Potsdam (pm) – Die große Praxisnähe und Innovationskraft der Modellvorhaben des Forschungsquartiers in Bad Aibling beeindruckte die 130 Teilnehmenden bei den Baukulturtagen. Der Fokus lag auf dem Umbau des Bestands. In Impulsvorträgen und moderierten Gesprächen mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten wurden die notwendigen baulichen, technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen diskutiert und vorgestellt. Dabei ging es auch um die Frage, wie sich Komplexität und Kosten reduzieren lassen, ohne gestalterische, funktionale und ökologische Qualitäten zu verlieren. Dazu wurden unter anderem Planung, Genehmigung und Umsetzung betrachtet und die größten Hebel für mehr Effizienz identifiziert.
Staatsminister Christian Bernreiter, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, München und Andreas Böhm, Vorsitzender des Aufsichtsrats von B&O Service, Vorsitzender des Beirates, B&O Bau, Bad Aibling begrüßten die Teilnehmenden. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, übernahm die Gesprächsleitung von Symposium und Fachgespräch.
Staatsminister Christian Bernreiter, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, München, in seinem Grußwort: „Es passt sehr gut, dass heuer das Thema „Umbauen“ im Mittelpunkt der Baukulturtage steht. Als Staatsregierung setzen wir uns massiv dafür ein, dass Umbauen einfacher wird. Mit dem Bayerischen Bauturbo-Gesetz erleichtern wir insbesondere Brandschutz und Schallschutz und stellen klar, dass der Wohnungsbau im überragenden öffentlichen Interesse liegt. Die Erleichterungen für den Umbau werden unmittelbar im Gesetz geregelt, sodass es dafür keine Entscheidungen über Abweichungen mehr braucht. Generell ist der geförderte Wohnungsbau in Bayern eine Top-Priorität! Im Doppelhaushalt 2026/2027 stehen dafür insgesamt 3,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Klar ist aber auch, dass der Staat den Wohnraumbedarf nicht allein decken kann. Der freifinanzierte Wohnungsbau muss weiter Fahrt aufnehmen! Deshalb setzen wir uns in Berlin massiv für Steuerentlastungen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und einfachere Förderprogramme ein.“
Einblicke in Forschung und Verwaltung
Den Gebäudebestand sanieren, CO2-Emissionen verringern, ohne dabei die Kosten für die Warmmiete zu steigern – darum ging es in den Vorträgen von Prof. Florian Nagler, Lehrstuhlleitung Entwerfen und Konstruieren, TU München und Prof. Thomas Auer, Lehrstuhlleitung Gebäudetechnik und klimagerechtes Bauen, TU München. Beide stellten die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Einfach Umbauen“ vor, in dessen Rahmen Vorgehensweisen für das robuste und kostenneutrale Sanieren von typischen Bestandswohngebäuden der Baujahre 1950–1984 entwickelt wurden.
Frank Ruckdäschel, Baudirektor, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen Bau und Verkehr, ging auf die Besonderheiten der Typengenehmigung im Wohnungsbau ein, wie sie in der Bayerischen Bauordnung verankert ist.
Wegweisende Beispiele aus der Praxis
Die Transformation des Klett-Areals in Stuttgart hin zu einem belebten, grünen Unternehmensgelände erläuterte Prof. Piero Bruno, Bruno Fioretti Marquez/ Universität Stuttgart, Leiter des Instituts Wohnen und Entwerfen, gemeinsam mit Andreas Hofer, Intendant und Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Ebenfalls Einblicke aus der Praxis lieferten Gudrun Sack, Holzbau und nachhaltige Stadtentwicklung, Berlin, und Prof. Matthias Haber, Gesellschafter Hild und K, München, zu der städtebaulichen Transformation von Berlin-Tegel-TLX.
Vor dem Rundgang im B&O Bau Forschungsquartier erläuterte Prof. Florian Nagler und Dr. Ernst Böhm, Gründer, B&O Gruppe, Bad Aibling die Entwicklung und Bauweise des sogenannten Schindelhauses. Hier sind die Erfahrungen der bisherigen Forschungshäuser eingeflossen und um das Prinzip der Wiederverwendung von Baustoffen weiterentwickelt.
Andreas Böhm sagt: „Wir müssen unsere Städte und Gebäude weiterdenken und den Mut haben, uns an den Bestand zu trauen. Historisch durfte Architektur immer leben und wachsen: Frühere Generationen haben Gebäude ganz selbstverständlich erweitert und an veränderte Bedürfnisse angepasst. Statt Funktionen strikt zu trennen, sollten wir Veränderung auf dem Grundstück ebenso wie im gesamten Quartier wieder zulassen. Denn Umbau bedeutet auch: Anpassung an heute und morgen – Weiterentwicklung.“
Reiner Nagel zieht ein positives Fazit und sagt: „Weniger kann oft zu mehr führen: zu mehr Raum- und Lebensqualität bei gleichzeitig geringerem Material- und damit auch Kosteneinsatz. Genau darin liegt eine große Chance des Umbaus und der Weiterentwicklung des Bestands. Die Diskussionen und Impulse während der Baukulturtage in Bad Aibling haben erneut gezeigt, wie viel Potenzial im einfachen Bauen und Umbauen steckt, gerade wenn es mit hochwertiger Gestaltung verbunden ist.“
Bad Aiblinger Baukulturtage
Gemeinsam mit B&O Bau und B&O Service richtet die Bundesstiftung Baukultur seit 2021 jährlich die Bad Aiblinger Baukulturtage aus. Das Konversionsgelände und der Firmensitz der B&O Gruppe gelten als baukulturelle Adresse ersten Ranges: Im bundesweit einmaligen B&O Bau ForschungsQuartier befinden sich die Forschungshäuser, die im Zuge des Projekts Einfach Bauen der TU München errichtet wurden, sowie weitere Modellvorhaben zur Zukunft des Bauens. Die Baukulturtage widmen sich anhand von jährlich wechselnden Schwerpunkten der Frage, wie ein klimagerechtes, zukunftsweisendes und qualitätvolles Bauen und Umbauen gelingen kann.
Quelle: Bundesstiftung Baukultur