21. Februar 2019

Stadtquartiersplanung – Prof. Markus Neppl

Prof. Markus Neppl, KIT
Prof. Markus Neppl, KIT

Karlsruhe (pm) – Die moderne Stadtgesellschaft benötigt Wohn- und Arbeitsraum, Gewerbegebiete, Einkaufs-, Freizeit- und Mobilitätsmöglichkeiten, die Stadt soll zudem Freiflächen bieten, klimagerecht und grün sein. Der Leiter des Fachgebiets Stadtquartiersplanung an der Fakultät für Architektur, Prof. Markus Neppl, plädiert für eine vielfältige Stadt und für Planwerke, die flexibel für Aktualisierungen sind.

„Die Geschichte zeigt, je bunter und vielfältiger eine Stadt ist, umso mehr entsteht Urbanität wie sie heute als lebenswerte Umgebung empfunden wird“, sagt Neppl. An die Stelle der segregierten, von starken sozialen Kontrasten geprägten Stadt treten Quartiere mit einer gemischten Vielfalt aus Wohnen, Arbeiten und Gewerbe sowie der Nachbarschaft unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. „Als Stadtquartiersplaner beschreiben wir, welche Strukturen für die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft gebraucht werden, und wie sich bestehende Quartiere weiterentwickeln lassen“, erläutert der Wissenschaftler.

„Mein Credo lautet: Disziplingrenzen gibt es für die Stadtquartiersplanung nicht“, so der Architekt, der rund zehn Jahre in den Niederlanden tätig war und vom dort praktizierten Ineinandergreifen von Architektur, Landschafts- und Stadtplanung überzeugt ist. „In den Niederlanden wird öffentlicher und experimentierfreudiger geplant“, sagt Neppl. Das von ihm geleitete Fachgebiet, an dem Architekten, Soziologen, Landschaftsarchitekten und Raumplaner, die sich insbesondere mit rechtlichen und ökonomischen Aspekten befassen, zusammenarbeiten, versteht sich als Schnittstelle zwischen dem kleinräumigen architektonischen Entwurf und der großräumig orientierten Stadtplanung.

Viele Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte – etwa auf dem Gebiet der Energieversorgung oder Mobilität – seien nicht vorauszusehen, aber auch Lebensformen änderten sich, deshalb hält Neppl anstelle starrer Regelwerke „lernende Pläne“ für sinnvoll, die zum einen Qualitäten definieren, Festlegungen und Kerngrundsätze enthalten, zum anderen flexibel sind und Aktualisierungen zulassen. „Jede stadtplanerische Entscheidung hat zeitlich und ökonomisch betrachtet enorme Folgen“, betont der Architekt. Im Mittelpunkt der Stadtplanung stehe nicht die allumfassende Idee, sondern die Orientierung an der Problemlösung.

Trends und Nachhaltigkeitsfragen seien auch Themen bei Bürgerbeteiligungen, die in der Stadtplanung zunehmend eine Rolle spielten, so Neppl. Wie sich das Verfahren, eine breitere Öffentlichkeit einzubeziehen, auch auf kleinere Städte übertragen lässt, untersucht der Wissenschaftler mit seinem Team durch Begleitforschung, zum Beispiel im rheinland-pfälzischen Wörth und in den baden-württembergischen Städten Rastatt und Ettlingen.

Der Mitbegründer des Kölner Büros Astoc Architects & Planners war an der Entwicklung des Masterplans der Hafencity Hamburg beteiligt; er hat unter anderem in Kooperation von Stadtplanungsamt und KIT die Erstellung des Räumlichen Leitbilds Karlsruhe wissenschaftlich begleitet und das Baukonzept für die Konversion des Areals Alter Schlachthof in Karlsruhe entwickelt. Als Planungs- und Gestaltungsbeirat berät er die Städte Mainz, Heidelberg, Tübingen und Ulm.

Autorin: Anette Frisch

Pressemitteilung: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)