20. Oktober 2026

Neratovice bekommt die weltweit erste Kirche, die mittels 3D-Druck errichtet wird

3D-Betondruck: Erste Kirche weltweit entsteht in Neratovice
© Fránek Architects

Neratovice (pm) – Der Bau der neuen Dreifaltigkeitskirche und des Kardinal-Josef-Beran-Gemeinschaftszentrums beschreitet neue Wege im modernen Bauwesen. In Neratovice entsteht die weltweit erste Kirche, bei deren Errichtung die innovative Technologie des 3D-Betondrucks in einem bislang nicht dagewesenen Umfang eingesetzt wird. Neben dem Turm und dem Pfarrhaus wird auch das Hauptschiff der Kirche gedruckt. Insgesamt entstehen Hunderte einzigartige 3D-gedruckte Bauteile. Generalunternehmer ist die internationale Baugruppe HSF System aus der Investmentholding PURPOSIA Group. Bauherr des Projekts ist die Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice. Der architektonische Entwurf stammt von Zdeněk Fránek. Im Mai 2026 besuchten der Präsident der Tschechischen Republik Petr Pavel und der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl die Kirchenbaustelle.

Derzeit ist das erste Untergeschoß der Kirche einschließlich der Fundamente und eines Teils der Turmkonstruktion fertiggestellt. Auch die Decke über diesem Geschoß sowie die Fundamentkonstruktion des künftigen Pfarrhauses sind bereits abgeschlossen. Im unterirdischen Bereich entsteht der große Gemeinschaftssaal mit eigenem Eingang und Nebenräumen. „Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, dass die Kirche in Neratovice das weltweit erste Bauwerk ihrer Art sein wird, das mithilfe der innovativen Technologie des 3D-Betondrucks errichtet wird. Der unterirdische Teil hat bereits seine Form angenommen, und nun können wir mit dem Bau jener Teile beginnen, die das Erscheinungsbild des gesamten Ortes von außen prägen werden. Jetzt beginnt die Phase, in der die Kirche vor unseren Augen rasch in die Höhe wachsen wird. Darauf freuen wir uns sehr“, sagt Peter Kováč, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice und Pfarradministrator der Pfarre Neratovice.

Vom Untergeschoß nach oben: Nun beginnt der Bau des Hauptschiffs

Über dem Gelände wird nun das Hauptschiff der Kirche entstehen. Sowohl seine äußere als auch seine innere Schale werden im 3D-Druck gefertigt. „Für uns ist entscheidend, dass sich mit der 3D-Drucktechnologie der architektonische Entwurf in ein reales Bauwerk übertragen lässt, ohne dass wir seine organischen Formen vereinfachen müssen. Bei einer konventionellen Bauweise wären für derart gekrümmte Wände große Mengen an individuell angefertigter Schalung erforderlich, einschließlich Herstellung, Montage und späterer Demontage. Hier können wir die Geometrie direkt im digitalen Modell vorbereiten und auf dieser Grundlage die einzelnen Bauteile fertigen“, sagt Tomáš Kosa, CEO der Baugruppe HSF System.

Die Konstruktion des Hauptschiffs wird aus präzise gefertigten Bauteilen bestehen, die als exakt geformte Elemente und verlorene Schalung dienen. Anschließend werden sie mit Bewehrung verbunden und durch Stahlbetonrippen und Ringanker ergänzt. Zwischen den einzelnen Schalen bleibt Platz für die Wärmedämmung. Die Innenseite der gedruckten Bauteile erzeugt die charakteristische Struktur der Wände und unterstützt zugleich die Raumakustik. „Jedes der rund 870 Elemente erhält seinen exakt festgelegten Platz in der Konstruktion. Es handelt sich also nicht um serienmäßig hergestellte identische Blöcke, sondern um eine Vielzahl individueller Komponenten, die jeweils für eine konkrete Position im Gebäude gefertigt werden. Ihre Genauigkeit ist besonders wichtig, wenn die gekrümmten Wände Schritt für Schritt zusammengefügt und in den höheren Ebenen des Bauwerks miteinander verbunden werden“, ergänzt Martin Janoušek, Bauleiter der Baugruppe HSF System.

Auf der Baustelle kommt die Technologie in drei unterschiedlichen Verfahren zum Einsatz

Bei der Umsetzung der Technologie arbeitet HSF System mit seiner Tochtergesellschaft Coral Construction Technologies zusammen. Das Unternehmen bietet eine eigene Lösung für den 3D-Betondruck. Durch die gezielte Anpassung der Materialeigenschaften mithilfe von Zusatzmitteln kann der Beton so verarbeitet werden, dass er sowohl den Anforderungen des Druckverfahrens als auch jenen der jeweiligen Konstruktion entspricht. Beim Projekt in Neratovice wird der 3D-Betondruck in mehreren technologisch unterschiedlichen Verfahren eingesetzt.

„Für das Hauptschiff fertigen wir einzelne präzise Bauteile, die anschließend in die Konstruktion eingesetzt werden. Beim Turm werden die gedruckten Blöcke nach dem Versetzen vollständig mit Beton ausgegossen. Dieser Unterschied hängt mit der künftigen Nutzung des Turms zusammen. Seine Außenseite wird als öffentlich zugängliche Kletterwand dienen. Deshalb muss die Konstruktion ausreichend massiv und tragfähig sein, damit die Kletterelemente sicher verankert werden können. Ein drittes Verfahren kommt beim Pfarrhaus zum Einsatz. Es wird direkt auf der Baustelle mithilfe unseres Bauroboters entstehen, der die Konstruktion in Echtzeit druckt“, erklärt Tomáš Vránek, CEO von Coral Construction Technologies.

Der Einsatz des 3D-Drucks steht in engem Zusammenhang mit dem architektonischen Entwurf der Kirche. Zdeněk Fránek hat das Gebäude als markante organische Struktur mit gewölbten Ovalen, fließenden Übergängen und gekrümmten Linien entworfen. Noch vor Baubeginn wurde daher direkt auf der Baustelle ein 1:1-Versuchselement dieser konstruktiv anspruchsvollen gekrümmten Wände hergestellt. Damit wurden die Umsetzbarkeit des geplanten Konstruktionssystems und seine Stabilität überprüft. Das Versuchselement bleibt auch nach Fertigstellung des Bauwerks vor Ort und erinnert an die bei der Errichtung eingesetzte Technologie.

Ein Ort für Gottesdienste, Kultur und Gemeinschaft

Das neue Zentrum erweitert die Möglichkeiten der örtlichen Pfarre, die in dreizehn Gemeinden tätig ist. Das Konzept sieht vor, dass das Areal kein abgeschlossener Raum sein wird, der ausschließlich Gottesdiensten dient. Geplant sind Klubräume, Unterrichtsräume, eine Galerie, Ausstellungsflächen, ein Café und ein Mehrzwecksaal. Der Turm wird eine Kletterwand bieten.

Vorgesehen sind kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen, Vorträge, Bildungsprogramme, Konzerte, Hochzeiten, Taufen und Freizeitaktivitäten für die breite Öffentlichkeit. „Wir möchten einen Ort schaffen, der jeden Tag lebt. Die Kirche wird sein natürliches Zentrum sein, daneben entstehen aber zahlreiche Räume, die von Menschen aus der Stadt und der Umgebung genutzt werden können. Gerade die Verbindung von spiritueller, kultureller, gesellschaftlicher und gemeinschaftlicher Funktion ist für uns einer der größten Werte des gesamten Projekts“, sagt Peter Kováč.

Erste Etappe soll 2027 abgeschlossen sein, das gesamte Areal ein Jahr später

Das Bauprojekt, das im Mai 2026 auch der Präsident der Tschechischen Republik Petr Pavel gemeinsam mit dem Prager Erzbischof Stanislav Přibyl besuchte, ist in zwei Hauptetappen gegliedert. Die erste umfasst den Rohbau des Hauptteils der Kirche und soll nach dem derzeitigen Zeitplan Mitte 2027 abgeschlossen werden. In der zweiten Etappe werden der Turm und das Pfarrhaus fertiggestellt. Anschließend folgen die Innen- und Außenarbeiten im gesamten Areal. Die vollständige Eröffnung der neuen Kirche und des Gemeinschaftszentrums ist für Ende 2028 geplant.

Das Gesamtbudget des Projekts beträgt rund 250 Millionen CZK exkl. USt. Bauherr ist die Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice, die von der Erzdiözese Prag gegründet wurde. „Unsere Finanzierung stützt sich auf mehrere Quellen. Neben Mitteln aus dem Verkauf und der Wertsteigerung kirchlicher Grundstücke wird das Projekt von privaten Spenderinnen und Spendern, Mäzenen und weiteren Unterstützern getragen. Derzeit sind rund 115 Millionen CZK gesichert. Auch die Öffentlichkeit kann sich an der Finanzierung beteiligen. Die Spendensammlung läuft weiter, Beiträge sind über kostelneratovice.cz möglich. Wir überlegen außerdem, die Finanzierung eines konkreten Bauteils als Spendenmöglichkeit anzubieten“, ergänzt Marek Matocha, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice.

Quelle: Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice, Baugruppe HSF System, PURPOSIA Group