2. Dezember 2020

Blumer-Lehmann AG erweitert Hotel in Modulbauweise

Erweiterung Ostflügel Hotel Bad Horn, Horn/CH

Modulbau (c) Blumer-Lehmann AG

Gossau (pm) – Um die Bauzeit möglichst kurz zu halten, entschied sich die Bad Horn AG bei der Planung für den Erweiterungsbau ihres Wellness-Hotels für die Holzmodulbauweise. Der Schweizer Modulbauspezialist Blumer Lehmann produzierte für dieses Projekt 40 komplett ausgestattete Raummodule in seinem Werk in Gossau.

Baumaßnahmen in einem Hotel sind immer problematisch: Für die Gäste ist der Lärm ein Ärgernis, die Betreiber fürchten Umsatzeinbußen und Stornierungen. In der Vorbereitung für ihre geplante Erweiterung suchten die Betreiber des Wellness & Spa-Hotels Bad Horn daher nach Alternativen und entschieden sich zusammen mit ihrem Architekten für die Modulbauweise aus Holz. Vor allem der Vorteil der kürzeren Bauzeit beim Modulbau überzeugte die Bauherrschaft. Allerdings setzt ein solches Konzept eine detaillierte Vorbereitung voraus.

Der 50 Jahre alte und mehrfach renovierte Ostflügel des 4-Sterne-Hotels am südlichen Bodenseeufer sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Für die Baumaßnahme selbst war ein enges Zeitfenster von acht Monaten gesetzt worden. Nach dem Rückbau des Bestands wurde das Erdgeschoss mit Restaurant und Lobby neu gebaut und drei Obergeschosse in Modulbauweise aufgestockt. Insgesamt wurden über dem konventionell in Massivbauweise erstellten Erdgeschoss 42 Gästezimmer errichtet. Die großzügigen Hotelzimmer und Suiten entsprechen modernsten Komfortansprüchen und sind hochwertig ausgestattet. Zur Seeseite haben die Zimmer Balkons, einige Zimmer sind barrierefrei. Die Architekten orientierten sich bei der Ausstattung und der Fassade an dem klassischen Herrenhausstil des seit 1827 bestehenden Hotels. Mahagoniholz und Messing prägen das gestalterische Innenraumkonzept.

(c) Bad Horn Spa

Modulbaukompetenz frühzeitig einbinden

Die Modulbauabteilung der Blumer-Lehmann AG wurde über die Ausschreibung in die Realisation involviert und konnte hier ihre Erfahrungen im Holzmodulbau einbringen. Wegen der kurzen Bauzeit mussten grössere Kapazitäten und Infrastruktur bereitgestellt werden, um die Durchlaufzeit der einzelnen Module zu erhöhen. Daher hatte sich die Blumer-Lehmann AG schon in der Angebotsphase mit der Krattiger Holzbau AG zu einer ARGE zusammengeschlossen. Bei solchen Projekten sind die Unternehmer frühzeitig in die Projekte zu integrieren, damit sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen, vor allem aber ihr Systemdenken schon in die Planung einbringen können. „In diesem Projekt hat die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert, auch die Planung war sehr gut vorbereitet,“ erinnert sich Lukas Osterwalder, Bereichsleiter Modulares Bauen und Mitglied der Geschäftsleitung der Blumer-Lehmann AG. Aufgrund des gut geplanten Konzepts konnten die Architektenplanungen bis auf minimale Justierungen übernommen werden.

Vom Musterzimmer zum Raummodul

Im Sommer 2019 wurde ein Musterzimmer erstellt, in dem zusammen mit den Architekten und Bauherren alle Details final abgestimmt werden konnten. „Das ist ein wichtiger Aspekt bei der Modulbauweise. Der Prozess wird anhand des Musterzimmers durchgespielt, Schnittstellen und Leistungsabgrenzungen zu Subunternehmern justiert und die betriebliche Funktionalität überprüft. Zugleich ist die Abnahme des Musterzimmers die Produktionsfreigabe, denn auf der Baustelle kann nichts mehr geändert werden,“ räumt Osterwalder ein. Das Prozedere garantiert Planungs- und Kostensicherheit für alle Beteiligten.

Ein weiterer großer Vorteil der Modulbauweise ist der zeitliche Aspekt: Während das Erdgeschoss und die beiden Treppentürme konventionell gebaut wurden, konnte die ARGE Blumer-Lehmann AG/Krattiger Holzbau AG schon mit der Produktion der Elemente und Raummodule in ihren Werkhallen beginnen. Nach der Vormontage der Module erfolgte in der Modulbauhalle der Blumer-Lehmann AG der Ausbau durch regionale Partnerfirmen. Innerhalb von zehn Wochen wurden 29 Zimmermodule im Werk von Blumer Lehmann in Gossau gefertigt, ebenso elf Nasszellenmodule für die nicht in Modulbauweise erstellten größeren Suiten. Schon im Werk erhielten die modular gefertigten Zimmer ihre komplette Ausstattung: Parkettboden und großformatige Boden- und Wandfliesen in den Nasszellen, Fußbodenheizung, Innenausbauten, die komplette HLKS- und Elektroinstallation sowie die abgedichteten Balkone. Vor Ort wurden nach der Montage nur noch die Erschließungen und der Ausbau im Korridorbereich sowie die Möblierung ergänzt. Die größeren Suiten wurden wegen ihrer Abmessungen in Elementbauweise erstellt, ebenso das Dach und die Verbindungen zum Bestand. Die Elementfertigung hierfür übernahm die Krattiger Holzbau AG in ihrem Werk in Amriswil.

Logistik-Konzept für die Montage

Effiziente Logistik ist ein weiterer wesentlicher Aspekt der Modulbauweise. Bis zur Montage mussten die fertigen Raummodule gut verpackt zwischengelagert werden. Ungewöhnlich war in diesem Projekt die Dimension der Raummodule: Mit 5,3 m Breite, 9 m Länge und 3 m Höhe gehören sie zu den breitesten Modulen, die bei Blumer Lehmann je produziert worden sind. Aufgrund ihrer Übergröße wurden sie nachts mit Spezialtransporten zur Baustelle gefahren. Insgesamt waren 40 Modultransporte und acht Pritschentransporte notwendig. Zur Montage wurden die komplett ausgebauten Zimmer mit einem Spezialkran innerhalb von drei Wochen nach und nach an ihren Platz gehoben. Dafür erfolgte die Anlieferung der Module an die Baustelle just in time und strikt nach Plan, damit alle Module an die richtige Platzierung kamen. Nach der Montage wurden die Spezialzimmer, Erschließungsflure und haustechnischen Installationen ergänzt und ausgebaut. Zuletzt wurde das Dach fertiggestellt und die hinterlüfteten Putzträgerplatten für die Fassade vor Ort montiert. Mit einer minimalen Verzögerung durch die Corona-Krise konnte der Umbau im Juli 2020 seiner Bestimmung übergeben werden.

Pressemitteilung: Blumer-Lehmann AG