23. Juli 2019

Neues Rahmenkonzept für den europäischen Bausektor: RICS unterstützt die Initiative „Construction 2050“

Frankfurt am Main (pm) – Im Rahmen des „European Construction Forum“ haben führende Vertreter der europäischen Bauindustrie ein neues EU-weites Rahmenkonzept für die Zukunft der Branche gefordert und der Europäischen Kommission die gemeinsame Initiative „Construction 2050: Building tomorrow’s Europe today“ vorgestellt. Die RICS beteiligte sich aktiv in diesem Gremium, da das nachhaltige Bauen einen erheblichen Einfluss auf die Lösung der Herausforderungen der Immobilienwirtschaft hat, wie beispielsweise der Schaffung kostengünstiger Wohnungen.

Das neue Rahmenkonzept zielt darauf ab, die Branche an die wesentlichen neuen Herausforderungen anzupassen und eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Baubranche fördern. Damit wird das derzeitige Programm „EU Construction 2020“ ergänzt und weitergeführt.

Nach Angaben der RICS und der Partnerorganisationen führt die Optimierung des Bauwesens auf Grundlage neu geschaffener und zweckmäßiger politischer Rahmenbedingungen besseren Wohnungs- und Arbeitsräumen in Europa. Dies geschieht durch die Schaffung eines Mehrwerts bei geringerem Verbrauch natürlicher Ressourcen sowie durch hochwertigere Immobilien für Eigentümer und Nutzer. Der Bausektor erzielt im Durchschnitt ca. 10 Prozent des europaweiten BIP und beschäftigt ca. 7 Prozent aller Erwerbstätigen. Dies entspricht in etwa 30 Prozent der Industriearbeitsplätze. EU-Bürger verbringen mehr als 90 Prozent ihrer Lebenszeit in Gebäuden, d.h. die Gesundheit und das Wohlbefinden sind in hohem Maße von der Bauweise, der Instandhaltung und der Sanierung dieser Gebäude abhängig.

RICS versteht sich als Vordenker der Immobilienbranche

Im Rahmen eines gemeinsamen Vorschlags haben die RICS und führende Vertreter der europäischen Bauindustrie die wesentlichen Herausforderungen der Branche identifiziert und konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Zudem beteiligte sich die RICS an einer Stakeholder-Umfrage der Europäischen Kommission zum aktuellen EU-Programm „Construction 2020 and beyond“ und betonte dabei die dringend notwendige Förderung internationaler Standards.

„Ohne einheitliche internationale Standards für professionelle Dienstleistungen und die Datenerhebung bleiben ineffiziente Strukturen erhalten, die sich negativ auf eine digitale und nachhaltige Entwicklung innerhalb der Baubranche auswirken“, so Sander Scheurwater, RICS Director Corporate Affairs Europe.

„All´ das, was wir in Deutschland diskutieren, wie beispielsweise die notwendige Digitalisierung in der Bauwirtschaft und die Notwendigkeit von Standards z.B. zum Datenaustausch gehört damit auch auf die Agenda der EU, denn nationale Alleingänge sind sehr kostspielig. Das sehen wir, wenn wir beispielsweise nationale Flächenstandards vergleichen“, ergänzt Sabine Georgi, Leiterin Business Development & Politikberatung bei der RICS in Deutschland.

Die RICS betont mit dem Rahmenkonzept deshalb:

  • die Bedeutung von Messnormen in der Baubranche wie z.B. die International Construction Measurement Standards (ICMS). Diese tragen zu einem konsistenten und transparenten Benchmarking von Baukosten bei, so dass fundierte Entscheidungen möglich und Ineffizienz vermieden wird;
  • die Bedeutung von Initiativen wie dem Building Logbook zur Bereitstellung standardisierter Informationen und Reduzierung von Investitionsrisiken;
  • die Dringlichkeit einer Förderung des Life Cycle Assessment;
  • das Interesse an einer Weiterentwicklung von Level(s), dem europaweiten Berichtsrahmen für nachhaltigere Gebäude durch die Bereitstellung eines einheitlichen EU-weiten Ansatzes für die Bewertung der Umweltperformance.

Durch diesen Beitrag handelt die RICS im öffentlichen Interesse und trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung der europäischen Baubranche bei.

„Construction 2050: Building tomorrow’s Europe today“

Dieses umfassende Rahmenkonzept sollte von allen Branchenakteuren, Mitgliedsländern und europäischen Institutionen umgesetzt werden. Auf Grundlage der Ergebnisse der aktuellen Initiative „Construction 2020“ sollten dem neuen Rahmenkonzept die folgenden Grundprinzipien zugrunde liegen:

  • Entwicklung eines zielgerichteten Baukonzepts, da sich die Branche an der Schnittstelle unterschiedlicher Wertschöpfungsketten befindet und die besonderen Bedingungen spezielle Ansätze erfordern,
  • ein auf das neue Ökosystem und den Wandel innerhalb der Baubranche zugeschnittenes anpassungsfähiges politisches Rahmenkonzept,
  • ein ganzheitlicher Ansatz bei der Politikgestaltung für einen einheitlichen und zielführenden gesetzlichen Rahmen,
  • starke Partnerschaften zwischen den europäischen Institutionen, den Mitgliedsstaaten sowie Tarifpartnern und Stakeholdern aus dem Bausektor, um die Transformation der Branche zu fördern.

Eugenio Quintieri, Generalsekretär der European Builders Confederation (EBC): „Der Bausektor benötigt einen effektiveren politischen Rahmen, um einen positiven Beitrag zum Europa der Zukunft zu leisten. Unsere gemeinsamen Vorschläge sind entscheidend für die Zukunft der Branche, da sie eine effektivere Koordination zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Stakeholdern sowie eine bessere Umsetzung von EU-Initiativen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sicherstellen.”

Das Rahmenkonzept steht zum Download bereit unter: „Construction 2050, Building tomorrow’s Europe today

European Construction Forum: http://www.ecf.be/

Pressemitteilung: RICS Deutschland