27. Januar 2022

Ethik und Digitalisierung

Ein Vortrag von Julian Nida-Rümelin, Lehrstuhlinhaber für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians Universität München, am 7. Juni 2018 um 18:30 Uhr im Oskar von Miller Forum

Julian Nida-Rümelin (c) Andreas Müller

München (pm) – Die Digitalisierung stellt uns vor die Herausforderung, neu zu bestimmen, was genuin menschlich ist sowie humanistische Werte zu revitalisieren. Ebenso hat sie auch Implikationen für die Ethik des Bauens.

Digitale Kommunikations- und Interaktionstechniken erweitern Handlungsspielräume und erschließen neue Möglichkeiten. Allerdings birgt die Digitalisierung und die Rolle, die große Konzerne dabei spielen auch eine Reihe von Gefahren: der Verlust informationeller Selbstbestimmung, Einbußen an Vertrauen und Verlässlichkeit in der Internetwirtschaft und Parzellierung der politischen Öffentlichkeit. Die zentralen humanistischen Bildungsideale werden durch die Digitalisierung von Technik, Ökonomie und Kultur wichtiger denn je zuvor. Bloße Faktenkenntnisse verlieren an Wert, ihre kritische Beurteilung, die Fähigkeit, in einem Überangebot von Daten sich zu orientieren, werden wichtiger.

Bislang hat die Digitalisierung lediglich einen bescheidenen Beitrag zur Produktivitätsentwicklung geleistet. Noch sieht es nicht danach aus, als würde sich dies in naher Zukunft ändern. Dies hängt auch damit zusammen, dass die digitalen Techniken ganz überwiegend für Kommunikations- und Werbezwecke eingesetzt wurden und das von Deutschland betriebene Projekt einer vernetzten Industrie 4.0 noch in seinen Anfängen steckt.

Der digitale Humanismus wirbt für ein konsequent an menschlichen Werten orientierten Einsatz der technologischen Möglichkeiten und dafür, dass auch in Zeiten der Digitalisierung menschliche Individuen weltweit Autor/Innen ihres Lebens sein können. Die Digitalisierung muss mit individueller und kollektiver Selbstbestimmung verträglich sein und diese unterstützen.

Zur Person

Prof. Dr. Dr. h. c. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D., ist Lehrstuhlinhaber für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians Universität München, wo er den berufsbegleitenden Masterstudiengang Philosophie-Politik-Wirtschaft leitet.

In den letzten Jahren befasste sich Julian Nida-Rümelin intensiv mit anthropologischen, erkenntnistheoretischen und Technik-philosophischen Fragen. Er war Leiter eines EUForschungsprojektes zur Ethik der Robotik (im Rahmen des Research-Clusters RoboLaw) und hat sich mit philosophischen und ethischen Aspekten des autonomen Fahrens und generell des Einsatzes von Software-Systemen in der beruflichen und privaten Praxis auseinandergesetzt. Seit 2017 ist Nida-Rümelin Sprecher des Arbeitskreises Kultur des Zentrums Digitalisierung Bayern (ZD.B).

Julian Nida-Rümelin ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und der Europäischen Akademie der Wissenschaften. Seine letzten Buchpublikationen: Die Optimierungsfalle. Philosophie einer humanen Ökonomie (btb 2015) und Humanistische Reflexionen (Suhrkamp 2016) und Über Grenzen denken: eine Ethik der Migration (edition Körber, 2017).

Pressemitteilung: OSKAR VON MILLER FORUM