13. Juli 2024

25 Years of GRAFT: Taste Is the Lack of Appetite. Hybrid Approaches to Architecture

A LASKA, Holzhybridbau für Büronutzung, Berlin, DE; GRAFT. © GRAFT GmbH

Berlin (pm) – Taste Is the Lack of Appetite ist eine Ausstellung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von GRAFT und feiert die Neugier nach dem Besonderen, Eigenartigen und Unerwarteten. Bekannt ist das international tätige Architekturbüro nicht nur für individuelle Formen und Gestaltung, sondern auch durch sein soziales Engagement. Für das Team ist die Entwurfspraxis bestimmt von Experimentierfreude und Optimismus – und erreicht so hybride Lösungen für vielfältige Herausforderungen. In der Ausstellung wird anhand großformatiger Modelle eine Auswahl an Wohngebäuden, Mixed-Use- und Kulturbauten gezeigt, die jeweils eine exemplarische Entwurfsstrategie des Büros herausstellen. Passend zur facettenreichen Arbeit des Büros beleuchtet die Schau auch das Thema Architecture Activism und stellt einen Prototypen des gemeinschaftsfördernden Projekts Solarkiosk vor.

Seit der Gründung im Jahr 1998 in Los Angeles ist GRAFT immer bewusster geworden, dass die gebaute Umwelt einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität und zum Glück der Menschen beitragen kann und muss. Bis heute fühlen sich die Partner von GRAFT, Sven Fuchs, Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Georg Schmidthals und Thomas Willemeit, angesichts anhaltender Krisen in der Welt zum aktiven Handeln aufgefordert.

Die Beteiligung an der „Make It Right“-Stiftung, die den Wiederaufbau von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina begleitete, machte 2006 den Anfang. GRAFT setzte sein Engagement mit der Arbeit für Stiftungen und die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und schließlich der Gründung der Firma Solarkiosk zusammen mit Andreas Spieß 2010 fort. Über 200 Solarkioske verbessern heute in elf Ländern in Afrika und Asien die Versorgungsgerechtigkeit in den Sektoren Energie und Gesundheit. Dass Lösungen sowohl im urbanen als auch ruralen Umfeld nur durch Zusammenarbeit entstehen können, zeigte ebenso der von GRAFT gemeinsam mit Marianne Birthler kuratierte Ausstellungsbeitrag des Deutschen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig im Jahr 2018: Unbuilding Walls widmete sich der gebauten und sozialen Überwindung des Trennenden auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen zwischen Ost und West.

„Taste is the lack of appetite“, sagte Dave Hickey, Kunstkritiker und Freund des Büros, einmal und brachte damit zum Ausdruck, dass insbesondere in der kreativen Arbeit das Beharren auf Geschmacksprinzipien („Taste“) einer aus Neugier geborenen Lösungssuche („Appetite“) unterlegen ist. Dieser Satz ist zum Leitfaden der Arbeit von GRAFT geworden, denn das Team möchte insbesondere in Krisenzeiten Herausforderungen mit Neugier und Leidenschaft, einem offenen Geist und ohne den vorgefassten Kanon einer bestimmten Architektursprache begegnen. Auch unter erschwerten Bedingungen geht es GRAFT darum, die Freiräume des Experimentellen und des Gestalterischen auszuloten und unbeirrt Fragen zu stellen: nach der Qualität und Schönheit von Architektur, nach dem Wert der intelligenten Lösung, der Heterogenität und der Bedeutung von Innovation.

Die Ausstellung

Taste Is the Lack of Appetite zeigt realisierte und im Bau befindliche GRAFT-Projekte sowie einen wichtigen unrealisierten Entwurf, mit dem das Büro beim internationalen Wettbewerb für das Jüdische Museum in Moskau den ersten Preis errang. Alle Projekte zeigen einen im gegebenen Kontext oder für die Bauaufgabe unerwarteten, radikalen Aspekt, der Treiber eines Narrativs der jeweiligen Bauaufgabe wurde.

Der erste Ausstellungsraum widmet sich dem Solarkiosk, der als zeitgemäß gestaltete Intervention in abgelegenen Gegenden Afrikas mit sauberer Solarenergie und einem nachhaltigen, postkolonialen Geschäftsmodell für Energieversorgung, Konnektivität und Kommunikation sorgt. Im zweiten Ausstellungsraum werden sechs verschiedene Gebäude anhand großformatiger Modelle exemplarisch auf ihre Kernaussage reduziert dargestellt. Die Projekte – Neubauten und Umbauten im historischen Kontext – sind konkrete Ergebnisse abstrakter Entwurfsstrategien von Lofting, Tracing, Voxeling, Sectioning, Weaving und Carving.

Projekte:

  • A LASKA, Zwillings-Bürobauten am Ostkreuz Berlin, DE, in Realisierung
  • Umbau und Erweiterung der ältesten Jugendherberge Deutschlands, München, DE, 2023
  • BRICKS, Quartier des historischen Postamts Schöneberg, Berlin, DE, 2021
  • Charlie Living, Wohnquartier am Checkpoint Charlie, Berlin, DE, 2020
  • Wave, zwei Wohnbauten an der Spree, Berlin, DE, 2019
  • Jüdisches Museum, Umbau der von Konstantin Melnikov entworfenen Bakhmetevsky
  • Busgarage, Moskau, RU, 2007 (nicht realisiert)

Über GRAFT

GRAFT wurde 1998 von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit in Los Angeles gegründet, zu denen Sven Fuchs und Georg Schmidthals 2018 als Partner hinzustießen. GRAFT arbeitet heute vom Hauptstandort Berlin aus weltweit in den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung, Design und Kommunikation. Das „hybrid office“ mit weiteren Standorten in München, Shanghai und Seoul zeichnet sich durch seine experimentierfreudige Entwurfspraxis und innovative Formsprache aus. Neben der Bearbeitung von klassischen Planungsaufgaben von Wohnhäusern, Hotel-, Gesundheits-, Gewerbe- und Kulturbauten initiierten die GRAFT-Gründer auch sozial nachhaltige Projekte wie Make it Right, Solarkiosk und Heimat2.

Es erscheint ein Aedes Katalog.

Ausstellung: 28. Oktober – 5. Dezember 2023
Eröffnung: Freitag, 27. Oktober 2023, 18.30 Uhr
Ort: Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin
Öffnungszeiten: Mo 13–17 Uhr, Di–Fr 11–18.30 Uhr, Sonn- und Feiertage 13–17 Uhr, Sa 28. Oktober 2023, 13–17 Uhr


Weitere Informationen: www.aedes-arc.de

Quelle: Aedes Architekturforum