7. Dezember 2021

Architektenkammer Berlin über Flughafen Tegel

Architektenkammer Berlin: Gute Stadtentwicklung braucht Planungssicherheit und eine Regierung, die sie garantiert

Berlin (pm) – Ein vorzeitiges Aufgeben der Pläne für Tegel aufgrund des Volksentscheids hält die Architektenkammer Berlin für ein falsches Signal. Richtiger wäre es, die Planung für den Standort in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und in einer breiten Diskussion weiter zu entwickeln. Es sollte nach einer Lösung gesucht werden, die nicht auf Kosten der vielen geht, die unter dem stadtnahen Flughafen leiden müssen und sich auf seine Schließung verlassen haben.

Anstatt den Flughafen BER weiter schlecht zu reden, wie es in Berlin mittlerweile auch unter Fachleuten schon fast zum guten Ton gehört, muss mit ganzer Kraft an seiner Eröffnung gearbeitet werden. Die Fehler der Vergangenheit, wie beispielsweise die Kündigung der Architekten mitsamt allen Fachplanern, sind inzwischen erkannt worden. Es braucht jetzt dringend kompetente Menschen, die an eine baldige Fertigstellung und Inbetriebnahme glauben und zielorientiert daran arbeiten. Bei aller (West-)Berliner Nostalgie und Liebe zu Tegel verdienen Berlin und Brandenburg einen neuen, seiner Hauptstadtfunktion adäquaten und funktionierenden Flughafen.

Die nunmehr für Tegel verantwortliche Senatorin Katrin Lompscher hat die Chance, hier die Vorreiterrolle Berlins als zukunftsfähige Stadt voranzubringen. Mit dem Gewerbestandort „Urban Tech Republic“ und dem Kurt-Schumacher-Quartier, einem neuen Wohngebiet für 10.000 Menschen,  entsteht ein Labor für Stadtentwicklung, Innovation und Klimaschutz. Für dieses immense Potenzial gilt es, die Bevölkerung zu sensibilisieren und dabei die Diskussion mit der (Fach-)Öffentlichkeit und den Gegnern nicht zu scheuen.

Die Tendenz zur „Closed-Shop“-Mentalität, die sich nun rächt, sollte in jedem Fall aufgegeben werden. Denn es gab zwar vor vielen Jahren Standort-Konferenzen und für den Städtebau des Wohnquartiers am Kurt-Schumacher-Damm sogar einen offenen Wettbewerb, die Ergebnisse anderer, nichtoffener Wettbewerbe für das High-Tech-Gebiet wurden aber nicht einmal öffentlich ausgestellt, geschweige denn diskutiert. Die Planung zur Umnutzung des Flughafengebäudes für die Beuth-Hochschule wurde sogar in einem „Verhandlungsverfahren“ vergeben, obwohl gerade dieses ein weltberühmtes Beispiel dafür ist, dass es die ganz jungen Architekten Gerkan und Marg damals als Sieger eines offenen Wettbewerbes bauen konnten. Die Studierenden, darunter viele aus der Architektur und den Ingenieurwissenschaften, mögen sich fragen, welche Chancen eigentlich dem heutigen Nachwuchs eingeräumt werden?!

Bei der Nachnutzung des gesamten Flughafenstandortes Tegel handelt es sich um eine einmalige und für das wachsende Berlin eminent wichtige städtebauliche Zukunftsfläche. Dabei geht es nicht nur um viele Wohnungen, sondern vor allem auch um Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. In diesem Sinn sollte der angekündigte Volksentscheid dazu genutzt werden, nicht wie bei Tempelhof die Augen zu verschließen, sondern die Kritik ernst zu nehmen, nach vorn zu gehen und im gemeinsamen Dialog die beste Lösung zu suchen.

 

Pressemitteilung: Architektenkammer Berlin