6. August 2020

Moderne Arbeitswelt in historischer Kulisse

Nach den Plänen des Zürcher Architekturbüros Ernst Niklaus Fausch Partner AG wurden die drei überhohen Bestandsgeschosse durch eine zweigeschossige Aufstockung ergänzt. Mit ihrer Holzbauvariante konnten die Holzbauspezialisten der Blumer-Lehmann AG gegenüber den ursprünglich geplanten Material- und Konstruktionsvarianten punkten. (c) Johannes Marburg

Gossau (pm) – Beim Umbau eines Industriegebäudes aus den 1930er-Jahren im schweizerischen Kemptthal konnte die Blumer-Lehmann AG ihre Holzbauqualitäten im Bereich Sanierung und Aufstockung einbringen. Mit der Immobilienentwicklerin Mettler2Invest AG und nach dem Entwurf des Zürcher Architekturbüros Ernst Niklaus Fausch Partner AG entstand in den Hallen der denkmalgeschützten Maggi-Fabrik ein modernes Bürohaus für den Konzern Givaudan. Die Zertifizierung mit LEED Gold belegt, dass der Umbau messbar nachhaltig entwickelt, geplant und realisiert worden ist.

Im „THE VALLEY“, dem historischen Industrieareal der ehemaligen Maggi-Fabrik in Kemptthal/CH entsteht seit rund zwei Jahren ein moderner und vielseitiger Arbeits- und Veranstaltungsort. Auf der Basis eines Masterplans der Ernst Niklaus Fausch Partner AG und der Mettler2Invest AG sind hier vor allem Dienstleistungs- und Forschungsnutzungen geplant. Eines der denkmalgeschützten Bestandsgebäude ist nach Plänen der Architekten bereits komplett saniert und umgebaut worden. Es dient heute dem weltweit agierenden Duft- und Aromenhersteller Givaudan als Business Center.

Backsteinfassade unter Denkmalschutz

Der Name „Brick“ verweist auf die industrielle Backsteinarchitektur aus den 1930er-Jahren, die hier unter Denkmalschutz steht und die mit einer zeitgemäßen Aufstockung kongenial ergänzt wurde. Die drei überhohen Bestandsgeschosse wurden für die heutige Nutzung zu modernen Clusterbüros für 200 Arbeitsplätze umgebaut. Die zweigeschossige Aufstockung beherbergt eine Cafeteria und zwei Galerien als soziale Meeting-Points, die sogenannten Orangerien.

Durch die Zweigeschossigkeit konnten die Architekten das Maßsystem der Bestandsfassade beibehalten. Dabei wurden neben den Proportionen das statische Gefüge und, mit der Klinkerverblendung außen und der Betonstruktur innen, auch das Material aufgenommen und neu ausformuliert. Die Weiterführung der modulierten Pfeiler und der Fensterbreiten bringt Ruhe und Harmonie in das Fassadenbild. Einen starken Kontrast wählten die Architekten für die Fassade der Aufstockung, indem sie einen dunklen Klinker um 45° abgedreht vertikal aufmauern ließen. Der helle Klinker auf den Fassaden der Untergeschosse war im Kreuzverband vermauert worden.

Industriearchitektur für moderne Arbeitswelten

Um die einzigartige Atmosphäre der Hallenarchitektur mit ihren Pilzstützen und Betondecken erhalten zu können, mussten kreative Lösungen für Technik und Akustik gefunden werden: In einem eigens für dieses Projekt entwickelten Brüstungselement werden alle notwendigen technischen Installationen – von der Lüftung und Kühlung bis zur Kommunikationstechnologie – konzentriert zusammengeführt. Große textile Kugelleuchten sorgen als Schallabsorber für eine bessere Akustik in den für Büros ungewöhnlich hohen Räumen. Entstanden ist ein attraktives Arbeitsumfeld in hellen Grautönen im historischen Ambiente.

Mit Aktivkohle gegen Maggi-Duft

Für den Umbau war der Industriebau vollständig entkernt worden. Aufgrund des Denkmalschutzes musste die Fabrikfassade von innen saniert werden. Die Ausschreibung für den Innenausbau mit einem Auftragsvolumen von 1,2 Millionen SFR konnte die Blumer-Lehmann AG für sich entscheiden. Der Auftrag beinhaltete die Absperrung, Innendämmung und Verkleidung der freigelegten Außenwände sowie diverser Decken und Innenwände aus Holz.

Eine Besonderheit ergab sich aus der früheren Nutzung der Hallen für die Suppenabfüllung: Die alten Mauerwerkswände hatten sich vollgesogen mit dem allseits bekannten Maggi-Duft. Um für die Büronutzung zukünftige Geruchsbelästigungen zu verhindern, wurden die Wände zum Teil mehrlagig mit einem Aktivkohlevlies eingepackt. Dank dieser Maßnahme wird die Luft durch die Aktivkohle gefiltert und gereinigt an den Innenraum abgegeben. Die darauf installierte feuchtevariable Innendämmung reguliert die Wärmeverluste und den Feuchtegehalt der Raumluft.

Wandverschalung aus Weißtanne

Für die Holzverkleidung kamen 60.000 Meter Holzlatten aus Weißtanne zum Einsatz. Sie stammen aus nachhaltig bewirtschafteten Schweizer Wäldern und sind ast- und vor allem harzfrei. Für die Wandverkleidung wurde das Tannenholz stark deckend grau lasiert. Die 32 Millimeter breite Holzschalung wurde vertikal montiert, die acht Millimeter breiten Fugen sind durch eine schwarze
Folie blickdicht hinterlegt. Sonderfälle in der Montage aufgrund von Decken- und Fensteranschlüssen, Betonstützen oder Lüftungsauslässen verlangten viele Detaillösungen und fundiertes Holzbau-Know-how. „Es gab hier eigentlich mehr Unregelmäßiges als Regelquerschnitte,“ resümiert Richard Jussel, Geschäftsführer der Blumer-Lehmann AG, den Einsatz seines MontageTeams.

Wandaufbau in Holzrahmenbauweise

Erst nachträglich hatte Blumer Lehmann ein Angebot für die Aufstockung abgeben. Mit ihrer Holzbauvariante konnten die Holzbauspezialisten gegenüber den ursprünglich geplanten Material-und Konstruktionsvarianten punkten, vor allem wegen der großen Zeit- und Kostenersparnis durch die Vorfertigung der Holzrahmenelemente. Diese wurden passgenau auf die Baustelle geliefert und zwischen die aufgestellten Betonstützen gestellt. Für die Stützen wurden Passelemente gefertigt, sodass auch sie sich in der Dämmebene befinden. „Wir machen sehr viel Umbauten und Sanierungen. Bei solchen Projekten können wir mit dem Holzbau immer wieder überzeugen, denn wir sind mit dem Holzbau extrem flexibel und können daher sehr schnell auf den Kompetenzvorteil seines Projektteams.

Pressemitteilung: Blumer Lehmann