7. Dezember 2021

Bund Deutscher Architekten Berlin beruft Ehrenmitglieder

Graftworld, Graft, Ausstellung AEDES 2007, Foto: Graft
Graftworld, Graft, Ausstellung AEDES 2007, Foto: Graft
Berlin (pm) – Der Bund Deutscher Architekten BDA, Landesverband Berlin e.V., verleiht dem ehemaligen Hauptstadtarchitekten der DDR und früheren Vizepräsidenten des BdA (Bund der Architekten, DDR) Roland Korn sowie der Kuratorin und Mitbegründerin des Berliner Architekturforums AEDES Kristin Feireiss die Ehrenmitgliedschaft. Damit würdigt der BDA Berlin zwei herausragende Persönlichkeiten, die sich in den sehr unterschiedlichen Bedingungen in Ost und West in besonderer Weise und weit über Berlin hinaus wirkend um die Baukultur verdient gemacht haben.

Roland Korn zählt zu den wichtigsten Architekten der DDR und hat mit zahlreichen Repräsentationsbauten in Ost-Berlin die Gestalt der DDR-Hauptstadt maßgeblich geprägt: darunter der ehemalige Amtssitz des Staatsrates der DDR, das Interhotel Stadt Berlin (heute Park Inn) und das Haus des Reisens. Als Chefarchitekt der Hauptstadt der DDR zeichnete er zudem über mehr als 15 Jahre maßgeblich verantwortlich für die städtebauliche Planung Ost-Berlins.  Die Qualitäten dieses Werkes fanden nach der Wiedervereinigung zunächst wenig Beachtung; der Architekt Roland Korn geriet weitgehend in Vergessenheit. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft zielt der BDA Berlin darauf, Roland Korns Bedeutung für die Baukultur in Erinnerung zu rufen und sein großes Werk besonders zu würdigen. Der Verband möchte dies auch als längst überfälliges Signal verstanden wissen, das architektonische Erbe der DDR und die Leistungen von DDR-Architekten in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Staatsratsgebäude, Architekt Roland Korn, Erich Bogatzky,   Foto: IRS/Wiss.Sammlungen, Fotoarchiv (Berlin, Magdeburg)
Staatsratsgebäude, Architekt Roland Korn, Erich Bogatzky, Foto: IRS/Wiss.Sammlungen, Fotoarchiv (Berlin, Magdeburg)
Die Architekturkuratorin, Autorin und Herausgeberin Kristin Feireiss leistete mit der 1980 von ihr im damaligen West-Berlin mitgegründeten ersten privaten Architekturgalerie Europas AEDES Pionierarbeit in der Architekturvermittlung.  Mit herausragendem Engagement hat sie das Architekturforum, das sie seit 1994 gemeinsam mit ihrem Partner Hans-Jürgen Commerell leitet, zu einer international anerkannten Plattform für die Diskussion von Architektur und Städtebau unter Berücksichtigung kultureller, sozialer und ökonomischer Faktoren weiterentwickelt. Mehr als 600 Ausstellungen wurde bis heute bei AEDES realisiert. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft würdigt der BDA Kristin Feireiss für ihr einzigartiges Lebenswerk, mit dem sie einen einzigartigen Beitrag für die Auseinandersetzung mit der gestalteten Umwelt in der Öffentlichkeit leistet.

Der BDA Berlin ehrt Roland Korn und Kristin Feireiss in einem Festakt im Rahmen seines Jahresempfangs am 21. Mai 2017 um 12 Uhr. Die Veranstaltung findet im ehemaligen Amtssitz des DDR-Staatsrates, der heutigen European School of Management and Technology ESMT Berlin statt.

Graftworld, Graft, Ausstellung AEDES 2007, Foto: Graft
Graftworld, Graft, Ausstellung AEDES 2007, Foto: Graft

Zur Person Roland Korns

Roland Korn, am 11. Mai 1930 in Saalfeld/Saale als Sohn eines Installateurs geboren, absolvierte nach seinem Hauptschulabschluss im Alter von 15 Jahren zunächst eine Maurerlehre, bevor er 1948 sein Studium an der Fachhochschule für Bauwesen in Gotha aufnahm. Nach erfolgreichem Abschluss zum Bauingenieur 1951 fand er eine erste Anstellung im VEB (Z) Projektierung in Berlin und arbeitete bis 1955 mit dem Innenarchitekten Erich Bogatzky bei Kurt W. Leucht für die „erste sozialistische Stadt“ Stalinstadt.
Nächster wichtiger Baustein seiner Karriere war die Elbe-Schwimmhalle in Magdeburg, die er – gerade 29 Jahre alt – nach dem Gewinn des entsprechenden Wettbewerbs 1959-61 realisieren konnte. Unmittelbar anschließend wechselte er zum VEB Berlin-Projekt und wurde als Kollektivleiter mit einem der wichtigsten Bauten der DDR betraut: dem 1964 fertiggestellten Amtssitz des Staatsrates der DDR.
Als nächstes großes Projekt für sein Kollektiv folgten ab 1968 unter der Leitung von Hans Grotewohl die Planungen für den Umbau des Alexanderplatzes als Teil der DDRGesamtstrategie für den „beschleunigten Wiederaufbau der Stadtzentren der wichtigsten Städte der DDR“. Hier war Korn gemeinsam mit Erich Bogatzky und Heinz Scharlipp für das Interhotel Berlin (heute Park Inn) am Berliner Alexanderplatz verantwortlich, mit dem 1967-70 – als bauliches Pendant zum gleichzeitig entstehenden Fernsehturm – das höchste bewohnbare Gebäude der DDR realisiert wurde. 1969-71 entstand ebenfalls am Alexanderplatz das Haus des Reisens (gemeinsame Planung mit Johannes Briske und Roland Steiger).
Parallel absolvierte Korn ein weiteres Studium an der HAB Weimar. Nach dessen Abschluss und einem anschließenden Auslandsaufenthalt in Chile wurde Korn 1973 zum Chefarchitekten der Hauptstadt der DDR ernannt und zeichnete fortan bis zum Ende der DDR maßgeblich verantwortlich für die städtebaulich-architektonische Planung OstBerlins. In seine Amtszeit fielen prägende stadtentwicklungspolitische Entscheidungen für Ost-Berlin, darunter die Realisierung u.a. der Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf mit Wohnraum für 250.000 Menschen wie auch die Realisierung weiterer Großprojekte wie das Dom Hotel (1990 eröffnet, heute Hilton) oder das Palast-Hotel (2001 abgerissen).
In späteren Jahren setzte sich Korn (analog zu den Entwicklungen in Westdeutschland) für eine Rückbesinnung auf historische Stadtstrukturen ein, die beispielhaft in der Rekonstruktion der innerstädtischen Altbauwohngebiete NicolaiViertel, im Prenzlauer Berg sowie auch in der Altstadt Köpenick ihren Ausdruck findet.
Für sein Wirken wurde Roland Korn mit zahlreichen Ehrungen und Preisen gewürdigt, darunter die Schinkelmedaille (1964), der Nationalpreis erster Klasse (1969) und der Goethepreis der Hauptstadt Berlin (1980). Dem BdA (Bund der Architekten) der DDR gehörte Roland Korn von 1957 bis 1990 an, ab 1971 wirkte er hier als Vizepräsident. Nach der Wiedervereinigung war Korn mit seinem Büro Korn Sasse Jahn noch bis 1998 als freier Architekt tätig. Er lebt heute in Gera.
Portrait Roland Korn, Foto: privat
Zur Person Kristin Feireiss
Kristin Feireiss (geb. Lang), am 1. Juli 1942 als Tochter eines Textilkaufmanns in Berlin geboren, wuchs nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel, dem Versandhausgründer Josef Neckermann auf. Nach dem Studium der Geschichte und Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt/Main arbeitete sie zunächst als Journalistin beim Springer-Verlag sowie beim Internationalen Design Zentrum in Berlin. 1980 gründete sie im damaligen West-Berlin zusammen mit Helga Retzer (†) das Architekturforum AEDES, das als erste private Architekturgalerie in Europa schnell zu einer international beachteten Plattform für den Architekturdiskurs avancierte und bereits mit seinen ersten Ausstellungen am damaligen Standort am Savignyplatz Kultstatus erreichte. Viele heute namenhafte Architekten wie Frank Gehry, Rem Koolhaas, Zaha Hadid, Thom Mayne, SANAA, oder Wang Shu haben hier ihre Arbeiten vorgestellt, lange bevor sie Weltruhm erlangten.

1996 bis 2001 leitete Kristin Feireiss das renommierte Niederländische Architekturinstitut (NAI) in Rotterdam. Hier richtete sie ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Hinterfragung urbaner Transformationsprozesse und führte wegweisende Forschungen auf dem Gebiet durch. 2001 war sie Kommissarin des niederländischen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig, 2012 Mitglied der internationalen Biennale-Jury.

Das Architekturforum AEDES leitet Feireiss seit 1994 gemeinsam mit ihrem Partner Hans-Jürgen Commerell. Bereits seit 1995 auch im ehemaligen Ostteil der Stadt präsent, bezog die Galerie 2006 ihre heutigen Räume im Kulturquartier Pfefferberg in Berlin-Prenzlauer Berg. 2009 gründeten Feireiss und Commerell hier auch den „Aedes Network Campus Berlin (ANCB) The Aedes Metropolitan Laboratory, der 2010 mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet wurde.

Für ihr Engagement bei der Vermittlung von Architektur und Baukultur hat Kristin Feireiss zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande (2001), die Ehrendoktorwürde der Universität Braunschweig (2007), die Mitgliedschaft im European Cultural Parliament (seit 2012), der königlich-niederländische Orden „Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen“ (2012), die Ehrenmitgliedschaft als Honorary Fellow im Royal Institute of British Architects (seit 2016) und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kultur (2016). Darüber hinaus ist sie seit 2013 Jurymitglied des Pritzker-Architekturpreises.

Feireiss ist Herausgeberin preisgekrönter Monographien und Themenbände zu zeitgenössischer Architektur und Stadtplanung. Im Fokus Ihrer Arbeit stehen auch hier das Verhältnis von Mensch und Architektur, die Stadt als Sozialraum und das kreative Potential des Informellen: Die Publikation zur NAI-Ausstellung „Blank. Architecture, Apartheid and After“ (1998) war eine der ersten Grundlagenforschungen über Architektur und Urbanismus in Südafrika, „Japan: Towards Totalscape“ (2001) analysierte die zeitgenössische Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung in Japan.  Mit „Informal City: Caracas Case“ (2005) brachte Kristin Feireiss die Diskussion um das Thema urbaner Informalität nach Europa. Zu ihren jüngsten Publikationen zählt „Transforming Cities. Urban Interventions in Public Space“ (2015).  Kristin Feireiss ist schließlich auch Mitherausgeberin der Bände „Architecture of Change: Sustainability and Humanity in the Built Environment“ (2008 & 2009), die herausragende Beispiele von nachhaltiger Architektur und sozialen Initiativen weltweit versammeln.

Kristin Feireiss, Foto: Erik-Jan Ouwerkerk
Kristin Feireiss, Foto: Erik-Jan Ouwerkerk
Pressemitteilung: Bund Deutscher Architekten Berlin