23. Juli 2019

Ergebnisse von COP24 in Katowice: Regelbuch beschlossen – Klimarisken bleiben

COP24 Eröffnung des Österreich-Pavilions (c) Passivhaus Austria
COP24 Eröffnung des Österreich-Pavilions (c) Passivhaus Austria

Innsbruck (pm) – Drei Jahre nach dem umjubelten, historischen Klimaschutzabkommen von Paris hat sich die Weltgemeinschaft jetzt endlich darauf geeinigt, wie dieses Abkommen in die Praxis umzusetzen ist. Das Regelbuch, die Bedienungsanleitung für das Paris-Abkommen wurde in Katowice nach zähen Verhandlungen beschlossen. Ein Minimalkonsens, der jedoch noch lange nicht die Klimakrise bewältigt. „Es ist ein Kampf um Leben und Tod“, bezeichnete in dramatischen Worten der UN-Generalsektretär Antonio Guterres den Kampf gegen die Erderwärmung. Die Passivhaus Austria bemühte sich bei der COP24 am Österreich Pavillon die 26.000 Delegationsteilnehmer auf dieser 24. UN-Weltklimakonferenz von den nachhaltigen und sozial verträglichen Chancen im Gebäudesektor für eine vollständige Dekarbonisierung in allen Klimazonen zu überzeugen.

„Das Ergebnis von Katowice ist eine Erleichterung. Die Staaten der Welt erkennen an, dass sie zusammenarbeiten müssen, um die Klimakrise anzupacken. Das Paris-Abkommen für globale Klimapolitik erweist sich als quicklebendig, trotz einer Zunahme von Nationalismus und Populismus. Mit dem jetzt endlich beschlossenen Regelbuch kann das Paris-Abkommen wirklich umgesetzt werden“, analysiert Resilienzforscher Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Ergebnisse der COP24, und weiter: „Meine größte Sorge ist, dass der UNKlimagipfel in Katowice es nicht vermocht hat, die Klimapolitik so zu gestalten, dass sie die von der Wissenschaft klar aufgezeigten Klimarisken jetzt tatsächlich wirkungsvoll begrenzt – vor allem haben sie versäumt, klar zu machen, dass die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen bis 2030 halbiert werden müssen, wenn man dem 1,5-Grad-Report des Weltklimarats folgen will.“

Max. 1,5°C notwendig, doch +3 bis 4°C drohen

Und dies ist ein echtes Problem. Wir folgen weiterhin einem Weg, der uns noch innerhalb dieses Jahrhunderts in eine sehr gefährliche, drei bis vier Grad wärmere Welt führen wird. Extreme Wetterereignisse treffen bereits heute Menschen auf der ganzen Welt, mit einer globalen Erwärmung von nur einem Grad. In Zukunft werden noch viel mehr leiden, etwa unter starker Zunahme regionaler Dürren, Hurrikane und Meeresspiegel-Anstieg.
Nur drei Minuten dauert die Rede von Greta Thunberg beim Klimagipfel in Katowice. Doch diese drei Minuten reichten der 15 jährigen Schwedin, um im Namen ihrer Generation klare Worte an die anwesenden Politiker aus 196 Nationen zu richten. „Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen“, so Thunberg. „Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen“.

Wir alle müssen jetzt unsere Schritte beschleunigen. „Die Welt braucht mehr als nur klimapolitische Ziele und Prozesse – sie braucht konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase; und sie braucht diese Maßnahmen nicht irgendwann, sondern jetzt“, so der Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer, Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change. Und weiter: „Wirkungsvolle Bepreisung von CO2 kann nicht alles lösen, aber ohne ihn kann nichts gelöst werden. Und die Regierungen können die CO2-Preise nutzen, um mehr soziale Gerechtigkeit durch Ausgleich zu schaffen“.

Chinas Wandel vom Bremser zum Treiber

China war es zu verdanken, dass sich der Streit bei der COP24 ums Regelbuch schließlich löste. Die Unterhändler Pekings wichen zum Schluss der Konferenz von der Forderung nach einer strikten Trennung von Entwicklungs- und Industrieländern ab. In der Nacht zum Freitag bekannte sich China ausdrücklich zu einem einheitlichen Regelbuch, das lediglich für eine Übergangsfrist gewisse „Flexibilitäten“ für Entwicklungsländer vorsehen sollte. Diese Position gilt mit der europäischen als kompatibel. „China spielt keine destruktive Rolle, sondern hält sich auf politischer Ebene strikt an das Paris-Abkommen“, hieß es erleichtert aus Kreisen der deutschen Verhandlungsdelegation.
Dies entspricht auch den Bemühungen in China selbst, durch engagiertes Handeln aus den im Land herrschenden dramatischen Umweltproblemen heraus zu kommen. So ist mittlerweile China der weltweit größte Investor von Solar- und Windenergie, hat in nur 8 Jahren 8.500 Kilometer Hochgeschwindigkeitszug-Strecken errichtet, und in immer mehr Städten sieht man nur noch öffentliche Busse als E-Busse.

NEGA-Watt statt MEGA-Watt – China baut auf Passivhaus-Standard

Und nun sickerte auf der COP24 von chinesischer Seite auch durch, dass China ab 2020 als neuen Baustandard einen Standard festlegen will, der jenem des deutschen Passivhaus-Standards ebenbürtig sein soll. NEGA-Watt statt MEGA-Watt ist das Motto, kann doch so der Energiehunger um bis zu 90 Prozent gesenkt werden. Das Chinesen nicht lange diskutieren, sondern einmal beschlossene Sachen einfach umsetzen, kann man schon derzeit in der chinesische Kleinstadt Gaobeidian sehen, wo gerade 1,2 Millionen Quadratmeter Wohnfläche als zertifizierte Passivhaus Wohnhochhäuser errichtet werden – was der derzeit weltweit existierenden Gesamtfläche an PHI-zertifizierten Fläche entspricht! Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die 23. Internationale Passivhaustagung erstmals außerhalb Europas in der chinesischen Stadt Gaobeidian stattfinden wird. Damit wird den rasanten Entwicklungen im Reich der Mitte Rechnung getragen. Österreich wird sich in China als Passivhaus-Technologieführer groß präsentieren.

Österreich bekennt sich zur „High Ambition Coalition“ für mehr Klimaschutz

Seit der Klimakonferenz ist auch Österreich Teil der „High Ambition Coalition“, ein Bündnis von knapp 30 Staaten, die sich für einen stärkeren Klimaschutz einsetzen. Inhalt der gemeinsamen Erklärung ist u.a. der aktuelle IPCC-Sonderbericht, der den Handlungsbedarf klar aufzeigt. „Der IPCC-Report ist unmissverständlich“, betont Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger. „Nur durch ein schnelles globales Handeln können wir die Erderwärmung auf 1,5°C begrenzen, weshalb die hochambitionierte Koalition bis 2020 ehrgeizigere Klimaschutzpläne & Nationale Klimaziele vorlegen wird“, so Köstinger.

„Das heißt natürlich, dass auch zu Hause mehr geschehen muss und die gesamte Regierung wirkungsvolle Maßnahmen setzt“, so Reinhold Christian, Vizepräsident des Umweltdachverbandes, der bei der Klimakonferenz im Rahmen der österreichischen Delegation an Ort und Stelle war. Die nationalen Erfordernisse können seiner Meinung nach jedoch zeitgerecht 2019 in die derzeit „noch sehr lückenhafte österreichische Energie- und Klimastrategie“ eingearbeitet werden.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen forderte in einer Aussendung mehr Anstrengungen etwa bei den nationalen Klimazielen. Diese müssten nun verschärft werden. Trotz des Regelbuchs seien viele Fragen offen geblieben, „und uns droht, die Zeit davon zu laufen.“ Er könne daher auch die Enttäuschung Vieler nachvollziehen, dass nicht mehr gelungen sei. Bis zum Klimagipfel und der Weltklimakonferenz 2019 müssten „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden.

Pressemitteilung: Passivhaus Austria