17. November 2018

„Architektur.Stadt.Verantwortung.“ – Wie sollen unsere Städte der Zukunft aussehen?

Deutsche Poroton startet neues Veranstaltungsformat

Hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Johannes Edmüller, Deutsche Poroton; Moderator Boris Schade-Bünsow; Frank Junker, ABG Frankfurt Holding; Mike Josef, Stadtplanungsdezernent Frankfurt; Michael Fuchs, Lupp Bauunternehmung; Stefan Forster, Stefan Forster Architekten. Foto: Deutsche Poroton / Ulrich Schepp

Berlin (pm) – Fortbildungen zu den harten Fakten der Bauphysik sind in der Ziegelindustrie wichtiger Bestandteil der Kommunikation, so auch bei der Deutschen Poroton und ihren Mitgliedern. Für Poroton-Geschäftsführer Clemens Kuhlemann stellen sich angesichts von Urbanisierung, Gentrifizierung ganzer Stadtteile und bundesweit gut 1,5 Millionen fehlender Wohnungen im bezahlbaren Segment jedoch weitere Fragen: „Aus unseren Ziegeln entstehen Gebäude für Menschen. Alle am Bau Beteiligten müssen sich daher fragen: Was bedeutet Baukultur in Zeiten der Urbanisierung? Wie gestalten und strukturieren wir Räume, die ein friedliches soziales Miteinander ermöglichen, die lebenswert und bezahlbar sind? Welche Verantwortung tragen Architekten? Und was kann die Ziegelindustrie, was kann Poroton dazu beitragen?“

Impulse für mehr Baukultur

Erstmals in ihrer 50-jährigen Geschichte lud die Deutsche Poroton zu einer Architekten-Tagung. Unter dem Motto „Architektur.Stadt.Verantwortung.“ diskutierten in der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg unter anderem Stefan Forster von Stefan Forster Architekten, Claudia Meixner von Meixner, Schlüter, Wendt Architekten, Mike Josef, Dezernent Planen und Wohnen Frankfurt/Main, Frank Junker, Vorstandsvorsitzender ABG Frankfurt Holding, Prof. Detleff Schermer, OTH Regensburg, sowie Daniela Riedel, Bürgerbeteiligungsagentur Zebralog. Gut 60 Architekten und Planer waren der Einladung gefolgt.

Impulse zu ausgewählten Fragen von Baukultur, Wohnungsbau, Bauphysik und Bürgerbeteiligung eröffneten die Tagung. Für Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, ist es eine zentrale Aufgabe, Deutschlands Polyzentralität angesichts des Drangs in die Städte und der schrumpfenden Bevölkerungszahl zu erhalten.
Prof. Gerd Jäger, baumschlager eberle Architekten, betonte die Bedeutung einer intelligenten Grundrissplanung. „Eine kluge Erschließung ermöglicht uns flexible Nutzungsphasen, egal ob studentisches Wohnen, Flüchtlingsunterkunft oder klassischer Wohnbau.“ Er plädiert für mehr thermische Speichermasse statt überbordender Dämm-Maßnahmen, um zunehmende Hitze-Perioden besser abzupuffern und so dem Klimawandel zu begegnen.

Mehr Wohnraum – aber wie?

Politisch und stadtplanerisch notwendige Maßnahmen gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum diskutierte eine zweite Runde exemplarisch am Beispiel der Stadt Frankfurt/Main. Stadtplanungsdezernent Mike Josef verdeutlichte die Problematik: Konnte Frankfurt im Jahr 2008 noch eine Wohnraumversorgungsquote von 99 Prozent realisieren, sind es heute nur noch 90 Prozent. Mindestens jeder zehnte Interessent findet keinen oder keinen adäquaten Wohnraum mehr. Diese Situation stellt sich inzwischen in nahezu allen deutschen Metropolen so oder noch verschärfter dar.
Mehr Wohnungen müssen also gebaut werden. Angesichts der begrenzten Fläche kann das über die Ausweisung neuer Baugebiete, die innerstädtische Verdichtung und die Entwicklung über Stadtgrenzen hinaus erfolgen. Architekt Stefan Forster forderte mehr politischen Mut ein, etwa indem große Kleingartenanlagen verlagert werden, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft gilt es, bezahlbaren Wohnraum auch über Stadtgrenzen hinaus zu planen, wie Frank Junker, ABG Frankfurt Holding, betonte: „Die Grundstückpreise in Frankfurt machen günstige Mieten nur schwer möglich.“ Stadtgebiete und angrenzende Landkreise müssen künftig bundesweit noch stärker zusammen gedacht und entwickelt werden.

Fortsetzung in 2019

Johannes Edmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Poroton, ist sich sicher, mit dem Debattenformat den Nerv der Zeit getroffen zu haben: „Deutschland ist keineswegs gebaut – ganz im Gegenteil. Wir haben die Herausforderung angenommen, das beweist das große Interesse an unserer Auftaktveranstaltung. Es braucht gemeinsame Lösungen, deshalb werden wir den Austausch mit Architekten und Stadtplanern weiter intensivieren.“

Pressemitteilung: Deutsche Proton