18. November 2019

Von Wissenschaft und Revolution

Der BTU-Absolvent Ricardo Remus entwickelt ein innovatives Verfahren zur Betonherstellung und gewinnt mit seinem neu gegründeten Unternehmen den Hauptpreis beim LEX-Wettbewerb.

Jungunternehmer Ricardo Remus revolutioniert mit seinem Ultraschall-Verfahren die Betonherstellung. Foto: BTU Cottbus - Senftenberg

Cottbus (pm) – Grau, fest und stabil. Beton – einer der meistgenutzten Baustoffe auf der Erde. Bei der Herstellung wird CO2 ausgestoßen. Doch es bahnt sich eine Revolution an. Ricardo Remus, Gewinner der Betonkanu Regatta, entdeckte während des fachhochschulischen Bauingenieurbachelors in Cottbus seine Leidenschaft für dieses Material.

Anschließend absolvierte er an der Fachhochschule Potsdam und an der Universität Weimar seinen Master in Bauforschung und Baustoffwissenschaften. Ein Thema lässt ihn seitdem nicht mehr los: der Einsatz von Ultraschall zur Betonherstellung. »Es ging mir um ein energiesparendes, zukunftsweisendes Verfahren zur beschleunigten Erhärtung von Beton. Während meiner Promotion an der Uni Weimar habe ich vielversprechende Ergebnisse erzielt. Das sichtliche Potenzial der Ultraschall-gestützten Betonherstellung weckte schließlich meinen Ehrgeiz ein Unternehmen zu gründen«, so Ricardo Remus.

In Cottbus fand er mit den entsprechenden Räumlichkeiten, Fördermitteln und einer Anbindung an die Hochschule sowie einem angenehmen privaten Umfeld die passenden Bedingungen vor. Mit der Unterstützung des Gründungszentrums Zukunft Lausitz gründete er das Unternehmen Sonocrete. »Sono steht für die Sonochemie, wobei es um den Einfluss von Ultraschall auf chemische Reaktionen geht. Concrete ist das englische Wort für Beton«, erläutert der gebürtige Thüringer.

Zusammen mit Dr. Christiane Rößler (Uni Weimar) und den BTU Alumni Paul Schötzigk (Bauingenieur) und Max Jentzsch (Maschinenbau) entwickelt seine Firma eine innovative Mischtechnologie für Betonwerke, die nicht nur finanzielle Vorteile verspricht, sondern auch das Klima schützt. Beides motiviert Ricardo Remus gleichermaßen die Prototypen zur Marktreife zu bringen. »Ein Wandel zur nachhaltigeren Industrie funktioniert, wenn man bereit ist seine Ideen in die Tat umzusetzen. Genau das machen wir. Wir revolutionieren die Herstellung von Beton.«

Bislang sei die Behandlung mit heißem Dampf oder in der Wärmekammer üblich, um ganze Beton-Fertigteile wie Wände, Decken oder Treppen aushärten zu lassen. Während beim herkömmlichen Verfahren Beton in einem Schritt durch Mischen von Zement, Sand, Kies und Wasser hergestellt wird, mischt das Team von Sonocrete vor dem eigentlichen Prozess nur die reaktiven Komponenten Zement und Wasser. Direkt in diese Mischung bringen sie die Ultraschall-Wellen ein und führen somit Energie genau dort zu, wo sie gebraucht wird. »Physikalische und chemische Effekte beschleunigen die Verfestigung des Betons. Damit ist noch vor dem Ausfüllen der Form mit flüssigem Beton die Grundlage geschaffen, dass die Masse schneller aushärten kann. Die bisher bekannte Betonherstellung ist mit hohen CO2-Emissionen und einem beträchtlichen Energieeinsatz verbunden. Mit unserer Technologie können wir den CO2-Ausstoß bei der Betonherstellung erheblich reduzieren. Konkret bedeutet das, dass der primäre Energie-Verbrauch um bis zu 75 Prozent sinkt. Außerdem können wir mit dem Ultraschall-Verfahren die Frühfestigkeit von Beton steigern«, berichtet der Bauingenieur und Jungunternehmer stolz.

Diese Idee überzeugte auch die Jury beim Lausitzer Existenzgründer-Wettbewerb LEX und so ging 2018 der 1. Preis an Sonocrete. Auch danach schrieb sich die Erfolgsgeschichte weiter fort: Mittlerweile bekunden Betonwerke aus ganz Europa Interesse an dem neuen Verfahren. Die Nachfragen kommen aus Irland, Frankreich, den Niederlanden und sogar Kanada. Es scheint als habe die Revolution der Betonherstellung begonnen. In Cottbus.

Der Studiengang Bauingenieurwesen wird an der BTU als Bachelor- und Masterprogramm angeboten. Darüber hinaus gibt es ein duales Studienangebot über sieben Semester. Einschreibungen sind noch bis zum 30. September.2019 möglich.

Pressemitteilung: Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg