19. Oktober 2019

Selbstbewusstes Statement: Architekturstudentinnen und -studenten der THM

Entwurf von Alhammoud. Fotos: Sonja Schwaeppe

Gießen (pm) – Wenn es nach den Architekturstudentinnen und -studenten der THM ginge, wäre der Gießener Brandplatz längst kein Parkplatz mehr, sondern ein schmucker, belebter Stadtraum vor einem völlig neu konzipierten Stadtmuseum. Das Alte Schloss und der Platz davor standen diesmal im Fokus der angehenden Architekten, die sich an der THM mit dem „Bauen im Bestand“ befassen. Die 20 Master-Studierenden stellten im Rahmen einer Ausstellung im Alten Schloss ihre ambitionierten Entwürfe für ein solches Stadtmuseum vor. Im vergangenen August hatte sich der vorherige Kurs schon mit dem Leib´schen und dem Wallenfels´schen Haus auseinandergesetzt.

„Obwohl wir der Präsentation den Titel ´Architektonische Visionen´ gegeben haben, sehen wir doch glücklicherweise keine utopischen Visionen“, sagte Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch bei der Begrüßung. Visionen so sage die Definition, seien ja zunächst innere Erscheinungen, erdachte Bilder einer möglichen Zukunft. „Hier ist es zum Glück nicht beim Phantasieren geblieben, es sind keine abstrakten Vorstellungen zu Papier gebracht worden, sondern wir sehen tatsächliche Möglichkeiten für ein Oberhessisches Museum der nahen Zukunft“, freute sich Weick-Joch. Professor Nikolaus Zieske sah das ähnlich. „Wir machen uns gerne Gedanken zu Gießen“, sagte er. Beim Alten Schloss falle natürlich zuerst die mangelnde Barrierefreiheit auf. Auch weise das Museum derzeit gravierende funktionale Mängel auf, die beispielweise eine moderne Gemäldeausstellung unmöglich machten. „Ein Anknüpfungspunkt unserer Überlegungen war das Kollegiengebäude, das bis zur Bombennacht am 6. Dezember 1944 neben dem Alten Schloss stand.“ So hätten alle Studierenden auf einen Erweiterungsbau gesetzt und mutig geplant. Der Brandplatz hat in allen Entwürfen als Parkplatz ausgedient und wird zu einem Teil eines belebten Innenstadtraums. Da das Alte Schloss im Jahr 1980 neu erbaut wurde und nur wenige wirklich denkmalgeschützte Elemente enthält, waren die Seminarteilnehmer recht rigoros und ambitioniert in ihren Entwürfen. Zieske dankte dem Oberhessischen Museum und seiner neuen Leiterin für die Möglichkeit, direkt im Schloss ausstellen zu dürfen und lobte seine Kollegen Prof. Norbert Hanenberg, Prof. Jürgen Hauck und Ulrike Wassermann für die hervorragende Betreuung der Studierenden.

Ein Entwurf, der großen Anklang beim Publikum fand, war der von Mohamad Alhammoud. Für den 25-jährigen Syrer sollte das neue Stadtmuseum ein Gebäude sein, an das man denkt, wenn man Gießen besucht. „Es sollte ein Schmuckstück im Herzen der Stadt sein.“ Alhammoud hat einen Solitär aus lichtdurchlässigem Marmor konzipiert, der Platz für Sonder- und Dauerausstellungen bietet.

Anders sind Johanna Biesgen und Bernadette Bulang vorgegangen. Sie setzten einen „Riegel vor das Schloss“, der Neubau und Bestandsbau verbindet. „Beim Material haben wir uns am Alten Schloss orientiert“, so Biesgen. Die Gebäude sind so konzipiert, dass der Besucher Teil der Ausstellung ist. „Das Museum und der Platz davor sollten ein Ort für Menschen sein“, sagt Biesgen. Seit Oktober 2018 haben die beiden Studentinnen nahezu jeden Tag an ihren Entwürfen gearbeitet und sind am Freitag vor Ausstellungsbeginn fertig geworden. „Viel Arbeit, die großen Spaß macht“, so Biesgen.

„Was alle Entwürfe eint, die so unterschiedlich in ihrer gestalterischen Bandbreite sind, ist der Wunsch, für Gießen ein Stadtmuseum als selbstbewusstes Statement zu schaffen“, sagt Zieske. Katharina Weick-Joch sieht das Projekt der THM als einen wichtigen Schritt, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Defizite der Museumsbauten zu lenken, aber eben auch auf einen möglichen Gewinn, den eine bauliche Erweiterung dem Museum und der Stadt bringen würde. „Es geht vor allem darum, ins Gespräch zu kommen. Und die Eröffnung der Ausstellung hat gezeigt, dass genau dieser Effekt schon erzielt wird. Zu konkreten Entwürfen lässt sich schließlich viel leichter eine Meinung bilden, als über abstrakte Ideenskizzen. Wir wollen das Oberhessische Museum zu einem Ort machen, an dem die Gießener Geschichte und Gießener Geschichten erzählt werden können. Die Entwürfe der THM-Studierenden haben ihren Teil dazu beigetragen.“

Pressemitteilung: TH Mittelhessen