16. Oktober 2019

Der Preisträger des Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis 2019 steht fest

Berlin (pm) – Auf der Preisverleihung am 12. Februar 2019 im Deutschen Museum München hat der Verlag Ernst & Sohn den Preisträger des 16. Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreises bekannt geben. Der Jury-Vorsitzende, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Mark, verkündete den Preisträger und die ausgezeichneten Projekte den über 100 anwesenden Gästen. Die dreizehnköpfige Jury, bestehend aus namhaften Vertretern aus Wissenschaft, Praxis sowie Behörden und Verbänden, wählte Anfang November aus 25 hochkarätigen Einreichungen zunächst fünf wiederum herausragende Projekte für die Shortlist aus. In einer zweiten Jury-Sitzung im Januar 2019 wurde schließlich in einer mehrstündigen Diskussion der Preisträger ermittelt. Am Ende des Tages votierte die Jury mehrheitlich für das:

Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei)

© Doğuş Group
© Doğuş Group

Ingenieure: EiSat GmbH, Berlin (D)
Architekten: kleyer.koblitz.letzel.freivogel Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (D)
Auftraggeber der Planungsleistung: Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Berlin (D)

Jurybegründung

Die Jury vergibt den diesjährigen Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis an das Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei). Das Bauwerk erfüllt in herausragender Weise die Summe der verschiedenen Bewertungskriterien (Konstruktion, Innovation, Interdisziplinarität, Ästhetik, Nachhaltigkeit).

Besonders beeindruckt die Jury der Umgang des Entwurfs mit der sensiblen Umgebung der Ausgrabungsstätte und dem Zusammenspiel der Dachform mit der Hügellandschaft. Die Gründungskonstruktion wurde aus den örtlichen Erfordernissen heraus auf ein Minimum reduziert. Der darauf errichtete Laufsteg übernimmt im Bauzustand bereits die Aussteifung der Unterkonstruktion und nimmt die Fachwerkstreben auf, die den horizontalen Dachringträger in gleichmäßigen Abständen stützen. Die Stahlkonstruktion ermöglicht maximale Vorfertigung, leichten Transport und eine schnelle Montage der Dachkonstruktion vor Ort. Das Dach als vorgespanntes Seilnetz mit PTFE Membran sichert neben dem Witterungsschutz auch eine natürliche Beleuchtung der Ausgrabungsstätte.

Die Jury würdigt in besonderer Weise das Zusammenspiel aus Form und Funktion der Dachkonstruktion, welche in der Außenwirkung als eigenständiges Bauwerk besticht, während es sich in der Innenwirkung durch maximale Transparenz gegenüber den Ausgrabungen zurücknimmt.

 

Zwei weitere, für die Shortlist nominierte Projekte erhielten eine Auszeichnung (ohne Rangfolge):

Kienlesbergbrücke, Ulm (Ingenieure: KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, Karlsruhe)

© P. Blaha

Ingenieure: KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, Karlsruhe (D); Klähne Beratende Ingenieure im Bauwesen GmbH, Berlin (D)
Architekten: Knight Architects, Bartlomiej Halaczek, High Wycombe (GB)
Bauherr: Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm: SWU Verkehr GmbH (D)
Ausführung: SEH Engineering GmbH, Hannover (D)

Jurybegründung

Die Kienlesbergbrücke für Fußgänger, Radfahrer und Busse überquert am Ulmer Hauptbahnhof mehrere bestehende Gleise, sowie den Albabstiegstunnel der ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm.

Das Bauwerk zeichnet sich durch seine Eigenständigkeit im städtebaulichen Kontext besonders aus und wirkt ordnend und identitätsstiftend auf das unruhige Umfeld. Gleichzeitig geht das kraftvolle Bauwerk durch seine Form und Konstruktion respektvoll auf den Bestand der benachbarten denkmalgeschützten Neutorbrücke ein. Das Zusammenspiel von Ingenieurleistung, architektonischer Gestaltung und den funktionellen Anforderungen ist selbstbewusst gelöst. Die trennende Wirkung der Gleisanlagen wird nicht nur überbrückt, sondern bietet den Fußgängern Aufenthaltsqualitäten und neue Ausblicke auf die Stadt Ulm.

Die Entwicklung der Tragkonstruktion oberhalb der Fahrbahnebene aufgrund der begrenzten Durchfahrtshöhe zitiert den Wettbewerbsentwurf für den „Großen Belt“ des DYWIDAG Ingenieurs Herbert Schambeck, langjähriger Mitarbeiter von Ulrich Finsterwalder aus den 1960 er Jahren.

Das Ingenieurbauwerk wird als besondere Leistung der interdisziplinären Zusammenarbeit ausgezeichnet, welches mit seinem kraftvollen Ausdruck dem Ort eine neue Identität verleiht.

Trumpf Steg, Ditzingen (Ingenieure: schlaich bergermann partner)

© schlaich bergermann partner

Ingenieure: schlaich bergermann partner (D)
Architektonische Beratung: Barkow Leibinger, Berlin (D)
Bauherr: TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen (D)
Ausführung: Franz Prebeck GmbH & Co. KG, Bogen (D)

Jurybegründung

Mit diesem Bauwerk ist es auf eine ästhetisch sehr ansprechende und technisch innovative Weise gelungen, die verkehrliche Notwendigkeit, eine öffentliche Straße innerhalb des Betriebsgeländes der Fa. Trumpf zu überbrücken, mit einer gestalterischen und technologischen Bezugnahme auf den Unternehmenszweck des Auftraggebers zu verbinden.

Dabei entstand ein leichtes und transparentes Brückentragwerk, bei dem die Grenzen zwischen Funktion und Kunstobjekt verschwimmen. Die Laserschneidtechnik des Auftraggebers wurde verwendet, um aus dünnen Stahlblechen ein räumlich gekrümmtes, lichtdurchlässiges Schalentragwerk zu formen. Die dabei entstandene Netzstruktur wird mit dem Einsatz von Glasperlen im Gehwegbelag und von Geländern aus Glaselementen kombiniert. Entstanden ist ein auf den Auftraggeber individuell zugeschnittenes Brückentragwerk mit auszeichnungswürdiger Ästhetik und innovativen konstruktiven Detaillösungen.

Pressemitteilung: Wilhelm Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG