21. März 2019

Max Bächer. 50 Meter Archiv

(c) Technische Universität Darmstadt

Darmstadt (pm) – Max Bächer war Architekt, allgegenwärtiger Preisrichter bei Architekturwettbewerben, streitbarer Publizist und von 1964 bis 1994 Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt. Die Ausstellung „Max Bächer. 50 Meter Archiv” gibt Einblicke in seinen Nachlass, der sich seit 2012 in Frankfurt im Deutschen Architekturmuseum befindet.

Die Ausstellung zieht sich über 50 Meter in Form eines neu erstellten Geländers durch die offene Treppenhalle des Fachbereichs Architektur. Anhand von sieben Themen werden Teilaspekte von Bächers vielfältigen Interessen und Tätigkeiten vorgestellt.

Die Ausstellung wurde von Studierenden der Kunstgeschichte sowie der Curatorial Studies der Goethe-Universität Frankfurt und Architekturstudierenden der TU Darmstadt im Rahmen des Centers for Critical Studies in Architecture (CCSA) konzipiert und realisiert. Gestalterische und kuratorische Unterstützung erhielten sie von Nina Beitzen, Direktorin bei Kuehn Malvezzi Architects, Berlin.

Im Zentrum steht Bächers Engagement für den Architekturwettbewerb. Als Jury-Mitglied nahm er zwischen 1960 und 2010 an mehr als 400 Wettbewerben teil. In der Rolle des Vorsitzenden war Bächer unter anderem an den Wettbewerben zum Potsdamer Platz in Berlin, zum Rathaus Fellbach und zum Neubauprojekt des Deutschen Historischen Museums in Berlin beteiligt, das durch die deutsche Einheit nicht realisiert wurde. Diese drei Projekte werden mit Archivmaterialien vorgestellt und zeigen exemplarisch seine unterschiedlichen Herangehensweisen: Einerseits der vehemente Einsatz für ein demokratisches, reibungslos ablaufendes Wettbewerbsverfahren beim Potsdamer Platz, andererseits ein geschicktes Spiel mit den Regeln: Beim Rathaus Fellbach nimmt Bächer Einfluss auf die Zusammensetzung der Jury und erreicht, dass eine Reihe international bekannter Architekten zur Teilnahme hinzugeladen wird. Einer von diesen, der Schweizer Architekt Ernst Gisel, gewinnt schließlich den Wettbewerb und kann sein Projekt trotz Bürgerprotesten realisieren.

Ein weiteres Ausstellungskapitel widmet sich Max Bächer als Publizist. Anhand eines Archivfunds, der in der Ausstellung erstmals gezeigt wird, wird sein Interesse für die NS-Architektur in den Blick genommen: Bächer besucht im Jahr 1973 den Architekten Albert Speer und fertigt von dieser Begegnung ein minutiöses Protokoll an.

Auch als bauender Architekt wird Bächer vorgestellt. Je ein Privathaus aus den 1950er und den 1980er Jahren sind mit Fotos und Plänen zu sehen. Zeitlich dazwischen liegt der 1968 fertiggestellte Kleine Schlossplatz in Stuttgart. Das von Anfang an umstrittene Bauwerk beobachtet Bächer mit einer umfassenden Sammlung von Zeitungsartikeln.

Max Bächer wurde am 7. April 1925 in Stuttgart geboren. 1946 bis 1951 studierte er Architektur, mit den Nebenfächern Kunst- und Literaturgeschichte, an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1949 war er Stipendiat am Georgia Institute of Technology in Atlanta. Ab 1964 übernahm Bächer den Lehrstuhl Entwerfen und Raumgestaltung an der Technischen Hochschule Darmstadt, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 leitete. Er führte ein eigenes Architekturbüro, erst in Stuttgart und später in Darmstadt, und war Preisrichter in zahlreichen Architekturwettbewerben. Bächer starb am 11. Dezember 2011 in Darmstadt. Sein Nachlass wurde am DAM in Frankfurt im Jahr 2017 auf der Projektebene inventarisiert und steht nun für weitere Forschungen zur Verfügung.

ERÖFFNUNG 16.1.2019, 16:15 UHR
ORT Fachbereich Architektur / TU Darmstadt / El-Lissitzky-Straße 1 / 64287 Darmstadt
Gebäude L3 | 01
Öffnungszeiten: täglich 6:00 bis 20:00 Uhr
INFO http://criticalarchitecture.org

Parallel zur Ausstellungseröffnung findet an der TU Darmstadt das Symposium „Wer bestimmt die Architektur? – Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs“ statt.

Wer bestimmt die Architektur?
Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs

Symposium zum Nachlass von Max Bächer, Preisrichter, Architekt und Publizist (1925–2011)

Kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer. Anhand seiner Tätigkeiten lässt sich exemplarisch zeigen, wie Entscheidungsprozesse in der Architektur von Preisgerichten, Gremien und aktuellen Architekturdebatten abhängen. Bächers Nachlass im DAM bietet den Rahmen, um den Blick auf das Wettbewerbswesen und Netzwerke in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu legen.

PROGRAMM

16.–17.1.2019
TU Darmstadt, Campus Lichtwiese, Fachbereich Architektur
R 58, EG, Gebäude L3 | 01, El-Lissitzky-Straße 1, 64287 Darmstadt

Mittwoch, 16.1.2019
11:00 Uhr Begrüßung
Christoph Kuhn, Prodekan Fachbereich Architektur, TU Darmstadt
11:10 Uhr Max Bächer und das Deutsche Architekturmuseum
Oliver Elser, Kurator DAM
11:25 Uhr Der Nachlass von Max Bächer. Wie man einen Architekten posthum kennenlernt
Sunna Gailhofer, freie Kuratorin
11:40 Uhr Erinnerungen an Max Bächer
Arno Lederer, Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
Pause
Professionalisierung und Entscheidungsprozesse in der Architektur
Moderation: Carsten Ruhl, Goethe-Universität Frankfurt am Main
13:30 Uhr Die Entstehung des modernen Architekten
Martin Kohlrausch, KU Leuven
14:15 Uhr Der Architekturwettbewerb unter Aspekten von Wissensgenerierung:
Eine Fallstudie
Jan M. Silberberger, ETH Zürich
15:00 Uhr Das Ende einer Ära: Eine Kritik des derzeitigen Wettbewerbswesens
Jörn Köppler, Köppler Schubert Türk Architekten, Berlin,
Wettbewerbsinitiative e. V.
Pause
16:15 Uhr Eröffnung der Ausstellung zu Max Bächer,
erarbeitet durch Studierende der Architektur, der Curatorial Studies und der Kunstgeschichte (Galerie 1. OG, bis 3.2.2019)
Eröffnung durch Stefanie Heraeus, Goethe-Universität Frankfurt am Main, wissenschaftliche Leiterin des Masterstudiengang Curatorial Studies
18:15 Uhr Podiumsdiskussion „Architekturpolitik durch Wettbewerbe“
im Rahmen der Mittwochabendvorträge (R 93, EG)
Moderation: Christiane Salge, TU Darmstadt
Podiumsgäste:
• Thomas Hoffmann-Kuhnt, Herausgeber wa – wettbewerbe aktuell
• Barbara Ettinger-Brinckmann, ANP Architektur und Planungsgesellschaft, Kassel, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
• Wolfgang Lorch, Wandel Lorch Architekten, Saarbrücken und Frankfurt am Main, TU Darmstadt
• Elli Mosayebi, Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten, Zürich, ETH Zürich

Donnerstag, 17.1.2019
9:00 Uhr Begrüßung
Peter Cachola Schmal, Direktor DAM
Die Bedeutung von Wettbewerben – Historische Fallstudien
Moderation: Maxi Schreiber, TU Darmstadt
9:15 Uhr (K)ein Grund zur Klage – Zur Geschichte des Wettbewerbswesens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert
Ralf Dorn, Hochschule Mainz, Landesdenkmalamt Hessen
10:00 Uhr Spiel-Räume der Demokratie. Theaterbau als Aushandlungsfeld für demokratische Planungsstrukturen in der Nachkriegszeit
Frank Schmitz, Universität Hamburg
Pause
11:00 Uhr Egon Eiermann – Gestalter der Außendarstellung der jungen Bundesrepublik Deutschland
Martin Kunz, Karlsruher Institut für Technologie, saai
11:45 Uhr Aktion Olympia. Der Wettbewerb zu den Olympischen Sommerspielen in München 1972
Natalie Heger, Universität Kassel
Pause
Netzwerke und ihr Einfluss
Moderation: Daniela Ortiz dos Santos, Goethe-Universität Frankfurt am Main
13:30 Uhr Netzwerke verstehen. Ansätze der sozialwissenschaftlichen und historischen Netzwerkforschung für die Architekturgeschichte
Regine Heß, TU München
14:15 Uhr Die Netzwerke des IAUS. Auftragsarbeit, Zusammenarbeit und andere wechselseitige Beziehungen
Kim Förster, CCA Montréal
15:00 Uhr Die „Anyone Corporation“ als Netzwerk mit globaler Ausrichtung
Frederike Lausch, TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main
15:45 Uhr Abschlussdiskussion

Das Symposium und die Ausstellung werden durch die Allianz der Rhein-Main-Universitäten ermöglicht.

16. Januar bis 3. Februar 2019
am Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt

Pressemitteilung: Technische Universität Darmstadt