27. September 2020

Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“

100. „Gewohnt gut“- Auszeichnung geht im 10. Jubiläumsjahr nach Potsdam

v.l.n.r.: Matthias Pludra (Vorstand PWG 1956 eG), Wolfram Gay (Vorstand PWG 1956 eG), Kathrin Schneider (Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg), Herbert Knopf (Architekt), Klaus-Dieter Boshold (Vorstand PWG 1956 eG), Maren Kern (BBU-Vorstand), Bernd Rubelt (Baudezernent der Stadt Potsdam), Dr. Wolfgang Schönfelder (BBU). (c) BBU

Berlin (pm) – Die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG wird mit ihrem Projekt „Wohnen an der Französischen Kirche“ als 100. Unternehmen mit dem BBU-Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“- ausgezeichnet. Zur Feier dieses Ereignisses fand am 25. Juni 2018 eine Festveranstaltung in der Französischen Kirche in Potsdam mit anschließender Verleihung der Auszeichnung statt. Im Zuge des Jubiläumsprojekts der PWG wurden drei „Holländer-Häuser“ denkmalkonform rekonstruiert und durch Anbauten ergänzt. Dabei entstand ein stadtbildprägendes, modernes Gebäudeensemble mit zum Teil barrierefreien Wohnungen sowie Gemeinschaftsräumen und Gewerbeeinheiten.

Das „Gewohnt gut“-Bewertungsgremium wählte dieses besondere Gebäudeensemble mit 30 Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und fünf Gewerbeeinheiten in prominenter Potsdamer Innenstadtlage für die Jubiläumsauszeichnung aus. Die entstandenen Gemeinschaftsräume und Angebote vor Ort stärken vorbildlich das genossenschaftliche Miteinander und stellen eine wichtige Angebotserweiterung für den angespannten Potsdamer Wohnungsmarkt dar.

BBU-Vorstand Maren Kern: „Zehn Jahre ‚Gewohnt Gut‘ und 100 ausgezeichnete Projekte sprechen eine klare Sprache: Gemeinsam können wir viel erreichen! Wie passend, dass die 100. Auszeichnung an eine Genossenschaft geht, die ja bekanntlich die Gemeinschaft bereits in ihrer DNA tragen. Die PWG 1956 liefert ein eindrucksvolles Beispiel, wie mit einem hohen architektonischen und genossenschaftlichen Anspruch die Innenstadtentwicklung vorangetrieben und moderner, auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zugeschnittener Wohnraum geschaffen werden kann. Dabei kommt der Genossenschaftsgedanke der Selbsthilfe besonders zum Tragen, denn das Projekt ermöglicht auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes Leben und zielt mit der Bereitstellung von Gemeinschaftsflächen auf die Stärkung des genossenschaftlichen Miteinanders ab. Dieses anspruchsvolle Projekt wird hoch verdient mit dem Qualitätssiegel ‚Gewohnt gut – fit für die Zukunft’ ausgezeichnet und reiht sich damit in die hochkarätige Auswahl der Stadtentwicklungsprojekte ein.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, erläutert die Gründe der Auszeichnung: „Die Brandenburgischen Wohnungsunternehmen nehmen die Herausforderungen des demografischen Wandels an. Sie entwickeln ihre Wohnungsbestände weiter und passen sie an die Bedürfnisse der Menschen an. Dabei spielt vor allem auch die Barrierefreiheit eine bedeutende Rolle. Mit diesem Projekt zeigt die PWG 1956, dass sich hervorragende architektonische Qualität und zweckmäßiges Bauen nicht ausschließen. Die Genossenschaft leistet damit nicht nur einen herausragenden Beitrag zur Pflege des stadtarchitektonischen Erbes von Potsdam, sondern schafft darüber hinaus auch barrierefreien Wohnraum in zentraler Lage. Der Neubau ist ein gutes Beispiel für modernen Wohnungsbau in Brandenburg.“

Wolfram Gay, Sprecher des Vorstandes der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG, sagt anlässlich der Auszeichnung: „Unser Anspruch war es, neben den Anforderungen der Denkmalbehörde, vor allem die Anforderungen unserer Mitglieder zu erfüllen. Dabei standen ein selbstbestimmtes Leben und das Aufleben des genossenschaftlichen Miteinanders im Mittelpunkt. Auf den Erfolg sind wir stolz: Zusätzlich zu dem tollen Gebäudeensemble ist eine starke und vitale Hausgemeinschaft entstanden. Dass wir die 100. Auszeichnung mit dem ‚Gewohnt gut‘-Qualitätssiegel erhalten, ist für uns das berühmte i-Tüpfelchen und belohnt den Einsatz unserer Genossenschaft.“

Wohnen an der Französischen Kirche: Denkmalkonforme Quartiersrekonstruktion

In direkter Nachbarschaft zur Französischen Kirche hat die PWG 1956 durch den Wiederaufbau von drei ehemaligen „Holländer-Häusern“ in Verbindung mit dem Neubau von ergänzenden Gebäuden insgesamt 30 zum Teil barrierefreie Wohnungen sowie Gemeinschaftsräume und Gewerbeeinheiten geschaffen. Dabei wurden sowohl die Auflagen der Denkmalbehörde als auch die Anforderungen des KfW 70-Standards erfüllt. Die PWG schafft damit in prominenter Innenstadtlage von Potsdam dringend benötigten und modernen Wohnraum und stärkt das genossenschaftliche Miteinander.

Mit dem Projekt „Wohnen an der Französischen Kirche“ leistete die PWG 1956 einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des angespannten Potsdamer Wohnungsmarktes und sorgte mit der Rekonstruktion der ehemaligen „Holländer-Häuser“ am Bassinplatz für einen weiteren Blickfang in der historischen Potsdamer Innenstadt. Das neu entstandene Gebäudeensemble umfasst fünf Häuser mit insgesamt 30 1- bis 3-Raumwohnungen mit 45 bis 103 Quadratmetern Wohnfläche sowie zwei Gemeinschaftsräume und fünf Gewerbeeinheiten. Die Genossenschaft hatte dabei strenge Auflagen der Denkmalpflege zu berücksichtigen. Gleichzeitig wurden moderne Wohnungen geschaffen, durch die den Bewohnerinnen und Bewohnern so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird, sowie das gemeinschaftliche Miteinander und die gegenseitige Hilfe gefördert werden.

Neubau unter Denkmalauflagen: Teilweise barrierefrei!

Die denkmalgerechte Rekonstruktion der im Jahre 1750-1752 erbauten und 1988 wegen Baufälligkeit abgerissenen zweigeschossigen „Holländer-Häuser“ stellte die PWG 1956 vor eine besondere Herausforderung. Neben der profil- und maßstabsgetreuen Umsetzung forderte vor allem die notwendige Pfahlgründung viel Aufmerksamkeit. „Diese spezielle Form der Tiefgründung war aufgrund des hohen Grundwasserspiegels unumgänglich“, erläutert Vorstandssprecher Gay. Ein ähnliches System wurde bereits im 18. Jahrhundert bei der Errichtung der ursprünglichen Gebäude genutzt. Durch die rekonstruierte rote Backsteinfassade fügen sich die Gebäude nahtlos in das architektonische Erbe ihrer Umgebung ein. Gleichzeitig wurde das Gebäudeensemble im KfW 70-Standard errichtet und umfasst zwölf barrierefreie und 15 barrierearme Wohnungen. Diese sind mithilfe eines Aufzugs zu erreichen und sind somit optimal an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst.

Eine stabile Nachbarschaft verbindet

Durch die Bereitstellung moderner Gemeinschaftsräume und einer vollausgestatteten Gemeinschaftsküche hat die PWG 1956 einen idealen Rahmen für die soziale Teilhabe und das genossenschaftliche Miteinander geschaffen. „Gemeinsame Kaffee- oder Frühstücksrunden mit den Nachbarn gehören hier einfach dazu“, sagt Gay. Der Innenhof und die Dachterrasse mit großen Sonnensegel laden die Bewohnerinnen und Bewohner zum Entspannen ein. Das Ensemble an der Französischen Kirche lebt von der starken Hausgemeinschaft und dem Dialog mit der Französischen Gemeinde sowie der gelebten Nachbarschaft des angrenzenden Klinikums. Die im Objekt ansässigen Gewerbe runden das Angebot mit Gymnastikkursen für Schwangere bis hin zum Reha-Sport ab und sorgen für einen regen generationsübergreifenden Austausch.

Die Baukosten beliefen sich auf fast 7,3 Millionen Euro

Insgesamt 8,5 Millionen Euro investierte die Genossenschaft in den Grundstückskauf und die Wiedererrichtung sowie die Ergänzung der historischen „Holländer-Häuser“. Die Baukosten wurden dabei komplett durch Eigenmittel und durch Mittel aus der genossenschaftlichen Spareinlage finanziert. Ein finanzieller Kraftakt, der nur durch die Gemeinschaft möglich war.

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“

Für die soziale Wohnungswirtschaft in Brandenburg sind Stadterneuerung und Aufwertung ihrer Wohnungsbestände die zentralen Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Mit Investitionen in den Bestand sowie Verbesserungen bei der Sozial-, Kultur- und Bildungsinfrastruktur sorgen sie dafür, dass Wohnen in Brandenburgs Städten angesichts der vielen Herausforderungen zukunftsfähig ist und bleibt.

Gute Wohnbedingungen und starke Quartiere sind wichtige Bedingungen dafür, dass die Menschen gerne in ihren Heimatregionen und Wirtschaftsunternehmen am Standort verbleiben oder sich neu ansiedeln. Sechs Mal im Jahr zeichnen BBU und MIL deshalb Projekte aus, die diesen Zielen in besonderer Weise gerecht werden. Sie erhalten das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“.

Auszeichnung für beispielhafte Projekte

Das Qualitätssiegel geht an brandenburgische Wohnungsunternehmen, deren Wohnungsbestände in besonderem Maße dem demografischen Wandel und der Sicherung guten und bezahlbaren Wohnraums Rechnung tragen. Das gilt insbesondere für das Wohnen im Alter und mit Behinderung ebenso wie für familiengerechtes Wohnen oder den nachhaltigen Einsatz regenerativer Energien. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beiträge zu einer nachhaltigen Stadterneuerung. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten die Auszeichnung. Geprüft werden dabei beispielsweise der soziale Nutzen für die Mieter und für die Stadt sowie die Zukunftsfähigkeit der Projekte.

Abriss und Aufwertung: zwei Seiten einer Medaille

Im Mittelpunkt der Stadterneuerung steht die Zukunftsfähigkeit der brandenburgischen Städte. Im Rahmen des Stadtumbaus werden der Abriss dauerhaft nicht mehr benötigten Wohnraums und die Aufwertung der bestehenden Wohnungsbestände daher gleichzeitig vorangetrieben.

Eigeninvestitionen und Landesförderung

Im Rahmen des Stadtumbaus hat das MIL bisher den Abriss von mehr als 60.000 Wohnungen in den Stadtumbaustädten des Landes Brandenburg gefördert, der fast gänzlich von den BBUMitgliedsunternehmen geleistet worden ist. Die Leerstandsquote konnte so in den Stadtumbaustädten von über 14 Prozent auf rund neun Prozent abgesenkt werden. Zudem haben die brandenburgischen Wohnungsunternehmen seit 1991 mehr als 13 Milliarden Euro in die Instandsetzung und Modernisierung ihrer Wohnungsbestände investiert. Unterstützt werden diese Beiträge durch öffentliche Förderprogramme des Landes.

Seit 2007 hat das MIL die Wohnraumförderung dabei neu ausgerichtet. Es erfolgt eine Konzentration auf die Innenstädte mit dem Schwerpunkt generationsgerechtes Wohnen. Hierfür wurden bisher für fast 8.700 Wohnungen ca. 211 Millionen Euro bewilligt. Davon flossen rund 40 Millionen Euro in die Nachrüstung von Aufzügen.

Ergänzt wird die soziale Wohnraumförderung durch die Programme der nationalen Städtebauförderung des Landes und Bundes sowie der Europäischen Union. Seit 1990 flossen in Brandenburger Städte rund 3,4 Milliarden Euro. So trägt das Land dazu bei, dass Modernisierungsinvestitionen der Unternehmen in ihre Wohnungsbestände auch für sozial Schwache sowie für alle Altersgruppen und Lebenslagen bezahlbar bleiben.

Pressemitteilung: BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V.