20. November 2019

Gebaute Lehre – Architektur und Pädagogik

Schulneubau Gesamtschule Lippstadt

Ziegel, Glas und Beton-Stülpschalung – das sind die drei tragenden gestalterischen Elemente der Fassade der neuen Gesamtschule in Lippstadt, die zum Schuljahr 2017/2018 den Betrieb aufnahm. Bei der Wahl der Türen entschieden sich die Architekten für Lösungen von Hörmann und Schörghuber. Fotos: Hörmann / Schörghuber

Steinhagen (pm) – Im Schulbau bewegt sich etwas. Dies folgt zum einen der baulichen Notwendigkeit – viele Schulen sind sanierungsbedürftig, Neubauten werden aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge benötigt. Zum anderen reagieren Planer baulich auf veränderte Bildungskonzepte. Multifunktionale Räume und spielerische Raumkonzepte ersetzen den klassischen Frontalunterricht. Swiatkowski-Suerkemper Architekten schufen entsprechend des pädagogischen Ansatzes einen neuen, großzügigen Ort des Lernens und des Austausches. Für diese Arbeit erhielten sie den Schulbaupreis 2018. Bei der Realisierung des preisgekrönten Schulgebäudes entschieden sich die Architekten für Türlösungen von Hörmann und Schörghuber.

Die neue Gesamtschule in Lippstadt entstand auf dem Gelände eines Schulcampus aus den 1970er Jahren. Mit dem Ziel, ästhetisch wie funktional aktuelle Bedürfnisse abzubilden, schrieb die Lippstädter Stadtverwaltung europaweit einen Schulneubau aus. Der Entwurf des Büros Swiatkowski-Suerkemper aus Stuttgart überzeugte durch eine konsequente Umsetzung des pädagogischen Konzeptes und seine städtebauliche sowie ökologisch nachhaltige Gestaltung.

Der Schulalltag hat sich seit der Fertigstellung im Sommer 2017 eingespielt – alle Beteiligten ziehen eine positive Bilanz. Auch das Ministerium für Schule und Bildung und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen sind vom Projekt überzeugt und zeichneten es mit dem Schulbaupreis 2018 aus. Architekt Volker Swiatkowski sieht einen Grund für das gute Gelingen insbesondere in der konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Es wurde an einem Strang gezogen und Entscheidungen gemeinsam getroffen.“

Glas, Beton und Ziegel

Der Schulneubau besteht aus fünf miteinander verbundenen Baukörpern, die eine klare Raumkante entlang der Straße bilden. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Gebäude jeweils in der Materialität ihrer Fassade – Glas, Beton und Ziegel ziehen sich bis in die Innenräume. Insgesamt wirkt der Bildungsbau außergewöhnlich großzügig. Um die luftige Eingangshalle ordnen sich alle Funktionen. So erstreckt sich rechterhand ein quaderförmiges Bauteil mit Küche, Essensausgabe und -saal. Von der Mensa zur Essensausgabe führen Türen von Schörghuber, die wie die umliegenden Wände mit Buchenfurnier beplankt sind und sich so flächenbündig und nahezu unsichtbar in den Raum integrieren. Von der Essensausgabe zur Küche wurde sich für eine Schörghuber Vollspan-Schiebetür entschieden, die platzsparend an der Wand entlang läuft und im geöffneten Zustand die volle Durchgangsbreite freigibt. Zudem verhindert die Tür, dass sich Gerüche aus der Küche ausbreiten können. Die verglaste Pausenhalle dient als Entree und Treffpunkt für 1.000 Schüler und grenzt direkt an den rückwärtigen Pausenhof.

Transparent kombiniert

Auf einer zweiten Ebene befindet sich die Mediathek – ein Kleinod, das den Architekten wegen seiner besonderen Atmosphäre am Herzen liegt. Eine Front aus Schallschutzglas gibt den Blick in die Mensa frei und schirmt ihn zugleich akustisch ab – entstanden ist ein Ort der Besinnung und des stillen Arbeitens.

Ebenfalls im Eingangsbereich, hinter der zentralen Treppe, schließt sich in westlicher Richtung ein weiterer quaderförmiger Gebäudeflügel an – ein kompaktes Element mit Fachräumen für die naturwissenschaftlichen Fächer, Kunst und Werken. Insbesondere in den Fachräumen für Naturwissenschaften kamen aufgrund der erhöhten Brandgefahr T30 Brandschutztüren von Schörghuber zum Einsatz. Der Flügel ist zweigeschossig und fasst Vorbereitungs- wie Unterrichtsräume, die mit großen Fenstern in Richtung Pausenhof geöffnet sind. Zugleich dient er als Übergang zu drei identischen, aber eigenständigen Baukörpern, den sogenannten Clustern. In regelmäßigem Abstand docken diese Cluster für die Unter-, Mittel- und Oberstufe in Richtung Park an – die Einfachheit ihrer Erschließung entspricht der inneren Organisationsstruktur des Lernortes: Eine Art „Schule in Schule“ nennt Schulleiter Ludger Montag das Prinzip.

Mit ihrem streng organisatorischen Konzept funktionieren die Cluster als Haus für sich, jede Klassenstufe verfügt über ein eigenes Geschoss – Klassenverbände haben auch außerhalb der Unterrichtsstunde die Möglichkeit unter sich zu bleiben. Lehrerzimmer sind dezentral angeordnet. Raumaufteilung und Materialwahl verströmen Gemütlichkeit mit Identifikationspotential. Jedem Cluster ist eine Leitfarbe zugeordnet, was gerade jungen Schülern als Orientierungshilfe dient. Gelb, Grün oder Blau sind die Farben für Wände und Türen der Flurbereiche. In diesen hochfrequentierten Bereichen kamen unter anderem Feuchtraumtüren von Schörghuber zum Einsatz. Diese sind besonders robust, beständig gegen eindringende Feuchtigkeit, zum Beispiel bei der Reinigung, und erfüllen zugleich Brand-, Rauch- und Schallschutzanforderungen. Zudem sind sie an das individuelle Farbkonzept des jeweiligen Clusters abgestimmt, welches sich unter anderem bei den Schließfächern und weiteren Details im Treppenhaus und in den Sanitärbereichen fortsetzt.

Auch für die Cluster gilt ein fast verschwenderischer Umgang mit den Verkehrsflächen. Lange, breite Flure sind untergliedert durch fast drei Meter hohe, großflächig verglaste Stahl-Rohrrahmentüren von Hörmann – das Glas sorgt für Transparenz und Lichteinfall, die Stahlrahmen für Langlebigkeit auch bei starker Frequentierung. Die Türen erfüllen Brand- und Rauchschutzanforderungen und halten Feuer im Brandfall mindestens 30 Minuten stand. Die gute Einsehbarkeit der Gänge ermöglicht im Brandfall eine frühzeitige Erkennung und Alarmierung. Neben den ästhetischen Funktionen erfüllen die Türen die aus brandschutztechnischer Sicht für öffentliche Gebäude bauaufsichtlich geforderten Kriterien. Auch im Untergeschoss galt es Brandabschnitte zu schaffen und Fluchtwege zu sichern: Hier kamen unter anderem T90 und T30 Hörmann Brandschutztüren aus Stahl zum Einsatz. Diese sind besonders robust und weisen aufgrund ihres vollflächig verklebten Türblattes eine hohe Stabilität und eine großzügige Ansicht auf.

Auch ein Großteil der Klassenräume sorgt aufgrund der Entscheidung für Schörghuber Türen mit vollflächig verglasten Seitenteilen und Oberlichtern für Transparenz. Die meisten Türen erfüllen zudem Brand-, Rauch- und Schallschutzfunktionen und sorgen somit für eine ruhige Lernatmosphäre und Sicherheit im Brandfall. Der Einsatz von robusten Holztüren mit Echtholzfurnier aus Birke oder Rotbuche und einer Höhe von circa drei Metern wirkt einer cleanen, unpersönlichen Schulatmosphäre entgegen. Zum Teil ermöglichen Glaslichtausschnitte im Türblatt die Durchsicht. Verdeckt liegende Obentürschließer unterstützen die moderne Konstruktion und stellen zugleich sicher, dass die Brandschutztüren immer geschlossen sind. Standardmäßig erfüllen alle Schörghuber Türen die höchste Beanspruchungsgruppe 4 („E“).

Besonderes Merkmal der einzelnen Baukörper ist das Weiterführen der Oberflächen von außen nach innen. Bestimmten Funktionen ist eine jeweilige Materialität zugeordnet: die Cluster in Ziegel, die Fachräume und der Veranstaltungstrakt in Beton-Stülpschalung. An der Außenfassade kamen Fertigteile zum Einsatz, innen wurde im Bau liegend geschalt, dann aufgerichtet – eine kostengünstige Alternative. Architekten und Bauherr definierten die Farbzusammenstellung der Ziegel für die Innenwände der Cluster gemeinsam beim Hersteller. Ähnlich wurde bei der Entscheidung für den Bodenbelag verfahren. Der Betonwerksteinboden erhielt durch die Auswahl der Zuschlagstoffe leichte Farbtupfer. In den Veranstaltungsräumen fiel die Entscheidung zugunsten eines Parkettbodens. In jedem Bereich ist ein Material führend. In den Fluren ist es Birkensperrholz für Verkleidungen und Sitzbänke, in den Klassenräumen wurde Kernbuche aus einer Fehlbestellung für Einbauregale genutzt, was nochmals das Kostenbewusstsein unterstreicht.

Energieeffizienz für die nächste Generation

Der Wunsch nach besonderer Energieeffizienz führte zur Beauftragung des renommierten Büros Transsolar für das Energiekonzept, welches eine smarte kaum sichtbare Lösung für den Bau entwickelte. Selbst der Sichtbeton in den Innenräumen hat raumklimatische Aspekte. Die Betonflächen in den Klassenräumen werden passiv als Speicher genutzt und geben im Sommer Kühle in die Klassenräume ab. Dach und Wände haben große Dämmstärken und somit einen hohen Energiestandard. Auch im Beleuchtungskonzept schlägt sich das Energiebewusstsein nieder. Intensive Studien zu Tageslichtwerten prägten im Vorfeld die Planungen. Präsenzmelder und tageslichtabhängige Regelungen sowie große Fenster mit niedrigen Brüstungen ergaben im Zusammenspiel eine optimal auf die Abläufe abgestimmte Lösung. Im Eingangsbereich und im Glas-Pausenhof fallen Oberlichter und LEDs als sparsam eingesetztes Gestaltungsmittel auf. Deckensegel aus Holzwolleleichtbauplatten sorgen für eine gute Akustik in den Klassenräumen. Sie benötigen weniger Fläche zur Schallbrechung und sind kostengünstiger als Gipskarton.

Swiatkowski-Suerkemper Architekten haben gemeinsam mit der Stadt Lippstadt ein rundum durchdachtes und zukunftsweisendes Schulgebäude realisiert, das sich positiv auf die Lernatmosphäre auswirkt. Im August 2018 ging das Projekt mit dem Rohbau der Turnhalle in die nächste Phase. Auch hier sind Hörmann und Schörghuber Türen in Planung. Außerdem werden Grünflächen zwischen den Clustern, ein Schulgarten und ein Bolzplatz gestaltet, die ebenfalls zur besonderen Aufenthaltsqualität der preisgekrönten Bildungseinrichtung beitragen.

Pressemitteilung: Hörmann KG Verkaufsgesellschaft