Reitz und Pristl Ingenieur GmbH
Landschaftsplaner Querkopf Architekten
Hochbau / Ausbau / Gala Fuchsbau Generalbau GmbH
Fassadenbau Metalbau Burckhardt GmbH

Quelle: Querkopf Architekten