21. Februar 2020

Immer mehr ausländische Ingenieure lassen ihre Qualifikation anerkennen

Stuttgart (pm) – In Baden-Württemberg lassen immer mehr ausländische Ingenieure ihre Qualifikation anerkennen. Die Zahl der Anträge ist 2016 sprunghaft angestiegen – um etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2016 wurden insgesamt 489 Anträge eingereicht, davon 411 anerkannt und 17 abgelehnt.

Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg (INGBW) ist seit dem 27. Februar 2016 zuständig für die Anerkennung ausländischer Ingenieurabschlüsse im Land. Das ist auch der Grund, warum es erstmals eine umfassende Statistik dazu gibt. „Dass diese Aufgabe nun zentral bei der Ingenieurkammer und nicht mehr von den vier Regierungspräsidien im Land erledigt wird, hat unter anderem dazu geführt, dass sämtliche Fälle nun zentral erfasst und ausgewertet werden können“, betont INGBW-Hauptgeschäftsführer Daniel Sander.

„Das Anerkennungsverfahren wird effektiver, weil wir Zugriff auf sämtliche bereits entschiedene Fälle haben und somit bei vergleichbaren Neuanträgen schneller zu einer Bewertung kommen können. Zum anderen – und das ist das Wichtigste – haben die ausländischen Ingenieurinnen und Ingenieure endlich eine zentrale Anlaufstelle und müssen nicht mehr umständlich herausfinden, wer für sie zuständig ist“, betont er.

30 Prozent stammen aus Syrien

Im vergangenen Jahr gingen bei der INGBW Anträge aus 47 Ausbildungsstaaten ein. Die meisten stammen aus Syrien (knapp 30 Prozent), gefolgt von Rumänien (rund 10 Prozent) und der Russischen Föderation (etwa 7 Prozent). Die Mehrheit der Antragsteller hat eine Ausbildung im Fachbereich Maschinenbau, dicht gefolgt vom Bauingenieurwesen und mit etwas Abstand von der Elektrotechnik.

Den absoluten Großteil der Anträge machten geflüchtete syrische Ingenieure aus, bilanziert Hauptgeschäftsführer Sander: „Bei ihnen liegt die Anerkennungsquote bei nahezu 100 Prozent. Das bedeutet, dass Ingenieure aus Syrien beim derzeitigen Fachkräftemangel leicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können.“

Allerdings müssten sie dazu fließend Deutsch sprechen, um deutsche Normen und Gutachten verstehen und mit Kunden und Projektpartnern kommunizieren zu können. Ausreichend Deutschkurse mit Fachbezug seien also das A und O für eine gelungene Integration in den deutschen Arbeitsmarkt.

Der Zustrom ausländischer Ingenieure kommt baden-württembergischen Unternehmen nicht ungelegen, denn in mehreren Disziplinen herrscht akuter Fachkräftemangel. Dies gilt insbesondere für den Fachbereich Bauingenieurwesen und Elektrotechnik. „Bei den Bauingenieuren fehlen landesweit rund 4.000 Ingenieure“, sagt Sander.

Hohe Anerkennungsquote

Insgesamt war die Anerkennungsquote 2016 mit 96 Prozent ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Die 17 abgelehnten Anträge stammen aus den Ausbildungsstaaten Italien, Kroatien, Lettland, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Chile, Indien, Kasachstan und Syrien. Gründe für die Ablehnungen waren zumeist fehlende formale Voraussetzungen, etwa kein Studium an einer staatlich anerkannten Universität, oder die Ausbildung entsprach nicht dem hiesigen Berufsbild des Ingenieurs.

Ausländische Ingenieurfachkräfte können sich grundsätzlich auf offene Stellen bei Unternehmen bewerben, auch ohne Berufsanerkennung. Allerdings dürfen sie nach dem Ingenieurgesetz Baden-Württemberg ohne eine Anerkennung ihrer Qualifikation nicht die deutsche Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ allein oder in einer Wortverbindung führen. Die Berufsanerkennung hilft allerdings bei der Bewerbung, da sie von vielen Arbeitgebern gewünscht wird.

 

Pressemitteilung: Ingenieurkammer Baden-Württemberg (INGBW)