18. Dezember 2018

Reallabor gewinnt Forschungspreis „Transformative Wissenschaft“

Auszeichnung für das Nachhaltigkeitsprojekt „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ des KIT

Impuls-Brennpunkt: Der „Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft“ ist das Projektbüro des Reallabors „Quartier Zukunft“ in der Karlsruher Oststadt Foto: Tanja Meißner, KIT

Karlsruhe (pm) – Wie funktioniert nachhaltiges Leben im Quartier? Wie sollten unsere Städte von morgen aussehen? Um das herauszufinden, testet ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) neue Ideen in der Karlsruher Oststadt. Das Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ soll helfen, städtisches Leben partizipativer und nachhaltiger zu machen. Nun hat das Projekt den mit 25.000 Euro dotierten Forschungspreis „Transformative Wissenschaft“ gewonnen. Der Preis – vergeben vom Wuppertal Institut und der Zempelin-Stiftung im Stifterverband – wird am 16. Januar 2019 während der „Darmstädter Tage der Transformation“ im Schader-Forum offiziell übergeben.

Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografischer Wandel, verschuldete öffentliche Haushalte und soziale Ungleichheit erfordern eine umfassende, nachhaltige Entwicklung – lokal und global. Auf dem Weg zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Lebensweise spielen Städte in vielerlei Hinsicht eine zentrale Rolle. Aber wie lassen sie sich in nachhaltige Lebensräume verwandeln? „Unsere Gesellschaft wird sich nur dann nachhaltig entwickeln, wenn Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen die Entwicklung mitgestalten“, ist Dr. Oliver Parodi, Projektleiter des Reallabors „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ überzeugt.

Das Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ probt eine Kultur der Nachhaltigkeit – unter anderem mit dem durch das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst geförderten Projekt „Reallabor 131: KIT findet Stadt“. Die transdisziplinären, am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT angesiedelten Forschungs- und Entwicklungsprojekte möchten ein Stadtquartier mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern als enkeltaugliche Zukunft verwirklichen. Dafür gehen Projektleiter Dr. Oliver Parodi und sein multidisziplinär besetztes Team am ITAS den Fragen nach, wie nachhaltiges Stadtleben gelingen kann und wie europäische Städte in nachhaltige Lebensräume transformiert werden können.
Das Reallabor überzeugte die Jury besonders mit seiner innovativen konzeptionellen Herangehensweise sowie der lokalen Verankerung und erhält in diesem Jahr den Forschungspreis „Transformative Wissenschaft“. „Das Reallabor in der Oststadt ist eines der am weitesten entwickelten Quartier-Reallabore in Deutschland. In Karlsruhe wird mit vielen innovativen Formaten vorgelebt, wie fruchtbar gemeinsame Wissensentwicklung von Wissenschaft und Akteuren vor Ort für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung sein kann“, sagt Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts.

Der Preis wird während der dreitägigen Veranstaltung „Darmstädter Tage der Transformation“ am 16. Januar 2019 in Darmstadt offiziell verliehen (Schader-Forum, Goethestraße 2, ab 14.30 Uhr).

Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“

Projektgebiet des Reallabors „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ ist die etwa 130 Jahre alte Karlsruher Oststadt. Hier arbeitet das Forscherteam des KIT eng mit Bürgerschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und weiteren lokalen Akteuren vor Ort zusammen. Sie verknüpfen so wissenschaftliches Know-how mit lokalem Wissen und schaffen einen gemeinsamen Experimentierraum. Innerhalb des Reallabors sollen in den kommenden Jahren erfolgversprechende technische und gesellschaftliche Innovationen aus und mit dem KIT umgesetzt werden. „Die Bandbreite der Themen“, erläutert Dr. Andreas Seebacher (ITAS), Co-Projektleiter des Reallabors 131, „reicht dabei von der städtischen Energiewende über klimaverträgliches Alltagshandeln bis zur Entschleunigung unserer Lebenswelt.“ Innerhalb des nächsten Jahres wird „Quartier Zukunft“ im Zuge des entstehenden „Karlsruher Transformationszentrums für nachhaltige Zukünfte und Kulturwandel“ ausgebaut und verstetigt. „Damit“, so Dr. Oliver Parodi, „wird weltweit eines der ersten Reallabore auf Dauer gestellt. Zugleich wird das Portfolio des Reallabors um Angebote zu Bildung, Vernetzung, Beratung, Kontemplation sowie Grundlagenforschung zur Großen Transformation erweitert.“

Das Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ wurde bereits im Jahr 2017 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit dem Qualitätssiegel „Projekt Nachhaltigkeit 2017“ und als eines von bundesweit vier „Transformationsprojekten“ ausgezeichnet. Das Siegel macht Initiativen aus der Gesellschaft sichtbar, die einen besonderen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.
Von dem Preisgeld will das Projektteam 10.000 Euro als Startkapital für den Förderverein des Karlsruher Transformationszentrums einsetzen und damit Nachhaltigkeitsinitiativen aus der Zivilgesellschaft stärken. Rund 7.500 Euro sollen Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern aus dem Ausland zugutekommen, die das Quartier Zukunft besuchen wollen, aber auch Geflüchteten, die einen Bezug zur Transformationsforschung haben und sich eine Zukunftsperspektive in diesem Bereich aufbauen wollen. Mit dem restlichen Preisgeld ist die Mikrofinanzierung von Praxispartnern, wie der „Plattform für lokal nachhaltigen Konsum“ oder der Initiative „Wildbienen in der Stadt“, geplant.

Weitere Informationen: http://www.quartierzukunft.de/

Pressemitteilug: KIT